Wieso arbeiten Menschen beim Jugendamt oder in Kinderheimen?

13 Antworten

Ich arbeite im Heim und das sehr sehr gerne. Und ich kann deine Meinung nicht teilen das die Kinder oder Familien unsere Hilfe nicht wollen. ich kann sagen das von den Jugendlichen die wir betreuen ca. 20% selbst die Hilfe vom Jugendamt wollten und froh sind nicht mehr zu Hause zu leben. ca. 70% der Eltern der Kinder die bei uns leben haben sich selbst ans Jugendamt gewendet weil sie völlig überfordert waren mit ihren Kindern. Nur ein kleiner Bruchteil hat sich nicht selbst gemeldet, da kamen die Meldungen aus einer Klinik, Therapeut, Arzt, einer Schule oder Hort. Aber selbst von diesen Familien ist es nur ein wirklich sehr kleiner Bruchteil der Familien die ihre Kinder dann unfreiwillig ins Heim geben müssen. Bei den 30 Kindern die wir in unseren Gruppen betreuen haben wir genau 1 Kind bei dem das Sorgerecht entzogen werden musste. Es gibt mehr Kinder die einen Vormund oder Ergänzungspfleger haben aber dann weil z.B. Eltern hochgradig psychisch krank sind oder nicht mehr leben.

Die Arbeit im Heim ist eine sehr sehr schöne. Wir haben die Möglichkeit die Kinder und Jugendlichen im Alltag zu begleiten. Wir leben mit ihnen einen Alltag mit all den Aufgaben die da so zusammen kommen. Wir sind wirklich ein Teil ihres Lebens und haben die Chance diesem Leben eine Richtung zu geben. Wir machen intensive Beziehungsarbeit. Das heißt sich wirklich voll auf die Arbeit einzulassen. Aber man bekommt auch sehr sehr viel zurück.

Ja klar, wir betreuen die Kinder und Jugendlichen die oft schwer auszuhalten sind. Die die allen anderen zu viel werden, die sich nicht immer gut benehmen können und die oft schlechte Umgangsformen haben. Aber es sind immer Kinder und Jugendliche mit sehr sehr vielen Ressourcen und Fähigkeiten. Sie hatten oft einfach keine Chance das zu zeigen. Sie lernen oft sehr schnell. Ich arbeite inzwischen 15 Jahre im stationären Kontext. Somit sind nun auch schon Kinder und Jugendliche die ich betreut haben erwachsen. Ich habe zu vielen heute noch Kontakt und gerade die mit denen ich die größten Kämpfe gefochten habe sind mir heute dankbar dafür. Keiner von diesen Kids muss Kontakt zu mit halten und wenn die Zeit im Heim so furchtbar gewesen wäre, dann würden sie doch auch einfach ausziehen und alles hinter sich lassen. Genau das tun aber viele nicht.

Ja, Betreuer handeln auch nicht immer richtig. Sie sind halt auch nur Menschen. Sie sind nicht immer gleich gut belastbar und haben auch mal Frust wenn sie ständig beschimpft werden. Ein guter Betreuer ist auch nicht der der keinen Fehler macht, sondern der der zu seinem Fehler steht und das dann auch wieder klärt. Betreuer im Heim müssen Vorbild sein. Vorbild sein heißt nicht fehlerfrei zu sein, aber man kann durchaus ein Vorbild auch darin sein wie man mit einem Fehler umgeht.

Und klar, es gibt leider auch schlechte Heime. Da wird genau das nicht gemacht. Da agieren die Betreuer nur und ausschließlich mit Strafen. Ich hoffe man findet bald Möglichkeiten solche Strukturen zu durchbrechen und so was zu beenden.

Aus dem selben Grund weshalb es Polizisten, Krankenpfleger, Ärzte, Feuerwehrleute, Gerichtsvollzieher, Anwälte, Richter, Forensiker, Bestatter gibt... Weil es Leute geben muss die diesen Job erledigen.

Es gibt in jedem Beruf Leute, die dafür mehr oder weniger geeignet sind. Es gibt in jedem Beruf Leute, die diesen Beruf aus freien Stücken wählten und diesen Beruf sehr gerne und mit ihrem Herzblut ausüben.

Stell dir mal folgendes vor: Was wäre, wenn niemand mehr beim Jugendamt arbeiten wollen würde "weil bääääh" oder im Kinderheim/ Jugendheim nimmer arbeiten wollen würde?

Dann sähe es für sehr viele Kinder und Jugendliche verflixt schlecht aus. Denn nicht jedes Kind/ nicht jeder Jugendliche ist daheim bei den biologischen Eltern tatsächlich am besten aufgehoben. Nicht jede Familie harmoniert perfekt miteinander, nicht alle Eltern kommen problemlos mit dem Elternsein klar.

Einige brauchen vorrübergehende Hilfe, um als Familie wieder zusammenfinden zu können. Andere brauchen Hilfe um überleben zu können.

Die Leute arbeiten freiwillig in solchen Berufen, weil sie sich eben dazu berufen fühlen. ;)

Erfahrungsgemäß fühlen sich nur die "Eltern" von den Mitarbeitern in Heimen und Jugendämtern schlecht behandelt, die ohnehin uneinsichtig und sozial inkompetent sind.

Diese Arbeitsplätze gibt es nicht zum Spaß. Sie haben ihre Daseinsberechtigung. Naja. Eigentlich Daseinsverpflichtung...

Ich selbst war im Heim. Und klar, ich hab als Minderjährige vieles anders gesehen als die Erwachsenen. Und typisch pubertär wusste ich natürlich immer alles besser. ;)

Aber ich weiß inzwischen, daß man nur das beste für mich wollte. Ich fand im Heim beispielsweise einen Zufluchtsort, der mich vor weiteren Übergriffen meines pädophilen Vaters bewahrte. War zwar nicht optimal, aber besser als nix.

Und als ich später feststellte, daß ich für meine eigenen Kinder nicht gut genug sorgen kann war das Jugendamt ein kompetenter Ansprechpartner in Sachen Hilfe für meine Kinder. Auch wenn ich mit dem einen oder anderen Sachbearbeiter so meine kleinen Schwierigkeiten hatte. Sind halt auch nur Menschen.

Solange man das Wohl der Kinder im Sinn hat gibt es keine ernsthaften Probleme. Erst, wenn man den Verstand ausschaltet wird es schwierig.

Viele leibliche Eltern lassen sich leider ihren Verstand durch Eifersucht vernebeln. Dadurch verweigern sie die Zusammenarbeit mit Pflegeeltern oder Erziehern.

Und wer sind die Leidtragenden? Die Kinder. :(

Um die geht es nämlich selten wenn es Schwierigkeiten mit Heim und Jugendamt gibt... Das ist mir schon oft aufgefallen wenn ich mir die Jammerstorys anhöre von Leuten, die auf diese Berufe schimpfen.

Nicht immer arbeiten die Sachbearbeiter des Jugendamtes wirklich freiwillig in dem Bereich. Als "Staatsbeamte" haben sie oftmals durchaus das Pech, daß sie da nur abgestellt werden weil die Stellen eben irgendwie besetzt sein müssen... 

Und das Handeln der Sachbearbeiter ist gesetzlich geregelt. Meist ist da der Wurm schon drin wenn das Amt irgendwas "nicht ganz richtig" macht.

Für die Gesetze sind die Sachbearbeiter jedoch nicht verantwortlich. Das darf man bei allem Gemeckere nicht vergessen.

warehouse14

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Tolle, nachvollziehbare Antwort!

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