Wieso denken Leute wenn es um Suizid geht immer an Aufmerksamkeits Syndrom?

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13 Antworten

Egal, was man vermutet, es ist immer ein Vorurteil. Wenn ich vermute, dass der Selbstmörder sein Leben nicht mehr gebacken bekommen hat, ist das auch nur ein Vorurteil. Wenn ich vermute, er hat an einer schlimmen Krankheit gelitten und sich umgebracht, ist das auch ein Vorurteil.

Man kann aber schlecht abstellen, vorzuurteilen. Irgendein Bild zeichnet sich automatisch, wenn man solche Informationen aufnimmt.

Vorurteile sind auch nicht schlimm, solange man niemanden verletzt. Es ist immer ein Unterschied, ob man Vorurteile hat oder diese auch äußert. Ich kann nicht sagen, jemand hat sich auf einer Straße im Vollsuff mit erhöhter Geschwindigkeit totgefahren, wenn ein Angehöriger anwesend ist. Selbst wenn es äußerst wahrscheinlich ist, weil so etwas schon häufiger dort vorgekommen ist.

Ohne Vorurteile könnten wir manches Unglück gar nicht abwenden. Wenn ich einen Fußgänger so einschätze, dass er wahrscheinlich gleich ohne zu gucken auf die Straße tritt, kann dieses Vorurteil sein Leben retten.

Vorurteile an sich gilt es nicht zu verteufeln.

Ein Aufmerksamkeits Syndrom gibt es nicht. Erfahrungsgemäß ist es so das Menschen die sich wirklich umbringen möchten das nicht vorher großartig ankündigen sondern die tun es. Häufig ist es auch so das solche Androhungen auch als Druckmittel verwendet wird. Es ist auch so das Jugendliche das gerne nutzen um sich tatsächlich in den Vordergrund zu drängen um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten nur ist das der völlig falsche Weg. Jeder Mensch hat zu irgendeinem Thema Vorurteile aber er greift deswegen niemanden persönlich an. Du wirst genauso zu irgendeiner Thematik Vorurteile haben.

Vorurteile gehen zum Menschen nunmal dazu wie die Luft zum atmen. Ohne Schubladensysteme würde das Gehirn vor lauter Informationslast zusammenbrechen. Jeder hat >Vorurteile, egal wie sehr er es leugnet.

Undgeachtet dessen ist es schon so wie du sagst, das viele solche Versuche oder Durchführungen als reines Aufmerksamkeitsgesuche abstempeln. Es führt dazu das sich die Leute damit nicht befassen müssen und suchen eben in der Audrede Zuflucht das es ja nicht "schlimmes" war der dazu geführt hat. Es ist nunmal soviel einfacher alles auf die Aufmerksamkeit zu schieben, anstatt sich eingestehen zu müssen dass das Elternhaus miserabel ist, die Schulklasse irreversibel moralisch verkrüppelt ist oder sonstige Indikatoren dazu geführt hat.

Oft wird dieses "Aufmerksamkeitsgesuche" auch mit einem Hilfeschrei verwechselt. Manchmal erzählt man so etwas z.B. dem Partner um darauf aufmerksam zu machen das er Hilfe braucht, weil er es alleine nicht hinkriegt., das er Nähe oder Gefühle braucht. Oft Denkt der Partner oder allgemein Gegenüber da selten weiter drüber nach, sondern nimmt den einfachen Weg und unterstellt ihm reine Aufmerksamkeitssuche oder das er dem Partner irgendwas aufzwingen will, egal ob Trennung oder Rettung von Beziehung oder ähnliches. So entflieht der Gegenüber nunmal dem Konflikt und kann somit besser damit leben, weil es nichtmehr persöhnlich ist. Glaub mir, ich kenn das zu genüge, muss da auch durch.

Vielleicht ist das ein verbreitetes Vorurteil, weil das eben manchmal wirklich der Fall ist. So wie es vielleicht ein Vorurteil ist zu sagen, dass die Leute oder auch die meisten immer denken und sagen, dass das aufmerksamkeitsbedingt geschehe. Aber ich sage bewusst manchmal, weil ich ja nicht mit Bestimmtheit etwas anderes behaupten kann.

Schlimm ist das schon, denn man unterstellt als Außenstehender ja etwas ohne wirklich etwas zu wissen. Ich glaube nicht, dass sich jemand leichtfertig dazu entschließt, sich etwas anzutun. Und dass die Gedanken überhaupt darum kreisen, sollte schon äußerst ernst genommen werden. Wenn es dann nämlich passiert, ist es schon zu spät. Nur verhindern lässt sich das leider auch nicht immer.

Wie man jemandem einen Grund so hinschmeissen kann, muss man gar nicht verstehen. Ist mir auch ein Rätsel. Aber du kannst es besser machen, indem du zeigst, dass eben nicht jeder so denkt. Jemand, der so etwas sagt, muss selber auch irgendwie um Aufmerksamkeit bangen, sonst fiele ihm das nicht als erster Grund ein. Aber das ist vielleicht auch nur mein Vorurteil.

Es ist auch nicht schlimm sich nach Aufmerksamkeit und Zuwendung zu sehnen. Das ist ganz natürlich und wenn das einem permanent fehlt, kann das einen durchaus dazu bewegen, sich welche zu beschaffen. Brauchen braucht das jeder!

Aber es ist schrecklich so etwas zu sagen, das ist schon wahr.

Also erstmal finde ich es sehr respektlos von den Leuten, von denen du diese Aussagen gehört hast, so etwas zu sagen. Dass man Aufmerksamkeit bekommen möchte, ist bestimmt öfter mal der Fall, aber natürlich gibt es auch andere Urschen für einen Suizidfall. Man soll einfach mal nachdenken, bevor man solche Dinge sagt. Aber ich meine auch, dass man dieses Vorurteil relativ oft von den Medien vermittelt bekommen hat. Denn sonst würde man das ja nicht haben. Aber es ist ja generell so, dass jede Vermutung gleichzeitig ein Vorurteil ist.

Wenn es einen in der nächsten Umgebung trifft, sagt man nicht mehr: "Der wollte nur Aufmerksamkeit" - sondern dann bekommen auf einmal alle - meist völlig unbegründete - Schuldgefühle; Motto etwa: "Was hab' ich bloß falsch gemacht?"

Oft ist das tiefere Problem nicht Aufmerksamkeitsbedürtigkeit, sondern ein wirklich schwerwiegendes, nicht verkraftetes psychisches Problem. (s. z.B. Stichwort "Trauma (Psychologie)" auf wikipedia.org; Suizidalität = höhere Selbstmordgefährdung)

Hallo VanessaLa,

also ehrlich gesagt, habe ich noch nie an Aufmerksamkeit bei Suizid gedacht. Und habe das auch noch nicht gehört.

Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass da ganz andere Sachen dahinter stecken. Und wer wirklich die Absicht hat, will auch keine Aufmerksamkeit. Er will ganz schlicht und einfach aus dem Leben scheiden.

Deshalb hinterlassen auch höchstens 5 % einen Abschiedsbrief.

Anders ist es bei dem Versuch. Wer es immer wieder versucht, aber gerettet werden will, der will Aufmerksamkeit.

Alles Gute

Virginia

Anders ist es bei dem Versuch. Wer es immer wieder versucht, aber gerettet werden will, der will Aufmerksamkeit.

Danke Virginia47 für dieses anschauliche Beispiel zum Thema Vorurteil!

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Es kommt heutzutage leider wirklich häufig vor, dass sowohl Kinder, als auch Jugendliche sowie Erwachsene durch SVV, Selbstmordankündigungen o.ä. nach Aufmerksamkeit suchen.

Noch trauriger ist, dass es auch immer mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit echten, ernsthaften Depressionen, Traumata o.ä. gibt.

Menschen verallgemeinern und generalisieren gerne Sachen, bedeutet also, wenn sie z.B. erlebt oder gehört haben, dass jemand durch derartiges nach Aufmerksamkeit gesucht hat, so übertragen viele dies auch auf die anderen Menschen, die sich beispielsweise selbst verletzen. Ohne wirklich professionell an sowas heranzugehen lässt sich allerdings auch nicht einfach so sagen bei wem etwas Ernsthaftes vorliegt und wer nur etwas "vorspielt" und auf Aufmerksamkeit anderer aus ist.

Zudem interessieren sich viele Menschen trauriger Weise fast nur für sich selber, weshalb ihnen derartiges häufig egal ist und "Der spielt eh nur was vor" ist für diese dann häufig eine schöne "Ausrede"

Traurig aber wahr.

mfg Chris

Jeder Mensch ist Egoistisch, dies ist in uns verankert. Schließlich sehen wir ja nur durch unsere Augen und fühlen nur mit unserem eigenen Körper. Wie Egoistisch man wird liegt an unseren Entscheidungen die wir im Leben treffen, die Normen die wir beachten und in was für einem Umfeld man aufwächst. Ich denke das Ego spielt hier die entscheidende Rolle, wie man sich verhält und wie man antwortet wenn über solch ein Thema gesprochen wird.

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Bestimmt wollten die 10.000 Deutschen, die sich letztes Jahr ds Leben genommen haben nur Aufmerksamkeit.

Es mag Menschen geben, die sowas erzählen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, aber das sind mitnichten die Mehrheit. Die Menschen, die wirklich Probleme haben, werden damit vor dem Kopf gestoßen und naja... machens dann wirklich.

Aber das liegt vermutlich auch daran, das die meisten Menschen schlecht sind und sich nicht mit dem leid anderer belasten wollen. Sondern eher sie noch weiter runter drücken um sich selbst zu erhöhen.

Solche Aussagen sind in vielen Fällen NUR eine „Schutzfunktion“ ... denn wenn man davon ausgehen kann, dass jemand etwas Unangenehmes ausschließlich deswegen sagt, weil er sich selbst in den Mittelpunkt stellen will, um die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu bekommen, dann braucht man sich mit einem solchen Menschen nicht näher beschäftigen. Muss sich keine Sorgen um ihn machen, braucht nicht darüber nachzudenken, wie man ihm helfen könnte ... UND ...kann seinen eigenen „Alltagstrott“ gemütlich weitertrotten, ohne sich für jemanden anderen „anzustrengen“.

Vorurteile sind bequem ... man kann sie aus „ihrer“ Schublade nehmen, wann immer man sich benötigt ... und kann sie fein säuberlich wieder zurücklegen bis zum nächsten „Bedarf“. Man muss nicht nachdenken, nicht hinterfragen, muss keine Dinge sehen, welche man nicht sehen will.

So sind die Menschen, die meisten wollen halt im Mittelpunkt stehen und schlagen unbewusst mit Vorurteilen, Klischees und verletzenden Sprüchen um sich. Ich denke das ist ein dummer Reflex.

Wer sich tatsächlich umbringen will , der wird nicht groß drüber reden , sondern es vollziehen. Denn die Chance daß man Aufmerksamkeit bekommt und von vermeintlichen Suizid abgebracht wird ist natürlich ungleich höher als wenn man nicht drüber redet. In den meisten Fällen zumindest. Das heißt natürlich im Gegenzug nicht daß angekündigte Suizide vernachlässigbar sind.

Sehe ich auch so!

Ich glaube nur, dass Anspielungen oder Versuche ohne wirkliche Absicht auch bedeuten können, dass jemand zwar intensiv darüber nachdenkt, sich aber noch nicht sicher ist und sich eventuell an einen letzten Halm Hoffnung klammert, dass dadurch vielleicht alles besser wird. Dass er bemerkt wird, dass ihm Hilfe angeboten wird, die er auch annehmen kann, und er sich fallen lassen kann und ihn jemand doch noch auffängt.

Das wird aber von Person zu Person variieren. Und dass jemand, der sich bereits dazu entschlossen hat, nicht lange fackelt, sondern handelt ... dem stimme ich vollkommen zu. Das sind dann manchmal Leute ohne jegliche Hoffnung.

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Das stimmt nur teils.

Auch muss man hier definieren was "an die große Glocke hängen" bedeutet.

Ein Freund von mir hat mit seiner Schwester drüber gesprochen bevor er sich aufgehängt hat. Auch hat er gegenüber anderen Leuten Andeutungen in die Richtung gemacht.

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Weil es häufig wahr ist? Wenn du 10x einen Suizid-Fall erlebst und 9x war es wegen mangelnder Aufmerksamkeit, dann wirst du beim 11ten Mal wohl dasselbe denken, oder?

Das ist es ja. Häufig ist nicht gleich immer. Es kann aber viele Gründe haben.

Auch wenn man deine Antwort sehr wohl nachvollziehen kann.

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