Wieso denken viele (v.a. Jugendliche) sie hätten das schwerste Leben?

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Du kannst nicht wissen, wie groß ihre Probleme wirklich sind und auch bereits in deinem Alter kann man bereits Probleme haben, die andere ihr ganzes Leben nicht haben.

Ein Beispiel: Vor nicht allzu langer Zeit dachte man (und das tun einige heute noch), dass Jugendliche und vor allem Kinder nicht an Krankheiten wie Depression erkranken können. Diese Auffassung stellte sich als schlichtweg falsch heraus und diese Erkenntnis führte zu der Feststellung, dass eine Vielzahl der sehr wohl Betroffenen abgewiesen und nicht behandelt worden war.

Wie gesagt, das betrifft längst nicht alle, aber es kann immer sein, dass es jemanden schlecht geht, auch wenn man ihm oder ihr das nicht ansieht oder zutraut.

Darüber hinaus möchte ich mich Lesemaus2s Antwort anschließen und hinzufügen, dass es keine Rolle bei der Bewertung eigener Probleme spielt, welche Probleme andere haben oder potentiell theoretisch möglich wären, was nicht heißt, dass die Probleme anderer unwichtig sind. Und natürlich trotzdem oder auch gerade dann wissen die meisten um die Probleme anderer.

Das, was dein aktuell schlimmstes Problem ist, ist für dich am schlimmsten. Was nützt es dir, wenn ein Kind in Afrika tagelang Hunger bereits ertragen kann, weil es nichts anderes kennt oder ein Todkranker keine Angst vor dem Tod mehr hat, da er gelernt hat, damit zu leben? Wenn ich selbst diese psychische Stärke nicht habe, ist das weder Schwäche noch Wehleidigkeit noch irgendein anderer Trend. Das Leid anderer können wir uns nicht wirklich vorstellen, also bleiben wir zwangsläufig in unseren Maßstäben.

Auch bei der Rückkehr zur Ausgangsfrage mit dem Status gebe ich Lesemaus und EsTsEr recht. Gerade dann, wenn die Probleme besonders akut sind, nehmen wir sie auch am heftigsten wahr. Wenn wir es (später) neutral betrachten, glauben wir häufig, die unmittelbare Reaktion sei übertrieben gewesen. Wenn ich sage, wie es mir geht, muss ich doch nicht in jedem Nebensatz aufzählen, wen ich noch alles kenne, dem es schlimmer geht und sagen, dass mir mein Problem gerade den Boden unter den Füßen wegzieht, aber ich weiß, dass andere mit weitaus mehr fertig werden und ich deshalb stark sein muss und keinerlei Schwäche zeigen darf.

Es gibt auch immer welche, die tatsächlich nur Aufmerksamkeit wollen, aber das zu unterscheiden, ist nicht so leicht wie gedacht und auch diese Menschen haben dann ein Problem: Aufmerksamkeit zu wollen. Und auch das sollte erst genommen werden.

Liebe Blaustern210,

ich glaube, es liegt nicht daran, dass sie sich nicht vorstellen können, dass es auch schlimmere Probleme gibt. Aber das Problem, mit dem man gerade zu kämpfen hat, ist für einen selbst ja das aktuellste und somit auch in einer Weise das schlimmste. Wenn du selbst gerade wirklich von etwas enttäuscht bist, oder einen Misserfolg oder Streit erlebst, geht dir das doch bestimmt auch sehr viel im Kopf um und du denkst nicht in erster Linie daran, dass es auch so viel Schlimmeres gibt, oder? 

(Wenn das so ist, dann ist das echt bewundernswert! Aber vielen fällt das echt schwer, glaube ich. 

Dass sie da ihren Status verändern, hat vielleicht einfach damit zu tun, dass sie im Grunde genommen hoffen, dass jemand aufgrund dessen, dass er das sieht, nachfragt und sie mit jemandem über alles reden können.

Liebe Grüße und ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen,

Lesemaus2

Wir leben in einer Zeit in der absolut jeder an Depression leidet, mehr oder weniger. Um uns herum haben wir dauerhafte Stimulation, zu Ruhe kommen oder mit seinen eigenen Gedanken sein ist relativ ausgeschlossen. In dem Buch 'The Outsiders' wird etwas thematisiert, was hiermit stark zu tun hat: die Wohlhabenden (zu denen wir dazugehören) fühlen überhaupt nichts mehr und belügen sich in dieser Trägheit und Emotionslosigkeit selbst, indem sie diese typischen Verhalten an den Tag legen (vor allem dieses 'immer etwas sagen, aber fast nichts davon wirklich so meinen oder fühlen'). Sie sind in dieser Gesellschaft und dieser Art von Leben in Schnelllebigkeit und ohne jegliche Erkenntnis von wahren Leben gefangen und wissen es meistens nicht mal selbst, und selbst wenn Sie können sich nicht dazu bewegen sich daraus zu befreien.
Sie fühlen sich irgendwie elendig, übertreiben das dann mit solchen Zitaten um das auszudrücken, weil sie es cool finden und wissen gar nicht, dass das was sie fühlen lange nichts mehr mit den wahren Schmerzen zu tun hat, die ein Mensch fühlen kann, sondern damit, was nur Menschen wie sie verstehen können.

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