Wieso gibt es Homophobie?

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8 Antworten

Welche Gründe hat jemand andere Menschen nach einer Eigenschaft und Privatsache zu beurteilen?

Keine mit Intelligenz nachvollziehbaren.

Ich kann mich da nicht wirklich hineinversetzen, würde es aber gerne verstehen bzw nachvollziehen. Ist das einfach nur purer Hass oder etwas Begründetes?

Das ist die Sexualmoral des Alten Testaments. Sprich: Die Moral steinzeitlicher Nomaden mit "Macho-Kultur". Und das Alte Testament ist halt die Basis der drei großen monotheistischen Weltreligionen: Judentum, Christentum und Islam.

Das mag in der Steinzeit noch eine gewisse Berechtigung gehabt haben, da die Menschheit durchaus immer mal wieder am Rand der Ausrottung stand. Da war jede Reproduktionsmöglichkeit sinnvoll.

Aber spätestens seitdem hat es einfach als dumme Tradition ein Eigenleben entwickelt: So steht es geschrieben, also muss ja wohl was dran sein (stimmt ja auch sonst alles, was so in "heiligen Schriften" steht ^^).

Polytheistische Religionen waren bzw. sind auch was das angeht, deutlich sexualfreundlicher. Aber die haben sich hier halt nicht gehalten, und im Rest der Welt wurden sie größtenteils durch die sehr erfolgreiche Kolonisierung durch die christlichen Staaten platt gemacht (selbst der Islam, er war damals vergleichsweise fortschrittlich, kam erst mit der Kolonialzeit zu seiner "modernen" Homophobie).

Beim Christentum kommt nämlich noch zur "normalen" alttestamentarischen Sexualfeindlichkeit eine spezielle Lustfeindlichkeit hinzu! Von wegen: Sohn Gottes für uns unter Qualen am Kreuz gestorben (in Ländern wie Bayern hängt ja alle paar hundert Meter so ein "Lattengustl" rum)! Sex nur in monogamer Ehe zum Zweck der Fortpflanzung keine Sünde (also für das gemeine Volk, nicht für CSU-Vorsitzende ^^). Und bitte: das ist was ernstes, und nichts, wobei man Spaß haben sollte (Stichwort: christliche Leidensethik - selbst heute noch gibt es in einigen US-Staaten, "God's own country", Gesetze, die "Lachen beim Sex" unter Strafe stellen, oder nicht-reproduktiven Sex wie "Oralsex" verbieten): "Ab dem 4. Jhdt. dann, etwa glaube ich zur Zeit des heiligen Augustinus, hat sich die christliche Sexualmoral durchgesetzt, wurden Homosexuelle *verbrannt*, öffentlich hingerichtet. Also das war neu. Wie konnte das sein, wo doch vorher die Kultur so tolerant war?" (Dr. Gabriele Sorgo, Kulturhistorikerin)

Last but not least: Kommen wir also dazu, was solche sexuelle Unterdrückung denn heute noch bringt. Nun, neben dem religiösen Geschwurbel, über das man in Europa heutzutage lacht, in anderen Teilen der Welt aber nicht (Stichwort: Homosexualität im christlichen Afrika - nebst Bezügen zu Satan! Kein Witz! Einer der Gründe, warum sich ganz aktuell die kath. Kirche immer noch schwer damit tut).

Sexuelle Unterdrückung hat einen sehr positiven Effekt ...

... für die Unterdrücker! Sie eint die Gemeinschaft gegen ein vermeintliches Übel. Und eine geeinte Gemeinschaft ist immer gut. Selbst bei so einem üblen Grund.

Also es sei denn natürlich, man hat das Pech, halt nicht zu dieser Gemeinschaft zu zählen. Aber das betrifft ja immer nur die anderen (womit wir bei den Themen "Verleugnung" und "Verdrängung" wären).

Und DIESE Rolle, die Rolle der Selbstbestätigung ("Ich bin etwas besseres!") und Gemeinschaftsbildung ("Wir sind denen überlegen!"), erfüllt sexuelle Unterdrückung so gut wie kaum etwas anderes.

Merke: "Die bedeutendste negative Leistung des Christentums war die 'Problematisierung' der Sexualität (...) Wir brauchen eine Geisteshaltung, die in der Sexualität kein 'Problem', sondern ein 'Vergnügen' sieht. Den meisten Leuten fehlt dazu die Sicherheit - und oft auch die Liebe." (Dr. Alex Comfort, Arzt, Psychologe, Wissenschaftler und Schriftsteller)

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Libertinaer 08.04.2016, 18:57

Nachtrag:

Und DIESE Rolle, die Rolle der Selbstbestätigung ("Ich bin etwas besseres!") und Gemeinschaftsbildung ("Wir sind denen überlegen!"), erfüllt sexuelle Unterdrückung so gut wie kaum etwas anderes.

Das gilt natürlich prinzipiell für andere Sozialphobien auch (Stichwort: Ausländerfeindlichkeit). Manchmal, wie bei der AfD/Pegida, kann man sogar mehrere diese "gemeinschaftsbildenden Maßnahmen" in ihrer ganzen, dementen Bandbreite erleben: Ausländerfeindlichkeit, Sexualfeindlichkeit, beides zusammen (Stichwort: die Ausländer nehmen uns unsere blonden Frauen weg - fiel gerade erst, ist also kein Witz), "die da oben" vs. "wir sind das Volk" (was "Volk" ist, definieren die!), "Lügenpresse", usw. usf.

Die Liste ist schier endlos ...

Aber wie sagte doch schon Albert Einstein: "Der gesunde Menschenverstand ist nicht mehr als eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat."

sowie

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."

'nough said.

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Palwanda 09.04.2016, 00:21
@Libertinaer

Wow...das ist einfach....ich hätte nie mit solch eine ausführlichen Antwort gerechnet.

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Libertinaer 10.04.2016, 05:31
@Palwanda

Freut mich, dass dir die Antwort so gefällt, und natürlich danke für den Stern. :-)

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Es gibt Leute, die können etwas nicht leiden, wenn sie die Gründe nicht verstehen. Man kann sich halt nicht vorstellen, wie es so ist, wenn man etwas gleichgeschlechtliches liebt und (was viele Homophoben auch denken) wie die Sexualität abgeht.

Ein weiterer Faktor der Homophobie ist die Meinung, dass Schwule und Lesben sich immer auffällig verhalten und damit deren Kinder damit "anstecken" (Es gibt leider noch die Meinung, dass Homosexualität eine Krankheit ist...). An dem Punkt möchte ich noch anhängen: Sie sind auch ganz normal liebende wie bei einer "normalen" heterosexuellen Beziehung auch. Es ist nur ein Bruchteil der Homosexuellen, die auffällig sind.

Ein dritter Grund ist, dass die Religionen generell homosexualität ausdrücklich ablehnen und (vorallem früher) darin eine Teufelei sahen. Streng Gläubige vieler Religionen werden also auch gegen diese Form von Beziehungen sein

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Ehrlich... sowas frage ich mich auch täglich.

In unserer Gesellschaft bestehen nunmal von Geburt an bestimmte "Erwartungen", wie du dich zu verhalten hast (Frauen müssen schlank sein! Männer müssen Muskeln haben! Ihr braucht ein schickes Haus und ne coole Karre, um glücklich zu sein!) und welchen Normen du entsprechen solltest. Weil einfach fast jeder schon so aufgewachsen ist, auch ungewollt, haben wir eben ein bestimmtes Bild von "normal" im Kopf. Und Leute, die da rausfallen, sind eben "komisch". Erst, wenn man es schafft, sich vom Rest loszumachen und alles distanzierter betrachtet, kann man sich von solchen Eindrücken befreien und allem gleich gegenüberstehen. Und genau das kriegen eben viele nicht hin, auch wenn sie es gar nicht böse meinen.

Warum es aber dann noch ins extrem geht und zu Homophobie etc wird... Tja. Homophobe Ar***löcher halt, kann man nichts machen, außer draufhauen. Sexistische Kacksch**ße und so.

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Menschen haben meistens Angst vor Dingen die sie nicht verstehen, die anders sind als sie selber.
Es gibt ja nicht nur Homophobie, sondern z.B. auch Ausländerhass, der aus dem gleichen Problem enspringt. Man verurteilt Menschen, die anders sind als man selber.

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Manche Embryos bekommen eben im Mutterleib zuwenig Testosteron und zuviel Östrogen ab. Die daraus resultierende Homosexualität ist eben eine Variation. Es gibt ja auch Menschen mit glatten Haaren und welche mit Locken, kein Grund, dass die einen die anderen "hassen".

Sich als Hetero in Homosexuelle hineinversetzen zu wollen, hat etwas von Voyeurismus an sich. Man weiß doch, was Schwule im Bett miteinander machen. Wozu also die aufdringliche Neugier, die sich seltsamerweise nie auf die Lebensweise, die Denkweise, den Geschmack, die kulturellen Interessen, die Neigung zu Emotionen und Empathie dieser Minorität beziehen, sondern immer nur in hirnrissigem Schubladendenken auf die sexuellen Praktiken.

Das Leben – auch das von Schwulen! – besteht nicht ausschließlich aus Sex.

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randomhuman 08.04.2016, 14:00

Ich glaube es geht hier nicht darum sich in Homosexuelle reinzuversetzen sondern in homophobe Leute. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

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mychrissie 08.04.2016, 19:37
@randomhuman

Warum es homophobe Leute gibt, ist doch einfach zu beantworten, weil viele Leute alles ablehnen, was sie nicht kennen.

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Aus dem gleichen Grund, warum es Rassismus bzw. Intoleranz im Allgemeinen gibt: Aus Angst vor Neuem/ vor Veränderung, aus Unwissenheit, weil sie fehlinformiert sind oder auch einfach aus Dummheit.

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Diese Personen haben angst das ihr NATÜBLICHES Umfeld sich zu sehr verändert

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Warum gibt es Rassismus? 

Warum gibt es Hass? 

Warum gibt es Krieg? 

Weil die Menschen dumm ist.

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