Wieso habe ich mit Menschen mitleid obwohl ich selber nicht der Oberbringer bin?

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5 Antworten

Hallo JetStreamZx,

das könnte daran liegen, dass du dich diesen Menschen in irgend einer Form überlegen fühlst. Aus diesem Überlegenheitsgedanken resultiert ein gewisses Ungleichgewicht. Zum Beispiel: Ich habe alles (beide Beine) der andere hat nichts (keine Beine). Dieses von dir empfundene Ungleichgewicht möchtest du kompensieren. Schließlich bist du ein netter Mensch und erkennst in der Verteilung gewisser Schicksale so etwas wie Willkür. Und Willkür kann sich ungerecht anfühlen.

Du interpretierst ihre Handicaps als Schwächen oder Benachteiligung und misst ihnen einen gewissen Wert bei, der deiner eigenen Subjektivität unterliegt. Deinem Verständnis zur Folge haben die von dir aufgeführten Handicaps etwas mit Leid zu tun (Mit"leid"). Diese Kausalität allerdings muss nicht von den betroffenen Personen geteilt werden - ganz im Gegenteil.

Du versuchts also etwas auszugleichen, was keinem Ausgleich bedarf und obwohl es auf dem ersten Blick so scheint, als tätest du dies aus reiner Nächstenliebe und aus Mitgefühl zu deinen Mitmenschen, offenbart es eigentlich nur etwas über dich und welchem Wert du dir im Vergleich zu deinen Mitmenschen beimißt.

Wieso also fasse ich mich nicht an der eigenen Nase bevor ich mit anderen Mitleid hab ?

Das ist wirklich eine gute Frage und du zeigst damit, dass du bereits selbst merkst, dass deine Reaktion auf die von dir mit Mitleid bedachten Menschen nicht stimmig ist und irgendwo hakt. Denn du hast Recht: Du wirst (wie wir alle) selbst genug Baustellen haben, die es auzubessern und zu reparieren gilt, halte dich also nicht mit unproduktiven Gefühlen für andere Menschen auf. Durch Mitleid sind einem amputiertem Menschen die Beine noch nie nachgewachsen...und du selbst bist dadurch auch immer noch nicht zum Oberhecht geworden.

Nimm dich selbst nicht wichtiger als deine Mitmenschen. Das bedeutet natürlich nicht, dass du nicht Mitgefühl haben darfst, im Gegenteil, dieses wird automatisch mit dir und deine Taten wachsen. Allerdings solltest du das Leid, welches du für gewisse Menschen empfindest, nicht noch zusätzlich auf diese übertragen.

Alles Gute!

NN

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Was hat eine Behinderung mit Mitleid zu tun? Es gibt Menschen, die trotzdem so viel Lebensfreude leben und im Rollstuhl die Welt umrunden, anstatt mit dem Fahrrad.

Wenn mich jemand bemitleiden würde, wenn ich eine Behinderung hätte, oder auch wenn ich mal krank bin, dann werde ich wütend (und es ist normalerweise sehr schwer mich aus der Ruhe zu bringen). Weil es dann so auf mich wirkt, als würde ich das nicht selber schaffen.

Wenn man sich mal überlegt, wie viele Menschen gar nicht "sich selber leben" sondern ein Bild, das sie von sich erschaffen, weil sie vor anderen als etwas erscheinen wollen, was sie gar nicht sind, dann sind diese Menschen zu bemitleiden. Weil es oberflächlich ist und weil das etwas ist, was ohnehin vergeht.

Es kommt im Leben auf andere Werte an. Auf die, die bleiben. Darauf, ob man die Seele und das Herz von anderen Menschen berühren konnte, darauf, ob man etwas beitragen konnte. Und nicht darauf, was für "ein toller Hecht" man eine Weile lang war.

Sieh Dir mal die Videos von Nick Vucovic auf Youtube an. Und nicht wegen dem Gott-Gedanken darin, sondern wegen der Person, der er ist.

Und er hat alles gemacht, was er meinte, dass er es niemals tun könnte. Seine Größe ist ein Beispiel dafür, was Mitleid mit ihm machen würde: Es würde ihm das Gefühl geben, es niemals schaffen zu können.

Begegne allen, wie Du es Dir selber wünschen würdest: Normal. Sie als gleichberechtigt akzeptieren und freundlich und normal betrachten, das ist das, was richtig ist. Und zu helfen bei dem, was sie selber nicht können. Unaufgefordert und ohne Mitleid.

Mitleid ist schlecht. Mitgefühl und Freundschaft ist das, was jeder braucht. Egal wer.

Bewerte Dich nicht an dem Äußeren und mach das aus Dir, was Du sein möchtest. Aus Dir und nicht aus dem Bild von Dir. Kein Schein, sondern Sein.

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Kommentar von Luise
12.03.2014, 22:27

Es hilft niemandem, wenn es Dir schlecht geht, weil Du meinst, dass es ihnen schlecht geht. Das würde ein Gefühl von Schuld erzeugen. Bei ihnen und bei Dir. Und Distanz schaffen, anstatt Verstehen, Nähe und Freundschaft.

Du hast ein schlechtes Gewissen, weil es Dir "gut" geht und ihnen schlecht. Ich kann das gut verstehen, weil es mir auch so ging. Aber dann hab ich mir diese Frage gestellt:

Glaubst Du, Dir steht es zu, das beurteilen zu dürfen? Jeder hat seinen eigenen Weg und man darf ihm begegnen und ihn ein Stück begleiten, kann ihn auf diesem Weg stärken und anfeuern oder bemitleiden. Oder ihn einfach so akzeptieren, wie er ist und ihn selber seinen Weg gehen lassen. Und ihm ein Lächeln und Freundschaft schenken und ihn ob seines Mutes, Durchhaltevermögens, seiner Lebenseinstellung bewundern.

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Du fühlst halt anscheinend sehr mit deinen Mitmenschen. Das muss ja gar nichts schlechtes sein.

Mitleid kommt ja nicht daher, dass man denkt, dass man besser dran ist, sondern ja eher, dass man die (schlechte) Situation, in der jemand steckt, bedauert.

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Nicht unbedingt, mitleid ist was ganz normales, man hat ja schließlich auch mitleid wenn von jmd ein verwandter gestorben ist oder so

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Edit

Aber ich bin ja auch nicht so der große Hecht bin nicht Reich und so.!

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Kommentar von Rapzoooor
12.03.2014, 22:11

Geld ist nicht alles im leben und schon gar nicht das wichtigste.

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