Wieso haben Jazz-Gitarren diese Ausschnitte im Holz wie von einer Geige?

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5 Antworten

Du meinst die sogenannten F-Löcher.

Dazu muss man die Entstehung der modernen Gitarre kennen.

Einerseits gab es die bekannte traditionelle Gitarre, also mit dem runden Loch und dem fest angeklebten Sattel, an dem auch die Saiten befestigt sind.

Die Firma Gibson hatte dann eine Idee. Sie bauten mit viel Erfolg ganz tolle Mandolinen. Diese Mandolinen hatten viel von einer Violine und waren  auch etwas anders konstruiert als die italienischen Mandolinen. Insbesondere waren die Saiten über Saitenhalter am Ende des Korpus befestigt, in der Mitte befand sich eine verschiebbare Bridge. Das Griffbrett ragte über den Hals hinaus über den Korpus. So werden auch heute noch die A- und F-Mandolinen gebaut, wie sie etwa im Irish Folk oder im Bluegrass benutzt werden.

Dieses Konstruktionsprinzip setze Gibson für den Bau von neuen Gitarren ein. Diese neuen Gitarren waren im Grunde Gitarren in Mandolinenbauweise. Mit gewölbter Decke und gewölbtem Rücken, mit Stahlsaiten, die über den gesamten Korpus gingen, ganz wie bei der Mandoline. Die gewölbten Decken versah man wie bei klassischen Saiteninstrumenten wie Violine oder Bratsche mit den typischen F-Löchern. Ich vermute, dass dies nicht nur Klanghintergründe hatte, sondern wohl auch mit der Stabilität zu tun hatte, denn der Druck auf der Decke ist enorm.

Diese Gitarren waren konstruktionsbedingt lauter als damalige andere Gitarren. Genau deshalb begannen sie auch in den Jazzkapellen das Banjo zu ersetzen. Diese neuen Gitarren waren ähnlich laut, hatten jedoch einen anderen, angenehmeren Klang. Die Lautstärke dieser Gitarren gestattete es nun auch, sie als Melodieinstrumente zu benutzen.

Mit der Popularität einer gleichzeitg mit dieser Gitarre entstehenden neuen Musikrichtung, dem Jazz, wuchs auch die Popularität der neuen Gitarrenform, die sich bald (in den 30er Jahren) als Standardinstrument in Jazz-Bands durchsetzte. In der folkloristischen Musik und im Blues waren nach wie vor traditionelle Gitarrenformen in Gebrauch, während im Jazz ausschließlich die neuen Gibson-Gitarren und später dann ähnliche Konstruktionen anderer Hersteller gespielt wurden. Und daher kommt wohl der Ausdruck "Jazz-Gitarre".  Bald setzte sich auch das "Cutaway" durch, eine geschwungene Aussparung am oberen Hals, die das Spiel in hohen Lagen erleichtert.

In den 40er Jahren dann baute Gibson die ersten dieser Gitarren mit einem Tonabnehmer. Die werden bis heute gebaut und waren die Basis für die moderne E-Gitarre.

Ich habe so eine (aber nicht so alt, das ist für mich unbezahlbar):

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Na ja Jazzgitarre, weil man sie ursprünglich eben für Jazz gebaut hat. Nicht die ersten solchen Instrumente, aber die meisten.

Die ganze Form ist an Streichern orientiert, z.B. haben die ja auch gebogene Decken (Archtop, das ist auch der eigentliche Name der Gitarren). Da lag es nahe, auch die F-Löcher von den Streichern zu übernehmen.

Die haben letztlich die selbe Funktion wie ein Schalloch, sie erlauben das Abstrahlen des Klangs aus dem Korpus nach außen. Die Form ist dabei nicht sooo wichtig, auch bei Geigen kann man andere Formen wählen. Bloß haben die Geigen und Jazzgitarren auch beide eine Gesamtbauweise, die ein Schalloch möglicherweise aus statischen Gründen nicht erlaubt, genau weiß ich es aber nicht.

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Grobbeldopp 19.09.2016, 23:20

An der Antwort von Bounty1979 sieht man, dass der Begriff Jazzgitarre nicht so toll ist, denn die bezieht sich auf halbakustische Gitarren, die äußerlich wie Archtops aussehen - und heute ziemlich viel für Jazz verwendet werden :-)

Also besser Archtop sagen oder eben halbakustische Gitarre.

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Die Ausschnitte sind wirklich nur für die Optik. Bei einer E-Gitarre ändern die am Sound gar nichts.

Worauf es aber ankommt, ist, dass die Saiten nicht am Steg enden, sondern bis ans Korpusende gespannt sind, dadurch lässt sich eben ein "jazziger" Sound erzeugen.

Sieht man ja deutlich:

https://www.google.de/search?q=Jazz-Gitarren&hl=de&biw=1819&bih=1012&tbm=isch&source=lnms&sa=X&ved=0ahUKEwij86ngppzPAhVFVRQKHesCCIwQ\_AUIvQMoAQ#hl=de&tbm=isch&q=Jazz-Gitarre

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hoermirzu 20.09.2016, 09:53

Selbstverständlich klingt eine ES 335 anders als eine 339 und noch einmal anders als eine Strat. Gekammerte Paulas klingen anders als ihre massiven Schwestern, .... Auch F-Löcher klingen anders als runde, selbst Di Position an der sie angebracht sind, beeinflusst den Klang.

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werna 20.09.2016, 10:08

Beide Aussagen von dir sind kompletter Quatsch.

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Jazz ist einfach ein Name, der die Musikrichtung benennt, für die man lautere Instrumente gebaut hat. Die "Spanischen" waren unverstärkt einfach zu leise. Schon Martin 1790? - 1873, baute Archtops mit F-Löchern, wie nach dem 1. Weltkrieg, Fleta, ... Die Selmer/Maccaferri von Django Reinhard, hatte jedoch keine F-Löcher. Gretsch oder Rickenbacker, Ovation, ..., haben ganz andere Formen von Schallöchern entwickelt, die den Tonabnehmern nicht den Platz streitig machen,  

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ursprünglich haben Gitarren (und andere Saiteninstrumente) Schalllöcher, damit sie lauter klingen. Das Holz kann durch die Löcher freier schwingen und der Schall wird aus den Löchern abgestrahlt.

Die ersten elektrisch verstärkten Gitarren waren solche Modelle, in die man dann einfach Tonabnehmer eingesetzt hat. So ist diese Art Gitarre entstanden. Da es damals noch nicht so viele Musikstile gab (kein Pop, kein Rock, kein Ska, kein Metal) hat "Jazzgitarre" als Beschreibung damals ausgereicht. Gitarren wurde entweder in Jazzkapellen benutzt oder es wurden halt klassisch komponierte Stücke darauf gespielt Deswegen heißen normale Akustikgitarren oftmals auch Klassikgitarren. Es gab halt quasi nur Unterhaltungsmusik (Jazz) und ernste Musik (Klassik). Mehr Unterscheidungen braucht man nicht.

Heutzutage sieht man das nicht mehr so eng und man kann jede Gitarre in jedem Musikstil einsetzen. Der Begriff Jazzgitarre bezieht sich heutzutage wirklich vor allen Dingen auf das typische Aussehen, nicht auf den Einsatzzweck.

Was die machen?

Abgesehen davon, dass die Gitarre unverstärkt etwas lauter klingt (allerdings nicht so sehr, dass man damit ohne Verstärker auftreten kann) sorgen sie für etwas zusätzliches Sustain, weil die Gitarre mit den Löchern freier schwingen kann.

Dummerweise sorgt freieres Schwingungsverhalten auch für stärkere Feedbackanfälligkeit wenn der Verstärker etwas lauter ist.

B.B.King hat sich deshalb von Gibson ein Spezialmodell herstellen lassen: Es ist eigentlich eine ES-355 (die normalerweise immer f-Löcher hat) aber die Löcher wurden weggelassen, damit die Gitarre bei Konzerten nicht so sehr zu Feedback neigt.

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