Wieso gibt es bei der Sexualität so viele Labels?

20 Antworten

Bei neuen Bekanntschaften gehe ich zunächst einmal genau wie du davon aus, dass mein Gesprächspartner seinem biologischen Geschlecht entspricht.

Wenn der bärtige Mann dann erklärt "Sag Lilly zu mir", dann ist das kein Problem für mich. Seine genaue sexuelle Orientierung ist mir dabei herzlich egal.

Sexualität ist für mich ohnehin Privatsache und ob "Lilly" in Wahrheit Karl-Heinz heißt und mit wem er zusammenlebt, oder Sex hat, ist nicht meine Sache.

Diese ganzen "Labels" sind für mich ohne Bedeutung - ob sich damit jemand wichtig machen, oder zu einer "In-Group" gehören will, ist gleichermaßen irrelevant.

Ob es nun ein Trend ist, "vegan", "sapiosexuell", oder "alternativ" zu sein, geht mir am verlängerten Rücken vorbei - mir geht es nur um den persönlichen Umgang.

So lange "Lilly" sich nicht in sexueller Absicht an mich ran macht, kann Sie machen, was sie will, das ist wie gesagt ihre Privatangelegenheit.

Und wer sich an Standardformulierungen wie "Sehr geehrte Damen und Herren" wirklich stößt, ist für mich ein Wichtigtuer und Dummschwätzer.

Glaube mal bloß nicht, das unsere Gesellschaft locker mit dem Problem umgeht. Wir sind noch ziemlich spießig und rückständig. Es gibt eben einen kleinen Prozentsatz von Leuten, bei denen die Geschlechtszuordnung nicht so einfach ist, und zwar rein biologisch nicht. Und wenn ich sage 'Prozentsatz', folgt daraus, dass es immer noch Hunderttausende in Deutschland sind. Kommt drauf an, wen wir mit dazu zählen wollen. Die meisten leben eine Rolle, die man für sie ausgesucht hat.

Mit diese neuen Begriffen und dem Getue darum habe ich auch so meine Probleme. Grundsätzlich bin ich aber dafür, dass dieses Thema in die Öffentlichkeit gelangt. Ein paar Wörter brauchen wir dazu vielleicht auch. Wie heißen denn diese Frauen, die im Sport alles abräumen, äußerlich absolut weiblich sind, aber innerlich männliche Keimdrüsen haben?

Die Evolution denkt sich nie irgend etwas. Muss sie in diesem Fall auch nicht. Ob jemand ein wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft ist oder nicht, hat mit der Geschlechtsausprägung nichts zu tun. Dass es solche Sportlerinnen gibt oder auch nur simple Homosexuelle, beeinträchtigt die Arterhaltung nicht. (Aber unfair ist es im Sport.) Es ist eine Naturerscheinung, und die, die es betrifft, sollten sich nicht verstecken müssen.

Es gibt das biologische Geschlecht und das „sozial konstruierte Geschlecht“. Dabei geht es im Grunde darum, dass es typisch männliche und weibliche Eigenschaften gibt, die aber auf soziale Ursachen zurückzuführen sind. So gibt es typische Männerberufe wie Feuerwehrmann oder Pilot, typische Männerfarben wie blau oder schwarz und „männliche Getränke“ - Bier oder Schnaps.

Bei der Genderforschung soll es also eigentlich darum gehen, wie sehr die Gesellschaft das soziale Geschlecht - also zum Beispiel typisch männliche Eigenschaften oder Erwartungen an Männer, zum Beispiel Mut und Stärke - beeinflusst.

Problematisch ist aber, dass sich heutzutage erstens jeder für etwas besonderes hält und meint, eigene Anreden stünden ihm zu sowie zweitens, dass die ganze Sache aus meiner Sicht schwer überhand genommen hat - 67 Geschlechter? Biologisch Blödsinn. Aber in der Gesellschaft fühlt sich eben jeder Mensch anders und steht auf andere Dinge, also könnte man genauso gut von 7 Milliarden Geschlechtern reden.

Wäre auch alles nicht so tragisch, nervt halt nur wenn jeder eine Sonderbehandlung haben will, das funktioniert nicht, man muss die Menschen auch mal in Schubladen stecken um komplexe Prozesse zu vereinfachen.

Interessant ist es auch, dass die zahllosen Geschlechter in Amerika oder Europa erfunden wurden und nicht in Afrika. Man könnte also meinen, ursächlich für diese Entwicklung wären fehlende Probleme und wenn man keine Probleme hat, dann macht man sich halt welche.

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