Wie zeigen Ärzte/*innen professionell und unauffällig, wenn sie etwas für ihre Patienten/*innen empfinden?

9 Antworten

Hallo L.,

es spricht überhaupt nichts dagegen Interesse und Symathie zu zeigen und daher können Ärzte und Psychologen das ganz offen und normal tun.

Ich denke Du meinst den Fall, dass es ein sexuelles Interesse oder Verliebtheit ist?

In dem Fall hat jeder Arzt oder Psychologe seine eigene Art damit umzugehen.

Wenn er merkt, dass Gefühle bei ihm da sind, die nicht in die professionelle Beziehung passen muss er einen Weg finden mit diesen Gefühlen professionell umzugehen.

Der könnte z.B. darin bestehen den Patienten an einen anderen Arzt/Psychogen zu verweisen.

Er hat auch die Möglichkeit zu einem Supervisor zu gehen. Bei therapeutisch arbeitenden Ärzten/Psychologen ist es üblich einen Supervisor zu haben. In der Supervison wird dann eine Lösung erarbeitet.

Eine Supervision kann auch helfen Gefühle zu verstehen und zu verändern. Vielleicht wird man sich z.B. in der Supervison bewust, dass man sich nicht in den Patienten verliebt hat, sondern in eine bestimmte Eigenschaft. Oder dass das Gefühl ein Hinweis ist, auf etwas das im eigenen Leben fehlt, das man aber nicht bei diesem Patienten suchen will.

In diesen Fällen kann dann natürlich mit dem Patienten weiter gearbeitet werden.

Bestimmt gibt es aber auch Ärzte/Psychologen, die damit nicht ganz so professionell umgehen und/oder eine Weile brauchen, um sich überhaupt klar zu werden, dass da eigene Gefühle sind.

LG, Hourriyah

Die meisten psychotherapeutisch tätigen Ärzte haben sympathische und oft auch angemessen liebevolle Gefühle für ihre Patienten, im ambulanten Bereich würde ich das sogar als Voraussetzung ansehen, damit eine Therapie zustande kommt. 

Ob, und wenn ja wie und wie offen und auf welche Weise hängt von der konkreten Situation und dem Standort des aktuellen therapeutischen Geschehens und Prozesses ab.

Sofern es um sexuelle Phantasien, Verliebtheitsgefühle, intime Sehnsüchte, Wünsche, Kontakte über die Therapiesitzungen und/oder die Therapie auszudehnen usw. geht, hängt dies vom Rahmen (v.a. Klinik oder Praxis) ab, wie auch von der Ausbildung des Therapeuten. Vielfach wird (v.a. in Kliniken mit kürzerer Verweildauer) das Ganze ignoriert und ausgesessen, teilweise wird ein Therapeutenwechsel vorgenommen usw. 

Bei analytischen Psychotherapeuten ist das im Gegensatz ein normaler Teil eines analytischen Prozesses, der ganz normal der Gegenübertragungsanalyse zugeordnet wird. Für Ausbildungskandidaten ist dies schon mal hart, weil hier vielleicht reale Gefühle und Gegenübertragung, reale Verliebtheit und im Prozess enstehende Verliebtheitsgefühle, Phantasie und reales Begehren usw. noch nicht gut auseinandergehalten werden können. Daher haben die Kandidaten aber parallel zu den Jahren der Ausbildungsbehandlungen selbst kontinuierlich ihre drei- bis vierstündige Lehranalyse pro Woche wie auch im Schnitt nach jeder vierten Stunde einer Behandlung eines Patienten eine Stunde Kontrollanalyse (Supervision) wo dies durchgearbeitet wird, so dass der Kandidat nach der Ausbildung damit gut umgehen kann. Schließlich gehört das sich verstricken lassen, das sich anstecken lassen und das Durcharbeiten der so entstehenden emotionalen Wirren zur Aufgabe eines Analytikers, was heute als ein Hauptfaktor der analytischen Arbeit gesehen wird, während zB in der Verhaltenstherapie und der tiefenpsychologisch-fundierten Therapie dies eher durch Techniken der Beziehungsgestaltung vermieden bzw. versucht wird zu unterbinden. Das hat auch etwas damit zu tun, dass die analytische Arbeit auch gem. Psychotherapie-Richtlinie gezielt mit regressiven Prozessen arbeitet, während die Regression in den anderen Verfahren explizit unterbunden oder zumindest stark begrenzt wird.

Bedauerlicherweise ist es wohl eher so, dass Patienten/innen Gefühle für ihre Ärzte/Ärztinnen entwickeln. Für die betroffenen Mediziner dürfte das sehr stessig sein. Dass ein Mediziner Gefühle für Patienten entwickelt, dürfte die absolute Ausnahme sein. Und wenn er es dann noch nicht mal schafft, dieses vor dem Patienten verborgen zu halten, dann ist es mit der Professionalität nicht weit her.

54

Für die betroffenen Mediziner dürfte das sehr stessig sein.

nein, das ist überhaupt nicht stressig, denn der Therapeut weiß, dass das regelmäßig vorkommt. Darum muss ein/e Patient/in sich auch nie schämen, das dem Therapeuten zu gestehen.

Stressig wird es dann, wenn er selbst solche Gefühle entwickelt.

1

Was möchtest Du wissen?