Wieso existiert jener psychische Krankheiten Kult?

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13 Antworten

Viele Jugendliche befinden sich in der Pubertät in einer Identitätskrise. Krankheiten sind definiert und bringen dadurch eine gewisse Stabilität ein, dazu noch Aufmerksamkeit, was an sich nichts Schlimmes ist, jeder Mensch möchte beachtet werden. Nur zu solchen Mittel zu greifen ist fragwürdig. Ich denke nicht, dass böser Absichten dahinter stehen, krank sein "zu wollen", sondern eine Art gesucht wird, sich durch eine sehr verwirrende und schwierige Zeit zu navigieren. Ich befürworte so ein Verhalten nicht, so würde ich es aber erklären.

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einfachichseinn 14.06.2016, 22:31

die Erklärung finde ich ansatzweise sehr passend. Allerdings frage ich mich, wieso das erst jetzt so kommt. Ich meine vor wenigen Jahren konnten Teenager auch noch anders Aufmerksamkeit bekommen

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schokocrossie91 14.06.2016, 23:18

Ich denke nicht, dass das ein neues Phänomen ist, es ist nur prominenter durch die Vernetzung. Man kriegt heutzutage grundsätzlich viel mehr von dem mit, was es schon ewig gibt. Heute kann man mitkriegen, was Sarah aus Oregon oder Ali aus dem Iran denken und tun, früher ging das nicht.

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Hallo Einfachichsein,

das ist leider ein Phänomen, das Du sehr gut beobachtet hast. Es geht dabei häufig darum, Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu bekommen. Und auch das ist krank.

Allerdings ebenso in dem Sinne, dass viele es in dieser zunehmend kalten und einsamen Gesellschaft nicht mehr anders zu schaffen glauben, diese Gefühle von anderen zu erhalten.

Bei älteren Personen ist es z. B. auch das Burnout, an dem ja heute jeder leidet, der mal Stress hat und etwas erschöpft ist. Und wer traurig ist, ist ja gleich depressiv.

Das Traurige an all diesen Entwicklungen ist, dass diejenigen, die tatsächlich ernsthaft erkrankt sind, teilweise von ihren Mitmenschen nicht mehr ernstgenommen werden und noch kränker (gekränkter) werden.

Alles Liebe und Gute für Dich

Buddhishi

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Das ist schon über Jahrhunderte ein bekanntes Phänomen, die Erscheinungsform ändert sich nur je nach Mode und Zeitgeist. Alle diese Dinge fielen früher unter den Begriff "Hysterie". 

Betroffen sind meist junge Menschen, die zwischen Kindsein und Erwachsenheit schwanken, Halt suchen und viel Aufmerksamkeit und Unterstützung brauchen und durch div. Erkrankungen einfordern.

Bei vielen lässt das nach der Pubertät nach, leider schaffen es einige nicht und brauchen einfach ein behütetes Leben, mit jemanden, der sie wortwörtlich auf Händen trägt. 

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Anders sein, "tumblr" sein. Aufmerksamkeit, Bestätigung.

Soviele Social Media Plattformen romantisieren solche "populären" Krankheiten/Störungen wie Depressionen, Borderline, Schizophrenie,... Auch SVV, Suizid wird schön dargestellt. "Evtl rettet mich ein Prinz und küsst meine Narben!"
Naja, zumindestens romantisieren sie das, was sie denken wie diese Krankheit es.

Magersucht ist nicht automatisch dünn sein, Schizophrenie nicht gleich Stimmen hören, Borderline nicht gleich selbstverletzen, Depressionen nicht gleich traurig sein,...

Ehrlich gesagt, werde ich mir selbst nicht daraus schlau. Ich weiß den wirklichen Grund nicht. Ich kann weder in solche Menschen sehen, noch verstehe ich dieses Getue, noch möchte ich es verstehen. Es tut weh.

Pro Ana/Mia, Pro Depri/SVV, Pro Suizid,... Ich weiß nicht was das soll. Aber Hauptsache "TW!" unter jedem Bild, wenn man es schon längst gesehen hat.

Ich muss aber sagen, dass meine Mutter mit 15 meine (ersten) Diagnosen der Lehrerin gesagt hat (warum auch immer) und die dann im Klassenbuch standen, mit 16 dann auch wieder, und plötzlich alle Mädchen in der Klasse magersüchtig, schizophren und/oder SVVler waren. Hieß also, dass das Getue mit meiner offiziellen Diagnose angefangen hat.

Und da blieb mir irgendwie gefühlt nichts anderes übrig, als "mitzuspielen". Auch so dumm zu reden, mir die Pro... Tipps anzuhören (und zu versuchen...),... Aber gleichzeitig haben die mich auch gemobbt.

Das Thema ist mir zu viel. Ich verstehe es nicht. Vielleicht versteh ich es ja morgen. Andere Antworten sind vielleicht hilfreicher.

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skogen 14.06.2016, 22:41

Evtl hilft es dir, mit deinen Therapeuten drüber zu reden. Wir diskutieren auch manchmal über solche Themen. ZB haben wir schon festgestellt, dass auf Tumblr sich immer nur Faker gegenseitig bestätigen. Ernsthaft Kranke (wie ich) werden gemobbt und gehasst (und trotzdem wird nachgeeifert?) und Faker bekommen die "gute Aufmerksamkeit", aber auch nur von anderen ihrer Art.

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einfachichseinn 14.06.2016, 22:42

Du verstehst wenigsten, was ich meine!

Was ist TW?

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skogen 14.06.2016, 22:50

Trigger Warning. Das ist eigentlich dazu da, um vor Auslöser zu warnen. Zb. können Schnittwunden Menschen mit SVV triggern, Nervenzusammenbruch, Rückfall, Flashbacks auslösen. - Wenn hier jetzt einer eine Frage stellt "Muss das genäht werden?" dann sollte in der Frage "TW", damit Menschen die von solchen Dingen zB rückfällig, erinnert werden, gewarnt sind und nicht auf die Frage gehen. Ich hoffe du verstehst, ich bin gerade irgendwie durcheinander. ^^

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Baniwie 14.06.2016, 22:58
@skogen

Auffällig ist dabei auch, dass wirklich erkrankte keinen Aufriss darum machen, im Gegensatz zu den Leuten, die sich mit aller Kraft einreden dass sie krank wären. 

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einfachichseinn 14.06.2016, 23:01

Da stimme ich dir ebenfalls zu.

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Anonym989 15.06.2016, 12:58

nicht alle Menschen wollen durch solche posts aufmerksamkeit..... viele wollen das (ihre Gefühle) einfach nur los werden....nicht mehr für sich selbst behalten.... können aber nicht in ihrem sozialem umfeld darüber reden..

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Eine fantastische Frage mit unglaublich vielen Facetten. 

Ich gestehe, mir ist das Problem erst so richtig bewusst geworden seit ich selber Trauma bedingt in einen Kreislauf aus Panik und Todeangst stecke. 

Todesangst, Todeswunsch....Selbstverletzung. 

Manchmal macht es mich wütend wenn ich lese wie das zum Spielball der Gedanken wird...nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Narben werden fotografiert, die Bilder ins Internet gestellt. Eltern, Leherer und Freunde werden erpresst. 

Mache eine Therapie, lasse dir helfen ! ....mit der Empfehlung macht man sich zum Urfeind . 

Ich gäbe alles um so schnell wie möglich aus der Spirale wieder rauszukommen, der Weg ist verdammt hart und jeder Tag ist ein Kampf. Betroffene verbergen real ihre " Schwächen " , uns ist das peinlich . 

Nichts in unseren Leben ist wervoller als die  physische und psychische Gesundheit. 

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So neu ist das alles nicht, wie schon vor 200 Jahren der Werther-Effekt gezeigt hat.

In der Pubertät ist man sehr anfällig für Nachahmung, Dramatisierung, Theatralisierung, Trends und Gruppenzwang. Eben weil man kein stabiles Ich hat, bisher nicht, aber Identität sucht und sich daher nimmt, was von Außen angeboten wird.

Aus harter neurobiologischer Sicht ist Pubertät eine anhaltende psychische Ausnahmesituation. Lastet den Jugendlichen das nicht an, denn nein, sie wissen und können es tatsächlich nicht besser, weder heute noch damals.

Psychische Krankheiten sind ein großes, aktuelles und allgegenwärtiges Thema in unserer Gesellschaft, und Jugendliche greifen es auf ihre Art auf. Anders als angenommen wollen Jugendliche vor allem dazugehören, und nicht anders sein.

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Mir geht es auch so auf den Sack immoment. 

Mir kommt es auch so vor als ob (vor allem die jungen Mädels) jede schlechte Laune die länger als ein Tag dauert als Depression bezeichnen. 

Damit wird die Krankheit ins lächerliche gespielt. Depressionen sind verdammt schlimm. Ich leide seit 1,5 Jahren darunter und habe immer wieder mal extreme Phasen. 

Ich rede unglaublich ungern mit Leuten darüber das es mir schlecht geht weil ich nicht rumjammern will. Außerdem verstehen es viele nicht. Ich glaube es liegt auch nicht zuletzt daran das es einfach eine Modekrankheit geworden ist. Kein wunder das viele Menschen die Krankheit dann so abtun. 

Ich will die Mädels mal sehen wenn sie wirklich depressionen haben. Dann würden sie darüber nicht so reden als hätten sie sich gerade neue Schuhe gekauft. Dieses Gespräch was du gehört hast ist der beste Beweis das sie keine Ahnung haben was Depressionen sind. 

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Der attraktive Faktor ist der Individualismus, die Jugendlichen wollen anders sein und sich abheben von der Masse, da reicht es nicht mehr "nur" ein cooles Hobby zu haben. Um wirklich aufzufallen muss man schon weiter ausholen.

Und das tun sie auch, in den Zeiten der Globalisierung und der sozialen Netzwerke ist nichts mehr besonders, weil man schon fast alles gesehen hat. So bedienen sich die Kinder an Krankheiten die sonst keiner haben will, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

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einfachichseinn 14.06.2016, 22:27

sind sie echt so blind, dass sie nicht merken, dass sie auch damit nicht alleine sind?

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Baniwie 14.06.2016, 22:30
@einfachichseinn

Leider ja, das wird dann wiederum ein regelrechtes Rangeln darum wer die schlimmeren Probleme hat, es wird verglichen. Wer hat es öfter gemacht, wer hat das schlimmere erlebt, wer wird am schlimmsten von seinen Eltern behandelt? Das ist so skurril und erinnert beinahe an das Sammeln von Karten oder Murmeln früher. Je mehr man hat, desto mehr wird man bewundert.

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Du hast vollkommen Recht. Ich denke, dass es in der heutigen Zeit alles gibt und die Jugendlichen oder Kinder nicht wissen wie gut es ihnen geht. Sie werden mit allem überflutet und können das gar nicht bewältigen.

Aufmerksamkeit zu bekommen ist das, was ihnen bleibt.

Wenn du Lehrer ( ich vermute es ) bist, kannst du sie doch zusammenrufen und über die ganze Geschichte reden.

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Manche betteln so um Aufmerksamkeit, dann gibt es indes allerlei Jgdl. die eine narzißtische Störung haben und durch Ritzen sich intensiver oder überhaupt erst wahrnehmen.

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Ein nicht unwichtiger gedanke: patienten kommen in not und wollen eine diagnose bestätigt (!) oder gestellt bekommen.

Was bleibt dem arzt dann anderes übrig als das zu tun?

Es ist doch sehr unbefriedigend zu wissen, dass etwas nicht stimmt, und der arzt meint "alles in ordnung!"...

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Ganz ehrlich ich glaube nicht mal das diese Leute die das cool finden wirklich krank sind.

Habe übrigens auch ADS ohne H und lache nicht darüber sondern habe vor meiner Diagnose (erst mit 18 gestellt),

jahrelang gewusst das ich irgendwie nicht gesund bin aufgrund der Symptome.

Die ersten Probleme haben ja schon in der zweiten Klasse angefangen.

Die Lehrer haben sich immer über mich beschwert ich wäre zu langsam, gucke immer aus dem Fenster, mache oft Leichtsinnsfehler, wiederhole die selben Fehler immer wieder und ich würde träumen.

Bis zur Diagnose habe ich also auch gelitten und das hat mir keinen Spaß Gemacht.

Hoffe das war hilfreich.

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einfachichseinn 14.06.2016, 22:36

nein, echt diese Leute, die sich über ihre Krankheiten unterhalten, wie über den letzten Film, den sie geschaut haben , sind nicht wirklich krank?

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user8787 15.06.2016, 10:31
@einfachichseinn

" Echten " Panik- Trauma Leuten ist das peinlich . Alles ist so unwirklich, man will lieber wieder " normal " sein.....wie vor dem Geschehen. 

Real wissen es hier nur die engsten Freunde....und auch nur Bruchstücke. Viele meiner Patienten denken noch immer ich nehme gerade eine entspannende Auszeit. Meine Vertretung hat natürlich absolute Schweigepflicht. 

Anonym rutscht mal ab und an was raus, gerade bei so brisanten Themen. 

Die Plattform hier ist eine fantastische Ablenkung.....

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Ich denke, dass es hauptsächlich daran liegt, dass sie durch diese Sachen Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Vorteile bekommen (Typisches mit Samthandschuhen anfassen z.B.) 

Vielleicht liegt es auch daran, dass jeder weiß, dass es psychische Krankheiten gibt und grob wissen, welche Symptome es gibt, aber die allgemeine und genauere Aufklärung fehlt (Man ist bsp. Nicht depressiv, weil man ab und zu schlechte Laune hat.) Allerdings gibt es ja mittlerweile schon Psychologie als Fach, in vielen Schulen. 

Vielleicht liegt es auch an den Wunsch, anderen von seinen Problemen zu erzählen und da sind so ein paar Kratzer ein gutes Opening.  

Aber am Ende des Tages kann ich es mir nicht erklären. Ich habe schonmal eine Prügel zwischen 2 Mädchen mitbekommen, um die Frage wer sich tiefer und schlimmer geritzt hat. Und das ist kein Witz. ;)

Ich nenne das immer Mitleidswettbewerb

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