Wieso bevormundet man Menschen, sich selber keinen Schaden zuzufügen?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Persönliche Risiken einzugehen, scheint tatsächlich in jedem Bereich erlaubt zu sein. Nur eben bei ausgewählten Drogen nicht. Auch Fachleute können das nicht erklären. Mal ganz davon abgesehen, dass es so ist, weil es sich so ergeben hat.

»"Es ist halt nun einmal verboten", spricht blutunterlaufenen Auges der Weizenbierfreund, und Johnny Walkers Kumpel nicken bedeutend. Herr Justizminister hebt den Humpen, die Gattinnen nippen am Eierlikör.
Nach dieser Logik befürwortet man das Saufen von Methylalkohol und verhängt Sicherungsverwahrung für die Einfuhr von zweiprozentigem Marihuana.«
— Thomas Fischer, ehemals Vorsitzender Richter beim BGH, 2015, Kolumne bei spiegel.de
"Menschen müssen die Freiheit haben, sich zu amüsieren und zu genießen, wenn das, was sie tun, andere nicht schädigt. So ist unsere Gesellschaft. Wir dürfen nicht etwas verbieten, weil es moralisch angreifbar ist. Das Strafrecht darf nur für erheblich fremdschädigendes Verhalten angedroht werden. Die Grundrechte anderer Menschen müssen gefährdet sein. Ein Cannabisnutzer schädigt niemanden, höchstens sich selbst. Das gilt übrigens auch für die meisten anderen Drogen. Ich und viele meine Kollegen glauben daher, dass das Betäubungsmittelrecht in seiner jetzigen Form verfassungswidrig ist. Der Staat schadet dem Konsumenten auf eine Weise, die unverhältnismäßig ist. Die Strafen sind in den letzten Jahren noch verschärft worden. Die Intensität der Verfolgung nimmt zu."
– Rechtswissenschaftler Prof. Lorenz Böllinger, 2015, Interview bei spiegel.de

Und darüber hinaus viele weitere Strafrechtler, die eine Reform der Drogenpolitik fordern: https://schildower-kreis.de/resolution-deutscher-strafrechtsprofessorinnen-und-professoren-an-die-abgeordneten-des-deutschen-bundestages/

Woher ich das weiß:Hobby – Interessierter Laie ✔️ Kein Fachmann, kein Arzt ❌

Danke für den Stern : )

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Diese Dinge zu erlauben wäre sehr liberal. Die aktuelle Regierung ist nicht wirklich stark liberal geprägt.

Es steht dir frei dich selbst zu schädigen, der Staat stellt dir dazu lediglich bestimmte Mittel nicht zur Verfügung.

Drogen darfst du konsumieren wie du willst und auch dein Leben zu beenden ist dir nicht untersagt.

Aber keine Drogen beschaffen und besitzen was den Konsum voraussetzt

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@Petit707

Is auch richtig so.

ich merke dass du grad nicht in der besten Verfassung bist:/ aber da helfen Drogen oder selbstmord auch nicht. Klingt zwar scheiße aber musst dich damit auseinander setzen und einfach mit klar kommen. Jeder hat mal eine beschissene Zeit und die geht auch wieder vorbei

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@Petit707

Weshalb das Gesetz die Möglichkeit vorsieht, im Falle einer geringen Menge zum Eigenbedarf das Verfahren einzustellen.

Generell gilt nur weil du etwas darfst, muss dir der Staat die Mittel dazu noch längst nicht zur Verfügung stellen.

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@DameDePique
Weshalb das Gesetz die Möglichkeit vorsieht, im Falle einer geringen Menge zum Eigenbedarf das Verfahren einzustellen.

Schon bei geringen Mengen Gras gibt es oft direkt Sozialstunden...

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@NeuerNutzer99

Ja, das mag bei Jugendlichen durchaus gehäuft vorkommen, da möchte man noch eher versuchen, eine Verhaltensänderung zu bewirken (über die Sinnhaftigkeit der Methoden brauchen wir uns gar nicht streiten), aber genau deswegen gibt das Gesetz eben auch nur die Möglichkeit dazu, woraus kein Anspruch darauf resultiert.

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@DameDePique

Nicht nur bei Jugendlichen:

"Ich bin 18 Jahre alt, wohnahft in NRW und Schüler. Polizeilich noch nie aufgefallen in jeder Hinsicht."

"Die Staatsanwaltschaft Köln ist bereit vom Verfahren ab zu sehen, wenn ich 10 Sozialstunden absolviere. Habe noch bis zum 2.12.2013 Zeit."

https://hanfverband-forum.de/viewtopic.php?f=12&t=1269

Wegen 1g Cannabis 15 Sozialstunden - was dagegen tun?

"Hallo, ich wurde am Rosenmontag mit 1,7g Cannabis rausgezogen."

"Sie meinte, es wird vorraussichtlich eingestellt, aber nun kam ein Brief der Staatsanwaltschaft, worin es heißt, von der Strafverfolgung wird abgesehen, wenn ich 15 Sozialstunden ableisten werde."

https://www.finanzfrage.net/g/frage/wegen-1g-cannabis-15-sozialstunden---was-dagegen-tun

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@DameDePique

Das Bundesverfassungsgericht bezeichnet die Bestrafung bei geringen Mengen als unangemessen.

 „Steht aber auch das strafbewehrte Verbot des privaten Erwerbs und Besitzes geringer Mengen von Cannabis in angemessenem Verhältnis zum angestrebten Ziel?

Grds. nein, weil Gesundheitsgefahren sowie Gefahren für die Allgemeinheit geringfügig sind. Bestrafung auch des Besitzes und Erwerbs geringer Mengen für den Eigenbedarf ist nach Ansicht des BVerfG grundsätzlich unangemessen.“

https://www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/978-3-540-73807-7-Fall-17.pdf?SGWID=0-0-45-443405-p173759633

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@NeuerNutzer99
Nicht nur bei Jugendlichen:

Da hast du natürlich recht, bei Menschen, die nach Jugendstrafrecht zu verurteilen sind.*

Darüber hinaus sind Sozialstunden auch keine Strafe im Sinne des Jugendstrafrechts.

Wie gesagt, die Sinnhaftigkeit der Methode ist das eine, deren Rechtmäßigkeit jedoch steht außer Frage.

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@NeuerNutzer99

Noch einmal, Sozialstunden sind keine Strafe im Sinne des Jugendstrafrechts oder des Strafrechts wenn wir schon dabei sind.

Die Beispiele, die du vorgebracht hast, stehen in keinerlei Widerspruch zur Einschätzung des Bundesverfassungsgerichtes.

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Wieso bevormundet man Menschen, sich selber keinen Schaden zuzufügen?

Weil das Rechtsgut „Leben“ das schützenswerteste aller Rechtsgüter ist. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Person weiss, was sie sich da antut.

Aber die schlimmste Droge Alkohol ist legal andere illegal die nicht so hart sind.

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@Petit707

Da kann ich nichts dafür, da ich nicht der Gesetzgeber bin. Das wäre allerdings etwas , dass ich ändern würde.

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@Petit707

Hierzu empfehlenswert die Doku "Der globale Rausch" von Arte. Alkohol und Zigaretten sind die schädlichsten Drogen der Welt und trotzdem legal.

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So funktioniert eine Gemeinschaft nun mal nicht.

Sonst müsste man ja Deinen Gedanken konsequent weiterentwickeln und jedem, wo sich selbst geschädigt hat, die medizinische Versorgung vorenthalten nach dem Motto 'selber Schuld, da kann ich nicht helfen'.

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