Wieso fangen religiöse Menschen an, Sachen zu erfinden und zu verändern?

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15 Antworten

Einer der Hauptgründe für die Diskrepanz zwischen den Worten der Bibel und dem Glauben vieler Christen besteht darin, dass der Mensch kritisch denken kann und deshalb nicht jede Geschichte vorbehaltlos glaubt.

Man muss meiner Ansicht nach bei irgendwelchen religiösen Lehren immer mehrere Punkte berücksichtigen, um die Lehre wirklich verstehen zu können:

  • Zu welcher Zeit wurde sie geschrieben?
  • An welchem Ort wurde sie geschrieben?
  • An wen wendet sich der Autor?
  • Welche Symbolik enthält die Lehre?
  • Welchen Stand hatte die Wissenschaft?
  • Welche politischen Inhalte hat die Lehre?
  • Welche sozialen Inhalte hat die Lehre?
  • Was bezweckt der Autor mit der Lehre?
  • Entspricht sie dem heutigen Wissensstand?
  • Welche Inhalte sind für den modernen Leser irrelevant?

Wenn man etwa davon ausgeht, dass die Verfasser einer Lehre beispielsweise an die Magie der Zahlen (Numerologie) glaubten, dann wird klar, weshalb Angaben wie

  • "am siebten Tag"
  • "wanderten 40 Jahre"
  • "die 12 Stämme"
  • "heiligen drei Könige"

nicht ohne weiteres als Fakten anzusehen sind, sondern der Verfasser womöglich eine Zahlensymbolik nutze, um etwas auszudrücken, das er für besonders hielt.

Auch Regeln im Bezug auf Verhalten, Kleidung und Ernährung kann man auf einen entsprechenden Kontext der damaligen Zeit prüfen

  • Wo und Wie wohnten die Menschen?
  • Wovon lebten die Menschen?
  • Welches Klima war vorherrschend?
  • Welchen Gefahren waren sie ausgesetzt?
  • Auf welche Weise waren Frauen besonders gefährdet?
  • Welche Vorstellungen von Hygiene gab es?
  • Wie groß war die Lebensmittelsicherheit?
  • Welche gesundheitlichen Risiken bestanden?

Unter Berücksichtigung dieser Punkte kann man dann prüfen, welche rein praktische Funktion manche religiösen Regeln womöglich hatten und für die damaligen Verhältnisse durchaus sinnvoll waren.

Es kann nämlich gut sein, dass manche dieser Regeln unter modernen Gesichtspunkten eigentlich überflüssig geworden sind.

Dann kann man sich selbst fragen, ob man diese eigentlich nicht mehr zeitgemäßen Bräuche aus Traditionsbewusstsein und identitätsstifendes Element beibehält, oder womöglich verwirft.

Beispiel

Wenn wir einen Blick auf den Buddhismus werfen, so bestand die Bettelschale der Mönche früher ausschließlich aus Keramik und war dadurch sehr zerbrechlich

Also wurde die Regel erlassen "ein Mönch soll seine Schale nicht an einer Tischkante abstellen" , was einen praktischen Nutzen hatte.

Heute, da viele Bettelschalen in Südostasien aus Metall bestehen, wäre die Regel eigentlich theoretisch nicht von großer Bedeutung und könnte gestrichen werden.

Da man jedoch der Ansicht wahr, eine solche Regel fördere die Achtsamkeit der Mönche, so dass sie ihren wenigen Besitz nicht überall herumstehen lassen und nachlässig werden, behielt man diese Regel bei.

Fazit

Ich sehe es keineswegs als "ketzerisch" oder Zeichen von mangelndem Glauben an, wenn man religiöse Lehren auf ihren historischen Kontext und ihre Sinnhaftigkeit in der modernen Zeit hin prüft.

Die großen Glaubensgemeinschaften haben letztlich das gleiche auf großen Konzilen und Versammlungen sogar selbst getan - es wurde definiert, welche Aspekte die offiziell "wahre Lehre" darstellen sollten und welche verworfen wurden.

Dazu musste man teilweise nicht einmal den Wortlaut ändern und so eine bewusste "Verfälschung" herbeiführen - es reichte bereits eine bestimmte Interpretation der Inhalte als verbindlich für die Gläubigen festzulegen und alle anderen als falsch zu brandmarken.

Wenn also Kirchenväter, Kalifen, Mönchsräte usw. nach reiflicher Überlegung die vorgeschriebene Auslegung der Schriften in Form eines Dogmas festlegen konnten - dann können wir heute genau so reiflich überlegen und solche Auslegungen in Frage stellen.

Mit dem kritischen Hinterfragen oder dem Nachsinnen über die symbolische Bedeutung religiöser Aussagen  führen wir also sogar eine Tradition fort, die bis in die Anfänge der jeweiligen Religion zurückreicht.

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Kommentar von dasadi
12.02.2016, 19:12

Ene sehr gute, reiflich durchdachte Antwort. Mein Kompliment !

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Naja, wenn jemand kommt und sagt, dass dein Weltbild, oder deine Realität aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse nichtmehr ganz stimmen kann, versuchst du automatisch die Geschichte wieder so zu drehen, damit sie wieder passt.

Beispiel: Die wörtlich genommene Schöpfung mit 6 Tagen ist mit heutigem Wissen nicht möglich. Dass jemand den Zauberstab geschwungen hat klingt auch für viele Gläubige unrealistisch. Jetzt wird einfach eine Hintertüre aufgemacht: Die 6 Tage sind nicht mehr wörtlich zu nehmen und werden zu 6 Gottestagen (also willkürlich lange Tage). Das gleiche gilt für DNA bis hin zu den Atomen uns sonstigen Spässen.

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Kommentar von Garfield0001
12.02.2016, 23:08

du meinst "mit heutigem Wissen und naturwissenschaftlichen Gesetzen". D. h. aber nicht dass es unmöglich ist außerhalb dieser. Nur vorstellen kann es sich keiner.

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Es ist wie in der Politik: Jeder hat eigene Ansichten und eigene Ziele und möchte das durchsetzen, was man selbst glaubt, was das einzig Wahre ist. Geschichten basieren oft auf reale Geschehnisse (Zumindestens die "Alltags"-Geschichten) und daher gibt es dort nur eine Wahrheit. Doch niemand weiß über die Wahrheit von Gott Bescheid. Daher glaubt jeder seinen Gott und definiert seine Welt so, wie man sich selbst es haben möchte oder glauben will.

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Du hast das messerscharf erkannt.

Viele Gläubigen haben inzwischen auch festgestellt, dass das, was in der Bibel steht, so nicht stimmen kann. Den Mut zu sagen, dann stimmt wohl alles nicht, haben aber nur die wenigsten. Damit wären sie ja glaubensfreie Atheisten. Um den Glauben, mit dem sie aufgewachsen sind, nicht aufgeben zu müssen, versuchen sie die offensichtlichen Widersprüche entweder wegzuinterpretieren oder sie biegen sich die Wirklichkeit so zurecht, dass sie zum Glauben passt. Daher gibt es auch neuerdings tausende von selbstgebastelten verschiedenen Göttern, von denen man auch hierzuforum öfters lesen kann. Die haben alle eines gemeinsam: mit dem Gott der Bibel, dem Vater Jesu, hat das nichts mehr zu tun. Diese selbstgebastelten Götter sind aber noch leichter als Fantasiegestalten zu entlarven, als der Bibelgott. Für den haben wir immerhin über 3000 Jahre gebraucht. 

Das ganze ist auch eine Charakterfrage. Die Wahrheit ist oft nicht schön und was schön ist, ist oft nicht wahr. Daher flüchten sich viele Menschen gerne in eine "schöne Scheinwelt" und Religion kann das bieten.

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Es gibt Christen, die Kompromisse eingehen und die Bibel als Geschichtenbuch abtun. Es ist ja auch tatsächlich so, dass wir nicht wirklich verstehen können, wie die Schöpfung ganz genau passiert ist, dazu ist sie nicht detailliert genug beschrieben. 

Ich erinnere mich an John Lennox (ein christlicher Mathematikprofessor an der Universität Oxford) der mal gesagt hat, gewisse Christen haben einen "Gott der Lücken" - sie glauben eigentlich an die Wissenschaft und alle ihre Erkenntnisse, und alles, was sie (noch) nicht verstehen, das füllen sie mit ihrem Gott. Sobald dann wissenschaftliche Erkenntnisse auftauchen, die diese Lücken füllen, wird ihr Gott verdrängt. Ich nehme an, von diesen Menschen sprichst du. Deren Glauben finde ich auch nicht besonders glaubwürdig.

Ich persönlich glaube aber, dass alles, was die Wissenschaft herausfindet, nicht im Konflikt mit dem steht, was in der Bibel steht. Ich stelle Gott nicht in Frage, wenn die Wissenschaft vom Urknall spricht. Entweder der Urknall ist gar nicht passiert, oder er ist passiert, weil Gott ihn verursacht hat. ("Es werde Licht!") Für mich ist Wissenschaft eines der Mittel, um Gott besser verstehen zu können, weil ich dadurch lerne, wie die Welt funktioniert, die er geschaffen hat.

Was genau hat übrigens Verhütung mit alldem zu tun?

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Kommentar von Justaskingmanw
12.02.2016, 12:28

Wir wissen aber, dass die Evolution ganz klar nicht wie in der Bibel stattgefunden hat.

Viele finden das Verhütung nicht richtig ist, da Gott uns geschaffen hat mit wir uns vermehren. 

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Die Bibel wurde nicht von Gott geschrieben, sondern von Menschen.

Menschen  verändern sich den Zeiten entprechend, in denen sie leben.

Die Schöpfungsgeschichte ist eine Legende und keine Tatsache.

Lebensregeln müssen immer den Zeiten angepasst werden, sonst sind sie nicht lebbar.

Gott hat keine Zunge, denn er ist fiktiv. Er existiert durch den Glauben an ihn, nicht umgekehrt.

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Kommentar von waldfrosch64
12.02.2016, 15:06



______Gott hat keine Zunge, denn er ist fiktiv. Er existiert durch den Glauben an ihn, nicht umgekehrt.________

Das ist mindestens genau so unseriös  wie die Aussage die Welt wäre in Einzelheiten  in 6 Tagen erschaffen worden .Eine reine Behauptung .

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Religiöse Menschen haben schon immer Sachen erfunden. Nur haben sie es nicht zugegeben - im Gegensatz zu Fantasy-Schriftstellern.

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Adam und Eva haben mit der Schöpfung nichts zu tun.

Es gibt zwei Schöpfungsberichte: der erste, der an zweiter Stelle steht, besagt eigentlich nur, dass der Mensch ja wohl aus Erde besteht, wenn er doch nach seinem Tod wieder zu Erde zerfällt. 

Der zweite Schöpfungsbericht, der ganz am Anfang der Bibel steht, zählt im Grunde nur auf, wie sich alles der Reihe nach entwickelt hat - ich weiss, es stimmt nicht überall mit der Entwicklungstheorie überein.

Das Ganze steht eigentlich nicht im Widerspruch zu Biologie oder Evolution, es setzt nur das Wirken eines Schöpfers voraus. Auch wenn jemand die Evolutionstheorie als logisch betrachtet, kann er/sie dennoch einen Gott als Ursache dafür annehmen.

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Kommentar von Justaskingmanw
12.02.2016, 12:22

Das Menschen aus Erde bestehen ist auch nicht wirklich mit der Wissenschaft vereinbar.

Am Anfang der Bibel wird von Menschen erzählt die 800 Jahre alt geworden sind. Ich finde schon das dies der Evolutionstheorie widerspricht. Man kann das Alter unserer Vorfahren ziemlich gut bestimmen.

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Weil Gott mit der Bibel nichts zu tun hat. Sie beinhaltet Vorstellung der Menschen (Autoren der Schrift u.a.) von Gott und seinem Willen.
Die "Erzählungen" (Mythen, Legenden, "Erfahrungen, Erkenntnisse, Weisheiten, Lehren) der Bibel sind deshalb keine Lügen, aber auch keine wissenschaftlichen, nachprüfbaren oder (oft) nachvollziehbare Aussagen.
Es liegt an dir, wenn du mehr in der Bibel (AT) siehst oder von ihr erwartest, nicht an Gott.

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Ich denke, religiöse Menschen versuchen einfach nur, so ihr Leben in den Griff zu bekommen. Gibt es nur ein "gut" und ein "böse", ist das Leben einfacher. 

Was jetzt an der Bibel stimmt, und was nicht, ist doch relativ egal. 

Nichtgläublige sehen alles anders. Da gibt es kein schwarz oder weiß, alles ist grau. Und dann ist das Leben komplizierter, aber vielleicht ist ja gerade das das einzig spannende daran.

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Das christlich Schriftverständnis unterscheidet sich von islamischem Schrift verstäntnis ,das meint der Koran sei 1:1 Gottes Wort ,und weshalb einer der einen Koran zerstört  getötet werden muss.Weshalb auch Ehebrecher und homosexuelle gesteinigt werden müssen im Islam .

Die Geschichte in Genesis  von Adam und Eva hat gewiss nicht den Anspruch ein naturwissenschaftlicher Entstehungsrapport  der Erde zu sein.Dort wird etwas über die Beziehung zwischen Mensch und Gott ausgesagt und dass es festgelegt ist was Gut und böse ist und dass der Mensch nicht daran rütteln soll zu seinen eigenen Gunsten .

Wie die Erde im Detail entstanden  ist kann man getrost den Naturwissenschaftlern überlassen ..Auch im Schöpfungshymnus wird ausgesagt ,dass es einen Gott gibt und ihm gegenüber eine Schöpfung gibt .Und das alles als  Abgrenzung zu dem  babylonischen Götterglauben ,welcher Planeten und Tiere als Götter verehrt hatt . Denn das Buch ist erwiesenermaßen vom jüdischen Priestern   im Exil in Babilon verfasst worden .Es ist doch mehr als naiv hier den Anspruch zu fordern hier sei eine exakter Bericht der Entstheung der Erde gemeint .

Die bibel ist ein Buch des Glaubens und so muss es nicht nur gelesen sondern auch verstanden werden .Zudem sind in der Bibel unterschiedliche Literarische Gattungen zu finden und auch diese müssen beachtet werden .

Alles andere ist tör richt und führt am ende zu völlig falschen und dem Menschen gefährlichen Schlussfolgerungen .

All das tut dem Glauben an Gott keinen Abruch,wie viele jetzt fäschlich meinen , sondern es macht unseren Glauben  verständlich und nachvollziehbar und vernünftig .

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Kommentar von dasadi
12.02.2016, 19:18

Hast Du den Koran gelesen ? Ehebrecher steinigen ? Aber nicht die männlichen, oder ? Der Koran ist genauso Auslegungssache wie die Bibel.

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religion und wissenschaft sind 2 paar schuhe (beide haben nicht recht)

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Wieso werde ich aus deiner Frage nicht schlau?

Jeder Mensch verdreht Tatsachen, mehr oder weniger bewusst und absichtlich.

Die organisierte Tatsachenverdehung nennt sich Religion oder Ideologie. All das ist Allgemeinbildung.

Was ist also deine Frage?

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Kannst du deine Frage bitte mal klarer formulieren?

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Kommentar von Justaskingmanw
12.02.2016, 12:16

Die Bibel, Gottes Wort sagt das Adam & Eva die ersten Menschen waren und eerzählt die Geschichte mit der verbotenen Frucht usw. Die heutige Wissenschaft widerlegt das. Damit ist Gott ein Lügner, ich wäre dies ja auch, oder ? 

Und selbst die religiösen sehen es mittlerweile ein und glauben an die Evolution und nicht mehr an Adam& Eva zumindest viele. Aber wieso machen diese das ? Wenn mir jemand etwas erzählt und schon der Anfang der Geschichte eine Lüge ist, höre ich mir ja bestimmt nicht den Rest an. 

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Gott? Wer ist Gott? Ein Phantasiegebilde, von denen es einige 1000 weltweit gibt! Darum heißt es ja auch Glauben und nicht Wissen!

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