Wieso haben so viele Menschen mit psychischen Problemen Angst vorm Arzt?

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7 Antworten

Leider ist es immer noch so, dass trotz Zunahme von psychischen Erkrankungen, diese Krankheit nicht als "gesellschaftsfähig" gilt. Es ist leichter zuzugeben, dass man Alkoholprobleme hat oder schwul ist, als zu sagen, ich habe eine Depression. Depression wird in unserer Gesellschaft entweder gleichgestellt mit "Der ist irre und durchgeknallt" oder "Ach, der tut nur so. Drückt sich vor der Arbeit und soll sich einfach nur mal zusammenreißen". Wer würde also in solch einem Fall freiwillig zugeben, dass er psychische Probleme hat ? Eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik wird gleichgestellt mit einem Aufenthalt im Gefängnis. Man hat ein Stigma für die Ewigkeit, ist abgestempelt als irre und durchgeknallt.

Die Krankheit beginnt auch schleichend. Die Müdigkeit und Lustlosigkeit steigt langsam an. Man selbst hält es anfangs einfach für überarbeitet oder übermüdet. Aber schonen darf man sich in der heutigen Zeit nicht. Denn dies bedeutet ich bin nicht mehr leistungsfähig, werde nicht mehr gebraucht und bin zu nichts mehr nutze. Egal ob Hausfrau und Mutter, die weiter funktionieren muss, sonst wird sie in der Familie schief angesehen oder im Berufsleben, wo schon der Chef schief schaut und man Angst vor einer Kündigung hat oder die Kollegen vielleicht schon am Stuhl sägen. Man muss weitermachen und darf keine Schwäche zeigen, sonst geht man unter.

Der Gang zum Arzt wäre dann ja ein Zugeben dieser Schwäche. Aber man versucht es verzweifelt selbst in den Griff zu kriegen. Ärzte wollen einem erstmal nur mit Medikamenten vollstopfen und Antidepressiva können abhängig machen und haben teilweise heftige Nebenwirkungen. Das will man sich natürlich auch nicht antun. Und wenn dann ein Arzt noch von Klinik spricht, dann ist alles aus. Das will man ja um jeden Preis verhindern. Nicht alle Kliniken sind auch wirklich hilfreich. Teilweise werden die Patienten wirklich einfach nur medikamentös ruhiggestellt und weggesperrt. Schwere Fälle werden mit leichten Fällen zusammengestopft in eine Station und wer vorher nur eine leichte Depression hatte, schnappt dann endgültig über. Aber woher will man wissen, welche Klinik gut ist, wenn man sich nicht traut mit anderen darüber zu reden ? Auf die Aussage eines Arztes ist auch nicht immer Verlaß und Gleichgesinnte zu finden für einen Erfahrungsaustausch ist schwer, denn man will ja nicht zugeben, wie es um einem steht. Psychiatrische Kliniken sind auch meist zuständig für ein bestimmtes Gebiet, d.h. wohne ich da und da, muss ich auch in diese eine Klinik gehen. Nur Privatpatienten haben da noch eine bessere Auswahl. Bin ich aber 08/15 Patient und wohne leider in einem Gebiet mit einer schlechten Klinik, habe ich schlechte Karten.

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Kommentar von MsDoolittle
15.07.2011, 00:36

...man versucht es verzweifelt selbst in den Griff zu kriegen...

Eine wirklich gute, fundierte Anwort!

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Diesen armen Menschen fehlt jegliches Vertrauen an die Menschen, was die Situation natürlich nicht besser macht.

Dieses Mißtrauen ist irgendwann entstanden. Die Seele vergißt nix.

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wenn man an den arzt denkt, denkt man auch immer gleich mit an Skalpele, spritzen, sterile weiße räume, blut und unheilbare krankheiten. ein euserstabschreckender gedanke selbst für die die nicht psychisch labiel sind. daher denke ich das es für solche menschen eine zusätzliche belastung ist, einen arzt aufzusuchen.

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vielleicht können die einem auch einfach nicht helfen und kosten dafür um so mehr !!!

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ich glaube es ist ihnen unangenehm mit der pyschologen darüber zu reden...

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Ja, ich glaube schon, dass die Menschen (immer noch) Angst davor haben, als "irre" abgestempelt zu werden und diesen Stempel nicht mehr loswerden.

Auch mein subjektiver Eindruck sagt mir, dass psychische Leiden enorm zunehmen - erschreckend....

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Weil viele Angst haben, nicht verstanden zu werden und im Irrenhaus zu landen.

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