Wiederbelebung / Herzstillstand im OP?

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4 Antworten

Bei dem Verletzungsmsuter, das du beschreibst, wäre ein plötzlicher Kreislaufstillstand tatsächlich gut vorstellbar, einerseits durch den Blutverlust, andererseits durch die schweren Kopfverletzungen, wenn es zu einer Einklemmung des Hirnstamms kommt. Im Falle des Blutverlustes ist ein primäres Kammerflimmern das wahrscheinlichste. Dieses würde man so schnell es geht defibrillieren (mit 4 Joule pro kg Körpergewicht, falls du die Energie wissen möchtest, die genutzt wird), aber natürlich muss auch sobald der Kreislaufstillstand festgestellt wird eine Herzdruckmassage eingeleitet werden. Ene Beatmung müste man ebenso durchführen, jedoch wird ein derart verletztes Kind bereits vom Notarzt intubiert worden sein , und selbst wenn nicht, spätestens im Schock-OP würde man das nachholen. Bei Kammerflimmern, das auch durch Defibrillation nicht durchbrochen werden kann, würde man nach drei Versuchen Amiodaron geben (5 mg pro kg Körpergewicht). Geht das Kammeflimmern in eine Asystolie über (bei dem beschriebenen Szenario ebenfalls nicht unwahrscheinlich) würde man in der Tat schnellstmöglich Adrenalin einsetzen (10 µg/kg Körpergewicht) und die Herzdruckmassage fortführen. Des weiteren würde man versuchen, die auslösenden Faktoren zu beheben, also Bluttransfusion, Ausgleich des Säure-Basen-Haushaltes (also des pH-Wertes im Blut) und der Elektrolyte (Blutsalze), Entlastung eines Spannungspneumothorax, wenn vorhanden und noch nicht entdeckt, Korrektur des Blutzucker, Wärmeerhalt und Infusionstherapie. Wenn all das nichts hilft, wird man schweren Herzens (und insbesondere im Angesicht der wahrscheinlich ohnehin tödlichen Kopfverletzung) die Maßnahmen einstellen. In dieser Konstellation würde niemand den Stunt wagen und das Kind an eine Herz-Lungen-Maschine anschließen, zumal diese ohnehin meist nur in sehr großen Kliniken verfügbar wären. Wie lange man kämpfen würde lässt sich beim besten Willen nicht sagen.
Man würde sicher einiges versuchen, aber nach meinen Erfahrungen hat man nach 30-60 Minuten alle Maßnahmen ausgeschöpft, und wenn dann nichts geht, dann sollte man es im Sinne alle Beteiligten auch zum Unausweichlichen kommen lassen.

Falls du die ganz genauen Abläufe bei der Reanimation (alo mit Zyklen etc) wissen möchtest, kannst due dir die aktuellen ERC-Guidelines zur Reanimation umsonst aus dem Netz laden.

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Kommentar von SkisprungFan
20.09.2016, 08:52

Wow! Ganz vielen lieben Dank, für diese ausführiche Antwort! Und die verschiedenen Beschreibungen.

Hat mich sehr gefreut :)

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Wenn du es so genau wissen willst, dann solltest du vielleicht versuchen, einen Arzt zum Interview zu überreden.

Ärzte sind auch keine Supermulti-Talente, deshalb wäre ein Chirurg oder ein Notfallmediziner wahrscheinlich besser geeignet als ein Allgemeinmediziner oder HNO-Arzt.

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Interessante Frage, wüsste ich auch gerne... Ich weiß, es ist keine Antwort, aber so bekomme ich auch Benachrichtigungen zu deiner Frage :)

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Warum willst do sowas schreckliches schreiben?:,(

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Kommentar von SkisprungFan
19.09.2016, 17:31

Weil ich vor Jahren meine kleine Schwester verloren habe :,( 

Zwar nicht direkt so, aber ich versuche es mit dem Schreiben auch zu verarbeiten. Und wie die vorherige "Antwort" sagt, es mich interessiert! 

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