Wieso finden wir Menschen Musik gut?

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4 Antworten

Sehr gute Frage, habe ich oft darüber nachgedacht. Ergebnis: Keins.

Musik ist so offensichtlich künstlich wie keine andere Kunst. Ein paar Gedanken dazu:

- Warum finden viele Menschen gerade die ersten Intervalle Naturtonleiter schön, also ein Phänomen dass als Obertonspektrum jedem Ton innewohnt? Warum finden Menschen Töne mit stimmigen Obertönen tendenziell schöner als Geräusche?

- Wieviel von der Begeisterung für Musik ist kulturelle Prägung und wieviel angeboren? Würde ein Mensch, der nie einen Durakkord gehört hat den ad hoc schön finden?

(Ich glaube die kulturelle Prägung überwiegt, denn es gibt auf der Welt veschiedenste Tonsysteme. Insofern ist Musik geade nicht "die Sprache der Gefühle" oder vermag über Sprachgrenzen oder Zeitgrenzen hinweg Inhalte zu vermitteln. Ein Beispiel: Der Einsatz von Dur- und Molltonalität noch im Barock, also vor ca. 300 Jahren, hat wenig mit der heutigen Wahrnehmung zu tun und es wirkt auf moderne Hörer teilweise geradezu lächerlich, nicht nachvollziehbar und verquer, wenn z.B. Wut, Rachsucht, Krieg, das jüngste Gericht usw. in strahlendem Dur vorgetragen werden. Ist zwar noch später, aber man denke an die Arie der Königin der Nacht oder Mozarts "tuba mirum spargens sonum" aus dem Requiem)

- Was hat das Musikempfinden mit der Sprache zu tun? Sicher etwas...

- Nichtmenschliche Tiere benutzen akustische Signale. Insbesondere Vögel wie die Nachtigall erreichen dabei eine hohe Komplexität mit geringer spezifischer Zweckbindung (der komplizierte Gesang ist teils austauschbar, sozusagen Improvisation). In der Tat ist der Gesang der Nachtigall wirklich Musik, nicht nur musikähnlich. Wenn ein Mensch so etwas hervorbringen würde gäbe es keinen Zweifel, dass es Musik ist. ALLERDINGS: Die Bevorzugung reiner Töne mit klarer Obertonskala und daraus abgeleiteter Tonleitern ist offenbar fast nur spezifisch menschlich.

Ja, wie kommt es dass das physikalisch/akustisch naheliegende auch als schön empfunden wird? Keine Ahnung.

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Als ich, als EDM-Producer, vermute es liegt daran (Ist nur eine Vermutung):
Unser Gehirn ist ziemlich weit ausgereift, wenn man es mit anderen Tieren vergleicht. Wir sind unglaublich gut darin, Muster zu erkennen, etwas, das Computer noch nicht annähernd so gut können, wie Menschen.

Unser Gehirn erkennt auch sehr gerne Muster. Wenn du dir ein Bild anschaust, suchst du automatisch nach Mustern, nach sich wiederholenden Stellen. Genauso ist es mit der Musik.

Ein Lied besteht aus einer Grundmelodie. Diese wird von verschiedenen Instrumenten und in verschiedenen Variationen gespielt und wiederholt sich immer wieder. Aber obwohl es sich immer wiederholt, gibt es immer wieder Unterschiede. Künstler bauen in ihre Melodien oft kleine kurze Stellen ein, die der restlichen Melodie zwar ähneln, aber sich dennoch unterscheiden. Das frischt das ganze wieder auf und macht es nicht ganz so langweilig.

Aus dem und aus mehreren Jahrhunderten von Musikerfahrung hat sich dann die heutige Musiktheorie gebildet, also Tonleitern, Takte, Akkorde, etc...

Ich hoffe, ich konnte deine Frage soweit beantworten! :)

 ~ Stunter

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Kommentar von TheKingRuFFy
24.04.2016, 23:52

Tolle Antwort! Danke!

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Das ist genau genommen eine Frage der Mathematik, denn bei einer sauberen Tonleiter stehen die Frequenzen in ganzzahligen Verhältnissen, was dazu führt, das die Kurvenverläufe dieser Frequenzgemische über viele Perioden zueinander ähnlich sind, was einen weichen Klang ergibt. Sind die Frequenzen jedoch verstimmt, und damit ein irgend einem nicht ganzzahligen Verhältnis, wird die Kurve dieses Frequenzgemisches unregelmäßig, wobei sich die Amplituden auch so überlagern, das hierdurch scharfe hohe Spitzen entstehen, dere Ton klingt dadurch sehr schrill und teils trotz geringer Basislautstärke oft unangenehm laut.

Dieser Effekt wird bei Signalhörenern ganz bewusst ausgenutzt, sodass diese extra leicht verstimmt zueinander sind, und dadurch einen besonders durchdringenden Ton erzeugen.

Im übrigen empfinden das nicht nur wir Menschen so, so empfinden wir manches Vogelgetschitscher als Angenehm, weil der Vogelgesang auch auf zueinander abgestimmten Frequenzen basiert.

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Kommentar von Stunter
24.04.2016, 23:59

Fast korrekt. Die Frequenzen in einer Tonleiter stehen nicht in ganzzahligen Verhältnissen zueinander. Zwar unterscheidet sich auch das zwischen virtuellen Instrumenten und physischen Instrumenten, aber dennoch sind es keine ganzzahligen Verhältnisse.

 ~ Stunter

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Geschmäcker sind eben verschieden! Ich finde Metal musik zum beispiel absolut beschissen! Viele würden mich dafür killen😂 Is eben so, darauf gibt es keine Antwort!

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