Wieso fühle ich mich wegen kleinen Fehlern schlecht?

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2 Antworten

Was wahrscheinlich in dir abläuft, ist die ewige Wiederholung von Selbstvorwürfen. Aber ich sag dir mal was: die bringen überhaupt nichts. Es ist eine gute Sache, wenn einem nicht alles schnurz ist und man sich Gedanken darüber macht, wie man ein besserer Mensch sein kann - aber: solange du dich mit Selbstvorwürfen traktierst, blockierst du zugleich diese Verbesserung. Denn wie soll der Gedanke, was du anders machen kannst, zu dir vordringen, wenn du dein Hirn mit den immerselben Gedanken einmauerst? 

Die Frage ist also nicht: warum bin ich so schlecht? sondern: wie kann ich sein, wer ich sein will? Und die Antwort darauf ist nicht "indem ich mir immer wieder dasselbe vorwerfe", das ist nur eine antrainierte Reaktion. Und du kannst dir genauso gut etwas anderes antrainieren und freundlich mit dir umgehen. 

Lass dir dafür Zeit und pass vor allem auf, dass du da nicht in dieselbe Falle tappst. Wenn du einen Fehler machst und denkst "Oh nein, ich habe einen Fehler gemacht, ich bin so doof. Halt nein, ich darf ja überhaupt nicht schlecht von mir denken, Mann, bin ich blöd, dass ich schlecht von mir gedacht hab. Oh nein, schon wieder, ich bin so ein Idiot!" dann geht das immer weiter und nützt rein gar nichts. Wie wäre es stattdessen hiermit? "Oh nein, ich habe einen Fehler gemacht, ich bin so doof. Stop! Ich denke gerade schlecht über mich. Das will ich aber nicht, denn das bringt mich nicht weiter. Ich will mich um den Fehler kümmern, ihn korrigieren, wenn möglich, und mir überlegen, wie ich es das nächste Mal besser machen kann. Das mache ich jetzt und dann freue ich mich darüber, dass ich etwas Neues gelernt habe!" 

Was ich auch sehr hilfreich finde, ist sich regelmäßig vor Augen zu führen, was man schon alles geschafft hat. Das fängt bei "Kleinigkeiten" wie lesen und schreiben an (Kleinigkeit? Von wegen! Es braucht Jahre, bis man das kann!). Ja selbst allein aufs Klo zu gehen mussten wir erstmal lernen, das darfst du ruhig anerkennen. Ist jetzt nichts, worauf man sich für den Rest seines Lebens ausruht, aber es ist wichtig, sich klar zu machen, wie viel man jeden Tag schafft, oft ohne es zu merken. 

Da find ich das Selbstwirksamkeitsspiel gut. Das geht so: Du nimmst dir etwas vor, was du mit großer Wahrscheinlichkeit schaffen wirst, z.B. den Kühlschrank aufzumachen und dein Frühstück rauszuholen. Dann tust du das und wenn du es geschafft hast, denkst du dir: "Ha, geschafft!" Klingt erstmal lächerlich, aber mach das mal für 10 Minuten und du fühlst dich viel besser und auch bereit, deine größeren Leistungen anzuerkennen. Und wenn du weißt, zu was du sonst in der Lage bist, werfen dich Fehler auch nicht mehr so aus der Bahn.

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Es heißt ja immer, aus Fehlern lernt man. Deshalb ist es auch garnicht so schlecht, daß man darüber nachgrübelt. Ich denke, daß geht jedem so, der gute Arbeit leisten will.

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