Warum gibt es für Heroin-Abhängige in Deutschland kein Naloxon?

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5 Antworten

Hab hier gerade diese Frage entdeckt und muss nun glaub ich mal einige Sachen richtig stellen.

Zuerst mal zu meiner Person ich bin Sozialarbeiter und arbeite seit 14 Jahren in einem Kontaktladen also in einer niedrigschwelligen, akzeptierenden Anlaufstelle für Menschen, die aktuell Drogen konsumieren (leider kein Konsumraum). Seit letztem Jahr bieten wir unseren Klient*innen Drogennotfalltrainings an, bei denen wir auch den Umgang und den Einsatz von Naloxon schulen und sie dann im Anschluss Naloxon auch erhalten.

Zu Naloxon: Naloxon unterliegt nicht!!!!!!!!!!!!!! dem BTMG!!!! Sondern es ist lediglich verschreibungspflichtig und kann an Menschen, die Opiate konsumieren, substituiert sind oder Schmerzpatienten sind als ihr persönliches Notfallmedikament verschrieben werden. Naloxon ist ein Opiatantagonist, d.h. es baut das Opiat nicht aktiv ab, sondern es verdrängt das Opiat von den Rezeptoren im Gehirn und besetzt diese womit eine Überdosierung (je nach Dareichungsform) innerhalb weniger Sekunden bzw. innerhalb von 1 - 3 Minuten aufgehoben wird. Naloxon ist nicht gefährlich!!!!!!!!!! Es macht nicht abhängig und hat kaum Nebenwirkungen (im Beipackzettel steht: Häufig: Schwindel, Kopfschmerzen Gelegentlich: Zittern, Schwitzen Selten: Krampfanfälle, Nervosität Häufig: Herzjagen, erniedrigter und erhöhter Blutdruck Gelegentlich: unregelmäßiger Herzschlag, verlangsamter Herzschlag Sehr selten: Kammerflimmern, Herzstillstand. Meistens traten diese Nebenwirkungen bei Patienten auf, die bereits Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hatten oder bei Patienten, die andere Arzneimittel erhielten, die ähnliche Nebenwirkungen am Herz-Kreislauf-System verursachen.)

Ein Problem gibt es allerdings die Halbwertszeit von Naloxon ist kürzer als die von Opiaten. Das heißt theoretisch ist es möglich das nachdem das Naloxon abgebaut ist jemand wieder in die Überdosis fällt. Allerdings ist bis dahin meist so viel des Opiats vom Körper abgebaut worden das man in der Regel nicht mehr in die Überdosis fällt. Außerdem kann man darüber sehr gut aufklären.

Wir haben bisher an 68 Menschen Naloxon ausgegeben. Von 5 Einsätzen bei Überdosierungen wurde uns bisher berichtet. In allen Fällen haben die Menschen überlebt. Deshalb muss Naloxon nicht nur in die Hände von Ärzten, Sozialarbeiter*innen und Angehörigen, sondern auch in die Hände von Drogenkonsumenten selber weil die sind in der Regel vor Ort wenn die Überdosierungen passieren.

Viele Grüße

Olaf

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Gegen einen freien Verkauf bin ich völlig.
Dafür wäre m.M.n. das Zeug viel zu gefährlich.
Aber als Notmaßnahme in Fixerstuben und nach gründlicher Einweisung der Sozialarbeiter_innen, die das Spray ja verabreichen müssten...

Warum nicht?
Besser als noch ein Drogentoter.

Noch besser fände ich ja H auf Rezept, in kontrollierter Reinheit und von dafür zugelassenen Ärzten in der Arztpraxis gespritzt.
Aber das ist erst recht utopisch...

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Kommentar von Pudelcolada
17.05.2016, 21:29

Sorry, ich habe noch mal nachgedacht und meine Meinung geändert:

Kaum ein Junky erleidet eine rein heroinbedingte Überdosis, sondern fast alle einen multitoxischen Schock.

In dieser Situation mit einem solchen Mittel zu medikamentieren halte ich für das soziale Betreuungspersonal als nicht verantwortbar.

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Es gibt in einigen Städten Drückerstübchen, wo unter aufsicht eines Arztes Methadon verabreicht wird. dies scheint mir eine vernünftige Lösung zu sein. Die Zahl der Drogentoten hat schlagartig abgenmmen, also wurde der richtige Weg eingeschlagen.


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Kommentar von Pudelcolada
18.05.2016, 19:44

Zur Funktionsweise von Fixerstuben:

Dort gibt es m.W.n. keine Verabreichung von Methadon, sondern nur sauberes Besteck im Tausch gegen gebrauchtes, außerdem Desinfektionsmittel. Auch ein ausgebildeter Ersthelfer ist vor Ort.

Methadon gibt es in dafür zugelassenen Arztpraxen, dann aber im Rahmen eines Substitutionsprogramms.

Abgesehen davon hast Du völlig recht: Beide Maßnahmen in Kombination haben zu einem starken Rückgang der Todesfälle geführt.

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Meinst du wie in Frankfurt? Also das mit dem 'Spritzgesteck'? Das frage ich mich ehrlich gesagt auch - aber ich glaube, das Geld fehlt einfach (Und eine vernünftige Drogenpolitik.).

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Kommentar von Funmichi
17.05.2016, 20:11

die behandlung durch notarzt ist doch viel teurer oder wenn die gleich naloxon haben muss doch erst kein notarzt kommen oder? (ich denk nur so, ich weiß es nicht..)

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Sorry für die gegenfrage aber könntest du mir kurz erklären was dieses Nasenspray bringt? Höre das zum ersten mal aber lerne gerne dazu
LG.

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Kommentar von Pudelcolada
17.05.2016, 21:09

Naloxon ist ein Gegengift bei einer Opiat-Überdosis.
Bei einer Heroinüberdosis wirkt es innerhalb von Sekunden.
Allerdings ist es nicht ganz ungefährlich und wird von der (sowieso stark geschwächten) Leber nur teilweise abgebaut.
Wir reden also nicht von Asthma-Spray...

Außerdem sind viele Junkies multitoxisch unterwegs, da ist es nicht so einfach, ein solches Mittel zusätzlich reinzuhauen.

Nicht zuletzt unterliegt Naloxon dem BTM-Gesetz, deshalb darf es nur von Ärzten und medizinischem Notfallpersonal verabreicht werden.

Allerdings ist halt immer die Frage, was das kleinere Übel ist:
Ein Risiko durch einen Mitarbeiter der Fixerstube einen zusätzlichen Leberschaden zu bekommen, oder zu sterben, weil der Notarzt im Stau steckt...

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Kommentar von bbzzii
17.05.2016, 21:37

Vielen Dank für die Antwort.

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