Wieso drängte Hitler die Slowakei dazu, autonom zu werden?

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5 Antworten

Die Mobilisierung der slowakischen Truppen (im März 1939 gab es den slowakisch-ungarischen Krieg) begann am 26.8.1939.

Bereits am 24.8.1939 (Hitler hatte den Angriffstermin für Polen ursprünglich auf den 26.8. festgesetzt, widerrief diesen aber aufgrund der fehlenden Unterstützung Mussolinis und aufgrund der britischen Garantie für Polen) wurden die slowakischen Truppen in Richtung polnische Grenze formiert. Vom 26.8. -30.8. wurden die Reservisten in 5 Stufen einberufen.

Die slowakische Armee vergrößerte sich durch die Mobilisierung von rd. 13.500 auf rd. 51.000 Mann. Südlich des polnischen Tarnow/Rzeszow wurden vier Verbände formiert, die die gesamte slowakische Armee umfaßten: 1. Division Janosik 2. Division Skultety 3. Division Razus Mobile Gruppe Kalinciak

Am 1.9.1939 überschritten die slowakischen Truppen - fast zeitgleich mit der Wehrmacht - die polnischen Grenzen um 5.00 Uhr. In den folgenden Tagen stießen sie rund 90 km vor und besetzten polnisches Gebiet südlich Tarnow. Am 9.9.1939 erreichten slowakische Truppen gegen ganz geringen polnischen Widerstand die Linie Kamenica-Bludca-Zalesie-Zdroj-Tylicz-Javorki-Biala Woda. Der Vorstoß wurde noch geringfügig fortgesetzt.

Während des Vorstoßes hatte es Kontakte/Anlehnung an das deutsche XVIII. Gebirgs-Korps gegeben. Ebenfalls stießen deutsche Verbände zunächst über slowakisches Gebiet und dann nach Südpolen vor (zB 5. Panzer-Division), um die Einschließung polnischer Verbände zu erreichen.

Am 1.10.1939 kehrten die meisten Teile der Streitkräfte in die Slowakei zurück. Hitlers erster Verbündeter hatte seinen Beitrag geleistet, und die Slowakei annektierte Teile des besetzen polnischen Gebiets.

http://www.geschichtsforum.de/f68/september-1939-die-slowakei-hitlers-erster-verb-ndeter-32223/

Moin,

zur Zerschlagung der Rest-Tschechei war Hitler zwar entschlossen - ich erinnere mich da dunkel an eine gerne im Unterricht behandelte Rede, in dem er vor Offizieren von "irgendeinem beliebigen Grund", den er herbeiführen wolle, sprach - allerdings waren der bisherige Kurs mit der friedlichen Revision des Versailler Vertrages mit dem Münchener Abkommen ausgereizt.

Man hatte das Sudetenland erhalten und mit den anderen Großmächten einen Vertrag ausgehandelt, der den deutschen Gebietsansprüchen eigentlich einen Riegel vorschieben sollte. Also musste eine patriotische Rettung der Slowaken her, um einen Einmarsch zu legitimieren und es sowohl für die Staatengemeinschaft als auch für beide Bevölkerungen nicht vollkommen ungeschminkt als Besetzungspolitik hinzustellen.

mfg Nauticus

Ich denke, das ist zu kurz gegriffen.

HitIer war ein nationalistischer Träumer, der übrigens bekanntermassen gerne ausführlich im Mittelalter schwelgte (wie er sich vorstellte) und darin grössten deutschen Glanz sah.

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@derdorfbengel

Hm, ich dachte gerade bei deiner Antwort, sie sei zu weit gegriffen ;-) Das politische Manöver an sich wollte ich jetzt nicht auf Hitler Großmachtstreben im Ganzen umlegen. Kann man machen, fand ich jetzt nicht für nötig.

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@Nauticus

Nun. Es gibt mehrere Fälle, wo NS-Deutschland Land nicht nur hätte erobern könne, sondern sogar erobert hat, und dennoch auf eine direkte Annexion verzichtet hatte. Ich denke, der grösste Brocken in dem Zusammenhang wäre Frankreich, dessen südlichen Teil man zum Satellitenstaat "Vichy"-Frankreich machte.

Es wurde nur der Teil besetzt, der unbedingt besetzt werden musste - in diesem Falle aus strategischen Erwägungen (Küste gegen GB abriegeln und Häfen in die Hand bekommen).

Also das Schaffen von Satellitenstaaten gehört schon in einen weiteren Zusammenhang. Es gibt übrigens eine Menge Grundsatzerwägungen, aus denen pseudo-autonome Staaten nützlicher scheinen als Annexionen. Ganz generell und über HitIer hinaus.

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@derdorfbengel

In der Tat, man bedenke bei Vichy-Frankreich alleine an die ganzen Kolonien, die sonst in der Luft gehangen hätten.

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Am 2. Oktober 1938 wurde das "Sudetenland" von der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich abgetreten. Zuvor versuchten die Großmächte Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien in der Nacht zum 30. September 1938 eine friedliche Lösung für die "Sudetenkrise" zu bekommen.

Durch den "Ersten Wiener Schiedsspruch" vom 2. November 1938 wurden Ungarn von der Tschechoslowakei mehrheitlich ungarisch bevölkerte Gebiete zugesprochen.

Am 22. November 1938 wurde die Tschechoslowakei durch eine Verfassungsänderung zu einer föderalen Republik: Ruthenien und der Slowakei wurden eine eigene Landesregierung gewährt.

Während das Deutsche Reich nun Annexionspläne für die "Rest-Tschechei" plante, erweckte die Slowakei den Eindruck, wieder zu Ungarn gehören zu wollen (Bis 1918 gehörte die Slowakei zu Ungarn!). Das Deutsche Reich entscheid nun, eine eigenständige Slowakei zu gründen, jedoch unter starkem deutschen Einfluss. Das starke militärische Potential sollte für den Überfall auf Polen und weitere Gebiete verwendet werden.

Am 13. März 1939 lud Hitler den Premierminister der slowakischen Regierung Tiso zu sich nach Berlin ein. Er forderte ihn auf, eine eigenständige Slowakische Republik zu gründen. Andernfalls würde das slowakische Territorium zwischen Polen und Ungarn aufgeteilt werden. Unterstützt wurden diese Drohungen durch einen (gefälschten) Bericht, in dem notiert wurde, dass sich ungarische Truppen der Grenze zur Tschechoslowakei nähern.

Tiso wollte diese Entscheidung jedoch nicht alleine treffen und beriet sich am folgenden Tag, dem 14. März 1939 mit Parlamentsmitgliedern. Einmütig beschlossen wurde nun die Unabhängigkeit der Slowakei. Am nächsten Tag, marschierte die Wehrmacht in die "Rest-Tschechei" (später: "Protektorat Böhmen und Mähren") ein. Tschechien wurde also aufgelöst, die Slowakei autonom.

Im August 1939 wurde ein Deutsch-Slowakischer Schutzzonenstatus beschlossen, der die militärische Hoheit der Wehrmacht in der Westslowakei festlegte.

Guter Beitrag bis auf einen Punkt: die Slowaken wollten ganz bestimmt nicht zu Ungarn.

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HitIer wollte doch das mittelalterliche "Deutschland" wiederherstellen. Wie jeder Nationalist war für ihn die wahre berechtigte Ausdehnung des eigenen Landes die, die es jeweils auf seinm Höhepunkt hatte.

Als Deutschland interpretierte er das Heilige Römische Reich, und das umfasste tatsächlich auch die Landschaften Böhmen und Mähren. Prag war ja sogar eine Zeit lang Kaiserresidenz.

Die Slowakei hatte niemals zu Deutschland oder dem Heiligen Römischen Reich gehört. Sie war im hohen Mittelalter Teil Ungarns gewesen.

Also bestand an der Slowakei kein besonderes Interesse. Es musste einem anderen Staat überlassen oder sebständig werden. In der Tat überliess Deutschland dem verbündeten Ungarn einen Teil der damaligen Slowakei, die sog. "Karpaten-Ukraine" (gehört heute zur Ukraine).

Ich würde aber nicht sagen, dass HitIer die Slowakei gedrängt hätte. Völker mussten selten dazu "gedrängt" werden, ihre sog. Unabhängigkeit haben zu wollen.

PS: denk an die NS-Parole: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" = wo Deutsche leben, ist Deutschland.

In Böhmen und Mähren gab es einen gewissen deutschen Bevölkerungsanteil, insbesondere im bekannten Sudetenland. In der Slowakei wäre mir keine relevante deutsche Minderheit bekannt.

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Es war das Prinzip teile und herrsche. Wichtig war Hitler vor allem Böhmen und Mähren, weil er das als deutschen Lebensraum sah, vor allem aber auch wegen der dortigen¨Rüstungsindustrie und Eisenbahnknotenpunkt für seine weiteren Expansionspläne.

Eine Legitimation gab es aber kaum, auch auf slowakischer Seite wollte man nicht unbedingt einen eigenen Staat, doch drohte Hitler, die Slowakei den Ungarn zu überlassen, wenn die Slowaken nicht ihre Unabhängigkeit erklären würden. Diese erklärten sie dann am 14. März 1939. 

Eine satellisierte Slowakei war Hitler wohl lieber als wenn dieses Gebiet wieder den Ungarn zufallen würde wie vor dem ersten Weltkrieg. Hier kannst Du noch mehr nachlesen:

http://geschichte-forum.forums.ag/t55-das-munchner-abkommen-oder-diktat-ohne-uns-uber-uns-edvard-benes-sieg-hitlers-salamitaktik-fiasko-des-appeasements

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