Wieso gibt es für manche Worte keine Synonyme, falls dem so ist?

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Die Frage müsste eigentlich umgekehrt lauten: Warum gibt es überhaupt Synonyme?

Synonyme widersprechen nämlich der Sprachökonomie, denn wenn sie wirklich völlig gleichbedeutend sind, ist eine Version überflüssig und belastet damit unnötig die Kommunikation.

Deshalb neigen Synonyme dazu, sich zu differenzieren, also in ihrer Bedeutung auseinanderzugehen. Man kann das gut bei Anglizismen beobachten, die sich im Deutschen schnell von der Bedeutung im Englischen lösen, etwa "city".

Synonyme entstehen zum Beispiel, wenn fremdsprachliche Entlehnungen gezielt durch einen neuen deutschen Begriff ersetzt werden. So etwa "Bürgersteig" für "Trottoir". Oft kommt aber (nach der Sprachökonomie) ein Zwilling davon mehr oder minder außer Gebrauch. Wer sagt heute noch "Trottoir"? Umgekehrt kann auch der deutsche Begriff manchmal nicht so populär werden wie der fremdsprachliche ("Fernsprecher" ist seltener als "Telefon").

Das Umgekehrte, dass eind eutscher Begriff gezielt durch einen fermdsprachlichen erstezt wird, gibt es auch. Beispiel: Ersatz von "Fahrkarte" durch "ticket". (Ich habe das mal recherchiert und konnte diesen Vorgang auf die Tätigkeit einer bestimmten Werbefirma zurückführen.) Grund dafür ist, das Prestige des Englischen auf einen deutschen Alltagsgegenstand zu übertragen. (Deshalb gibt es sogar Pseudoanglizismen, d.h. Neuwörter im englischen Gewand, die es im Englischen gar nicht gibt. Bekanntestes Beispiel: "Handy" für "Mobiltelefon".) Besonders in der Mode und bei elektronischen Geräten.

Synonyme können auch dadurch entstehen, dass regional verschiedene Begriffe für dasselbe gebraucht werden. Beispiele: Brötchen - Semmel, oder Samstag - Sonnabend. 

Insgesamt ist aber damit klar, dass eher die Existenz als die Nichtexistenz von Synonymen zu hinterfragen ist.

Wie bereits geschrieben: Synonyme gibt es nur manchmal, wenn z.B. ein Lehnwort und ein Erbwort für dasselbe Ding benutzt werden.

Karotte (lateinisch) und Möhre (germanisch) sind synonym.

Mit "Erbwort" meine ich die vom Germanischen ererbten Wörter, mit "Lehnwort" ein Wort aus einer anderen Sprachgruppe (in diesem Beispiel Latein).

Mühle (lateinisch) und Kvern (germanisch) sind synonym.

Hier fällt dir etwas auf: "Kvern" wird im modernen Deutsch nicht mehr benutzt (weil jeder "Mühle" benutzt, das lateinische Lehnwort). Früher war aber "Kvern" (schwedisch "kvarn") in Gebrauch (z.B. "der von Kürenberg", Küren = Kvern).

Pferd (lateinisch) und Ross (germanisch) sind synonym.

"Ross" verwendet kaum noch jemand. "Pferd" erfüllt diese Funktion nahezu vollkommen heutzutage ("Ross" versteht man aber noch, wohingegen "Kvern"/"Küren" bei den meisten Deutschen nur ein Achselzucken verursachen dürfte).

Sprache ist oft ökonomisch, überflüssige Dinge fallen weg. Wenn ich 2 Wörter für dasselbe Ding habe, ist im Grunde eines davon nicht mehr nötig. Manchmal "überleben" aber beide Formen. Manchmal wirkt eine Form veraltet (Ross). 

Richtige Synonyme sind eh selten, meistens gibt es immer einen kleinen Unterschied; z.B. im Verbreitungsgebiet (Apfelsine - Orange, Nord- - Süddeutschland) oder in der Bedeutung/Konnotation (Hund - Köter, neutral - abwertend).

Warum es so selten echte Synonyme gibt? Vermutlich liegt's an der Ökonomie der Sprache (der nichts anderes als die Faulheit der Menschen zugrunde liegt): Es besteht einfach kein Bedarf daran, sich unzählige zusätzliche Wörter zu merken, die ein und dasselbe bedeuten. Das wäre ein kaum zu rechtfertigender Aufwand.

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