Wieso gibt es in der griechischen Mythologie so viele Varianten?

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Bei der griechischen Mythologie hat es keine fest verbindliche einzige Fassung gegeben.

Es war keine Institution (eine Einrichtung wie z. B. eine Priesterschaft oder eine staatliche Autorität) vorhanden, die die eine bestimmte Fassung der Mythen für alle Griechen fest verbindlich vorschrieb und ihre Geltung sicherte. Es gab keine »heiligen Texte«, die Mythen in der Überlieferung unveränderlich gleichhielten. Es gab keine allgemein von allen Griechinnen und Griechen befolgten Rituale, die auf Mythen beruhten und eine einzige bestimmte Fassung von Mythen durch den Ablauf der Zeit beförderten.

Es kam sowohl in der mündlichen Überlieferung als auch in schriftlichen Darstellungen zu Vielfalt und Veränderung.

Bereits in den frühesten erhaltenen Dichtungen gibt es sowohl Gemeinsamkeiten als auch Abweichungen. Bei Homer (Ilias und Odysse) und Hesiod (vor allem seine Theogonie) kommen Gottheiten, ihre Abstammung und ihr Wirken vor, aber manches ist unterschiedlich. So sind z. B. bei dem einen Okeanos und Tethys Ursprung der Götter und aller Dinge, Zeus der älteste Sohn des Kronos, Aphrodite Tochter des Zeus und der Dione und Hephaistos Sohn des Zeus und der Hera, bei dem anderen sind Okeanos und Tethys Nachkommen von Gaia und Uranos, Zeus der jüngste Sohn des Kronos, Aphrodite aus Blut und Samen von Uranos im Meer entstanden und Hephaistos von Hera aus sich heraus (Parthenogenese) geboren.

Schon sehr früh waren im Volk Erzählungen mit teilweisen Unterschieden im Umlauf. Beim Weitererzählen können Geschichten ausgeschmückt, ausführlicher oder kürzer erzählt werden, was zu Erweiterung, genauerer Erklärung oder Weglassen von Einzelheiten führt. Es gibt dann bei den Mythen einen Kern der Geschichte, einen Grundtext, aber es ist unterschiedlich, wie diese Geschichte erzählt wird.

In Frühzeit hat es zuerst Aioden (Dichtersänger) und dann Rhapsoden (Wandersänger, die auswendig gelernte Erzählungen vortrugen) gegeben. Mythen gehörten zum Erzählgut in Familien und Gesellschaften. Mythen waren Gegenstand der Literatur und es sind Darstellungen schriftlich verfaßt worden. Tragödien, die im Theater dargeboten wurden, nahmen ihren Stoff meistens aus der Mythologie. Mythen waren durch Werke bildender Kunst gegenwärtig.

Was erzählt wurde, konne je nach Ort und Zeit zum Teil wechselhaft sein. Einige Mythen hatten verhältnismäßig früh eine gesamtgriechische Verbreitung, andere waren eher regional oder lokal auf einzelne Gebiete, Landschaften und Städte begrenzt, die ihre eigenen Traditionen hatten. Es gab eine Vielheit griechischer Staaten, erst durch die römische Eroberung gehörte in der Antike alles zu einem einzigen Staat. Manche Mythen hielten sich langandauernd, bei anderen traten verhältnismäßig rasch Veränderungen auf. Menschen haben so erzählt, wie ihnen Zusammenhänge plausibel erschienen. Menschen haben nach persönlichen oder gesellschaftlichen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Interessen sich eine Fassung zurechtgelegt, Mythen zu verstehen versucht, und gedeutet. Dadurch kam es zu Vielfalt und teilweiser Umformung.

Es hat bei Mythen Gestaltung und Neuschöpfung gegeben. Phantasie und Durchdenken wurden eingesetzt. Insbesondere in der Dichtung ist mit künstlerischer Absicht gestaltet worden und es ging dann auch um Gedanken innerhalb eines Gesamtwerkes.

Zusammenfassend können also mehrere Ursachen der vielen Varianten in der griechischen Mythologie angegeben werden:

  • frühzeitiges Nebeneinander von unterschiedlichen Fassungen 
  • Fehlen einer festen Verbindlichkeit einer einzigen Fassung
  • Fehlen einer Institution, die Geltung einer einzigen Fassung hätte durchsetzen können
  • keine religiös/theologisch »heiligen Texte« mit Unabänderlichkeit
  • keine Rituale, die allgemein eine bestimmte einzige Fassung fixierten
  • Vielheit an Staaten, Gebieten, Landschaften und Orten mit ihren jeweils eigenen Traditionen
  • Unterschiede der Art und Weise, wie ein Mythos genau erzählt wurde
  • beim mündlichen Weitererzählen und in schriftllichen Darstellungen Umformungen und Wandlungen bei immer neuen Versuchen, Zusammenhänge zu verstehen und deuten
  • Gestaltung und Neuschöpfung, vor allem in literarischen Werken

Also bedeuted das z.B das es Uranos bei Homer garnicht gab?

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@NeuNeuBenutzer

Homer kennt Uranos als Gott. Homer bietet keine Gesamtdarstellung zur Abstammung der Gottheiten, aber es gibt Uranos bei ihm. Gaia (Γαῖα) und Uranos (Οὐρανὸς) werden als Zeugen von Eiden angerufen, von Zeus gegenüber Hera (Ilias O - 15. Gesang, Vers 36) und von Kalypso gegenüber Odysseus (Odyssee ε - 5. Gesang, Vers 184). Unterschiedlich sind einige Angaben zur Abstammung, so ist Aphrodite bei Homer Tochter des Zeus und der Dione (Ilias E - 5. Gesang, Vers 312 und Vers 370 - 374), bei Hesiod, Theogonia (Θεογονία; Theogonie; lateinischer Titel: Theogonia) Vers 176 – 200 stammt dagegen Aphrodite von Uranos, im Meer im Schaum von seinem abgeschlagenen Glied entstanden.

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@Albrecht

Kann ich noch etwas fragen !
Undzwar von wem war die Geschichte von Perseus? 
Weil Pegasus kommt bei Homer garnicht vor habe ich gehört und dieser ist doch in der Geschichte drinne ?

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@NeuNeuBenutzer

Die Geschichte von Perseus (Περσεύς) ist offenbar eine frühe mündliche Erzählung. Schon Homer und Hesiod ist Perseus bekannt, auch wenn erst spätere Autoren erhaltene ausführlichere Darstellungen geschrieben haben.

Bei Homer kommt Pegasos nicht vor und er erzählt auch nicht die von Perseus vollbrachten Taten. Bei Homer, Ilias Ξ - 14. Gesang, Vers 319 – 320 erwähnt Zeus Perseus als seinen Sohn von Danaë. Homer, Ilias Τ - 19. Gesang, Vers 95 – 124 erzählt Agamemnon von einer Geschichte, wie Zeus sich auf die Erklärung festlegte, der zuerst geborene Nachkomme aus dem Perseus-Geschlecht solle die Königsherrschaft erhalten, durch Eingreifen Heras aber nicht Herakles zuerst geboren wurde, sondern Eurystheus.

Hesiod, Theogonia (Θεογονία; Theogonie; lateinischer Titel: Theogonia) Vers 280 – 281 erzählt, als Perseus Medousa/Medusa (Μέδουσα) das Haupt vom Rumpf abtrennte, entsprangen aus ihr das Flügelpferd Pegasos und der riesengroße Chrysaor mit goldenem Schwert in seinen Händen, Kinder von Poseidon.

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Die Mythologie wurde ursprünglich im lokalen Kreis mündlich überliefert. Das fördert natürlich verschiedene Varianten.

Dazu kommt noch, dass dies im vorphilosophischen Denken keinen Widerspruch darstellt.

Das kommt daher weil sich mündlich überlieferte Märchen und Mythen mit der Zeit verändern. Menschen dichten was hinzu, lassen was weg, erzählen gewisse Passagen anders und so entwickeln sich mit der Zeit verschiedene Versionen.

Die Märchen der Gebrüder Grimm sind da ein gutes Beispiel dafür.

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