Wieso brauchen wir angeblich mehr Wald?

19 Antworten

Hallo,

Mitteleuropa war bis zum Eingreifen des Menschen fast vollständig von Wald bedeckt. Alles, was heute Wiesen, Äcker, Siedlungsflächen, Straßen, Industriegebiete,...sind, war also früher einmal Wald. Nur weil der Mensch den Wald beseitigt hat und diese Flächen künstlich vom Baumbewuchs frei hält, gibt es das alles überhaupt. Wenn also jemand mehr Wald fordert, dann fordert er nur etwas mehr Annäherung an den natürlichen Zustand.

Zur Rolle im Hinblick auf CO2: Kohlenstoff liegt auf der Erde im Wesentlichen in gebundener Form (zB in organischer Materie wie zB im Holz in Wäldern, oder, da hat mich neulich jemand zurecht ergänzt, in manchen Mineralien) vor, oder als CO2 in der Atmosphäre und in den Ozeanen. Alles CO2, das in den ursprünglichen Wäldern gebunden war, ist heute in der Luft, auf den heutigen Flächen ist vergleichsweise nichts mehr gebunden. Mehr Wald wäre also ein effektiver Beitrag, der Atmosphäre wieder CO2 zu entziehen.

Ach ja, zu der Methanproduktion, die du in deinen Kommentaren auf viele Antworten aufführst:

https://www-spiegel-de.cdn.ampproject.org/v/s/www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-schlagzeilen-forscher-sprechen-baeume-frei-a-396190-amp.html?amp_js_v=a2&amp_gsa=1&usqp=mq331AQA#referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com&amp_tf=Von%20%251%24s&ampshare=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fwissenschaft%2Fnatur%2Fklima-schlagzeilen-forscher-sprechen-baeume-frei-a-396190.html

Auf Wiesen und Äckern wachsen zwar keine Bäume, dafür andere Pflanzen, die CO2 speichern. Ich habe keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass es heue weniger pflanzliche Biomasse auf der Erde gibt als früher. Somit ist auch nicht zu befürchten, dass heute durch Pflanzen weniger CO2 gespeichert wird als früher.

Dass Forscher Bäume "frei sprechen", überzeugt mich nicht. Bis 2006 wussten Forscher ja noch nicht mal, dass Pflanzen überhaupt Methan produzieren. Und noch im selben Jahr, wie Dein Artikel verrät, wollen sie bereis wissen, dass der Methan-Ausstoß von Pflanzen keine Rolle für das Klima spielt - obwohl sie den Methan-Haushalt bis heute nicht verstanden haben.

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@Marrson

Wieviel CO2 kann ein Hektar Wiese speichern in seinem nur wenige dm hohen Bewuchs? Wieviel ein ha Acker? Und wieviel ein ha Straße oder Industriegebiet? Glaubst du wirklich, da käme man auf Werte, die auch nur die Dimension von einem Hektar Wald erreichen?

Ansonsten empfehle ich dir, wenn du es besser weißt, das mit den genannten Wissenschaftlern auseinanderzusetzen. Sie werden sich sicher deinem überlegenen Fachwissen beugen müssen.

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@Pomophilus

Natürlich ist die pflanzliche Biomasse eines Waldes größer als die einer Wiese. Dafür sind die Wachstumsraten von Gräsern wesentlich höher als die von Bäumen. Die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt ist ein Gras, nämlich der Riesenbambus, mit bis zu 70 cm am Tag. Und schnelleres Wachstum bedeutet auch mehr CO2-Bindung.

Ich behaupte nicht, den Methan-Haushalt zu verstehen, oder den Einfluss des Methans von Pflanzen auf das Klima. Da ich aber lesen kann, und auch ein bisschen denken, glaube ich nicht, dass Forscher davon viel verstehen können, wenn sie - wie gesagt - bis 2006 noch nicht mal wussten, dass Pflanzen überhaupt Methan ausstoßen. Und - wie gesagt - bis heute der Methan-Haushalt weitgehend im Dunkeln liegt. Eigentlich nur logisch.

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@Marrson

Es kommt nicht auf die Schnelligkeit des Wachstums an: Wieviel von der Biomasse, die ein extrem schnell wachsendes Gras aufgebaut hat, ist nach zehn Jahren noch vorhanden, wieviel ist es bei einem Baum?

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@Pomophilus

Gräser dienen vielen Tieren ja als Futterpflanzen. Wenn z.B. Rinder das Gras fressen, wird das gebundene CO2 in Form von Kohlenstoff in Rinder-Biomasse umgewandelt. Einen anderen Teil des aufgenommenen Kohlenstoffs atmen die Rinder wieder aus, was wiederum der nächsten Generation von Gräsern zur Verfügung steht - ein ewiger Kreislauf.

Einzig und allein entscheidend für die CO2-Bindung ist die Frage, ob es heute weniger pflanzliche Biomasse gibt als früher. Meines Wissens nach gibt es dafür keinerlei Belege - im Gegenteil.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/co2-macht-die-welt-gruener-a-1089850.html

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@Marrson

Langsam verliere ich die Lust, du drehst dich im Kreis!

Wie soll heute genauso viel CO2 gebunden sein wie früher? Auf einem Hektar Wiese, von mir aus mit Kühen darauf, ist einfach viel weniger pflanzliche Biomasse als auf einem Hektar Wald, wo versteckt sich der Rest? Auf einem Hektar Straße, Hochhaus, Industrieanlage ist gar keine vorhanden, wie wird das kompensiert?

Dass Pflanzenfresser kohlenstoffhaltige organische Substanz fressen und zu CO2 abbauen ist ja wohl allgemein bekannt. Dann ist der Kohlenstoff deines extrem schnell wachsenden Grases nicht mehr gebunden, sondern wieder als CO2 in der Luft! Toll, ja, ein Kreislauf! Nur dass das Gleichgewicht hin zu mehr CO2 verschoben ist!

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@Pomophilus

Wie gesagt, ich behaupte, dass es heute nicht weniger pflanzliche Biomasse gibt als früher. Wenn Du Belege dagegen hast, kannst Du sie gerne bringen. Somit ist heute nicht weniger CO2 in Pflanzen gebunden als früher.

Was verschiebt sich denn da? Das Rind kann nur das CO2 ausatmen, das es vorher durch pflanzliche Nahrung aufgenommen hat. Und das ausgeatmete CO2 wird wieder von neuen Generationen von Futterpflanzen aufgenommen, wovon sich wieder neue Generationen von Rindern zu ernähren. Wenn das kein Kreislauf ist, weiß ich nicht, was ein Kreislauf ist.

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@Pomophilus

Aber ist es nicht süß, wie er denkt das die ganzen Rinder in den Supermärkten vorher auf der Wiese standen und Gras gefressen haben? ;-)

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Du solltest Dich zunächst mal informieren in welchen Dimensionen das alles passiert.

Da geht es nicht nur um einige Bäume. Was macht der Mensch derzeit ??

  • In 15 Jahren wir eine Waldfläche vernichtet die 5 x so groß ist wie Deutschland. Wie lange geht das? Früher lebte der Mensch im Einklang mit der Natur - heute ist er dabei alles - und auch sich selbst - zu vernichten. 100 Tierarten lässt er täglich aussterben. Der Mensch vernichtet die Festplatte der Natur und eine Kopie gibt es nicht.
  • Dabei ist der Anstieg globaler Temperatur nicht mehr zu stoppen. Wir verlieren also permanent Land an Wasser - die bewohnbare Erde wird kleiner. Zudem werden zunehmend die Permafrostböden durch die Steigenden Temperaturen angefressen. Diese enthalten ca. 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Die schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel rasant - eine Spirale die dann nicht mehr zu stoppen ist.

Die bewohnbare Erde wird in rasantem Tempo kleiner und wir in rasantem Tempo mehr.  Und es fehlt der politische Wille etwas zu ändern. Gerade bei den Hauptverursachern in den Industrieländern

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. 

Woher ich das weiß:Recherche

Sehr schöner Beitrag, nur mit einem Punkt stimme ich nicht ganz überein: "Früher lebte der Mensch im Einklang mit der Natur ... " - Das ist so nicht richtig. Solange es Menschen gibt, haben sie die Natur ausgebeutet, Tierarten ausgerottet und Wälder abgeholzt, und zwar schon seit der Steinzeit.

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@Haeppna

Richtig es waren aber zum Glück zu wenige für einen globalen Schaden

Und heute vernichten spezielle Maschinen mit 1 Person mehr Wald als früher 100 Menschen

Sieht man in Brasilien. Da wurde im vergangenen Jahr ein Gebiet weit größer als NRW vernichtet - Wald

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Du siehst meiner Meinung nach die Situation viel zu schwarz. Wenn in den nächsten Jahren eine Waldfläche 5 x so groß wie Deutschland gerodet wird, klingt das nach viel, ist aber nicht mal 4 % der aktuellen, weltweiten Waldfläche. Vielleicht wachsen in der gleichen Zeit auch wieder Bäume nach? Die aktuelle Einschätzung ist, dass der derzeitige weltweite Waldbestand in seiner Größe mehr oder weniger erhalten bleibt.

Tiere sterben aus, seitdem es Tiere gibt. Also auch nix neues, auch wenn aufgrund des Menschen evtl. mehr Tiere aussterben als früher, so wie noch früher Dinosaurier ebenfalls viele Tiere verdrängten.

Klimaprognosen, wie Du sie beschreibst, sind aufgrund der enormen Komplexität des Klimas schlicht nicht möglich. Sage nicht nur ich, sondern auch der IPCC.

Im Einklang mit der Natur, wie Du das so romantisch sagst, lebten auch die früheren Menschen nicht, sondern kämpften schlicht ums nackte Überleben. Die hätten sicher alles dafür gegeben, in der heutigen Zeit mit all seinen Annehmlichkeiten leben zu dürfen.

Wünsche Dir auch ein schönes Wochenende!

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@Marrson

Der Wald wird in der von mir beschriebenen Menge weniger das kommt kaum etwas nach.Der größte Wald der Welt in Brasilien wurde in wenigen Jahrzehnten halbiert

Der Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar sagte vor einiger Zeit in einer Sendung des ARD dazu sinngemäß :  

Machen wir so weiter brauchen wir in nicht mehr ferner Zukunft ( vielleicht schon in 50 – 100 Jahren ) 3 Erden. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Wald#Bestandsentwicklung_und_Zustand_in_W%C3%A4ldern_und_Forsten

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@soisses

Richtig aber leider nur Theorie. Gerade Brasiliens Präsident hat angekündigt die Rodung dort noch anzukurbeln

Was in den letzten Jahren passiert ist - erschreckend

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Waldfl%C3%A4che

Statt aufzuforsten wird täglich vernichtet. Das Aufforsten würde auch viele Jahrzehnte dauern und da bekommt man kaum die Staaten unter einen Hut

Es gibt ja auch wirtschaftliche Gründe für das Abholzen und da sollen die wieder aufforsten???

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Zur Vervollständigung https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/waelder-koennten-zwei-drittel-der-menschengemachten-co2-belastung-ausgleichen-a-1275799.html

Klimatisch wirkt ein Wald als CO2 Speicher, wenn man denn einen hat. Und ebenso als "grüne Lunge".
Wälder speichern Kohlenstoff (C) und geben Sauerstoff (O2)ab, die Kiste mit der frischen Luft.

Alles nichts neues, das weiß man schon seit Jahrhunderten.
Heutigen Tages herrscht Klimahysterie.
Weshalb man einen längst bekannten Zusammenhang hernimmt um etwa vermeintlich Neues in Szene zu setzen.

Davon allein habe wir noch keinen Wald.
Denn wer nun pflanzt all diese schönen Bäume?
Die über Jahrzehnte hin gar nichts bewirken.
Hierzulande redeten wir über Laubbäume, so die Ecke mit Eichen, Ulmen usw.usw.
Dafür braucht es Flächen und jede Menge Zeit, den Bäumen beim wachsen zusehen.

Da gab es eine Brauerei die Werbung damit machte "für jeden Kasten Bier 1m² Regenwald zu pflanzen"
Nur wo genau steht nun dieser Krombacher Wald, außer nirgends?

Auf das Ziel betrachtet, CO2 Emissionen zu reduzieren, brauchen wir mehr Wald.
Nur pflanzt der sich nicht von allein udn erwitschaftet keinen Umsatz.
Es kann bezweifelt, dass die Mieter in den Städten einen Baum, geschweige denn Wald pflanzen können.

Leider wird vermehrt Holz als Biomasse zur Gewinnung von Bioenergie in Biokraftanlagen verwendet.

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