Wie zahlt man die Lohnsteuer in der Schweiz?

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In DE zieht Dir Papa Staat die Lohnsteuer direkt vom Brutto ab, d.h.: Was bei Dir am Monatsende auf dem Konto landet, ist bereits Dein Nettolohn nach Steuern -zumindest grob. Am Jahresende darfst/musst Du dann eine Endabrechnung ("Lohnsteuerjahresausgleich") machen, welche Feinheiten Deiner persönlichen Situation berücksichtigt. Daraus kann eine Steuernachzahlung resultieren, aber auch eine Steuerrückerstattung.

In CH kommt es auf Deinen ausländerrechtlichen Status an: Bist Du Ausländer und hast noch keine Niederlassungsbewilligung (=Aufenthaltsbewilligung Typ C), dann ist das Procedere ähnlich wie in DE, aber nicht gleich: Ähnlich ist, dass Dir dann auch wie in DE die Lohnsteuer direkt schon vom Bruttolohn abgezogen wird. Anders ist aber, dass Du am Jahresende keine individuelle Endabrechnung machen kannst (bzw. nur dann, wenn Dein Jahreseinkommen über CHF 120.000,- liegt).

Für Schweizer oder Ausländer mit Niederlassungsbewilligung gilt dagegen, dass Du erst einmal Deinen Monatslohn ohne steuerliche Abzüge bekommst (andere direkte Abzüge gibt es aber trotzdem sehr wohl: nämlich die für Deine gesetzliche Rentenversicherung (AHV) und Invaliditätsversicherung (IV), sowie für Deine betriebliche Rentenversicherung (PK)).

Dann machst Du am Jahresende Deine "ordentliche Veranlagung", d.h.: Deine individuelle Endabrechnung -genau so, wie Du in DE Deinen Lohnsteuerjahresausgleich machst.

Je nachdem, wie schnell Du und Dein jeweiliger Kanton bei der Abarbeitung des Krams ist, flattern Dir dann zwei amtliche Bescheide mehr oder weniger gleichzeitig ins Haus: Der eine ist die steuerliche Endabrechnung für das abgelaufene Jahr (in zwei Teilen: 1x seitens Kanton, 1x seitens Bund). Der andere ist die Zahlungsaufforderung für Deine Lohnsteuer des das neuen Jahres.

Wenn sich bei Dir von einem auf das andere Jahr nicht viel geändert hat, dann ist die Endabrechnung für das alte Jahr natürlich +-0.

Aber die "Rechnung" für Deine "neue Jahr"-Lohnsteuer ist natürlich happig: Das ist ja die gesamte Lohnsteuer eines Jahres, die hier im voraus gefordert wird.

-"im "voraus" ist dabei allerdings noch zu relativieren, denn die Zahlungsmodalitäten erlauben typischerweise auch eine Ratenzahlung -aber das ist eben wieder "voKazuKave" = von-Kanton-zu-Kanton-verschieden!

Ist die CH-Regelung nun besser als die in DE? -Das dürfte Geschmackssache sein. In CH ist eben (wieder einmal mehr!) die Eigenverantwortung gestärkt: Du kannst mit Deinem Geld erst mal wirtschaften, musst Dir aber im klaren sein, dass am Jahresende die Steuer natürlich trotzdem bezahlt werden muss.

In DE traut Dir der Staat soviel Eigenverantwortung aber nicht zu und zieht Dir das Geld daher sofort ab. Hast also weniger Freiheiten, aber dafür auch nicht die Gefahr, "zuviel" Geld auszugeben, weil Du vielleicht Deine Steuern unterschätzt- oder Deine Selbstdisziplin überschätzt.. -Paternalismus versus Eigenverantwortung, könnte man also sagen.

@bitbuerster

Besten Dank für die ausführliche Antwort! Ich habe aber noch eine Frage. Du hast folgendes geschrieben

"Anders ist aber, dass Du am Jahresende keine individuelle Endabrechnung machen kannst"

Bedeuetet das, dass die Ausländer in der Schweiz, die noch keine Aufenthaltsbewilligung Typ C haben, können von der gezahlten Steuer (die sogenannte Quellensteuer) gar nichts zurückfordern, wie es normaleweise der Fall ist? Zum Beispiel Fahrtkosten absetzen usw.

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Für die jährlich (früher alle 2 Jahre) einzureichende Steuererklärung liefert einem der Arbeitgeber einen "Lohnausweis", der die Bezüge ausweist. Neben anderen Belegen über Nebeneinkommen, Vermögen, Fahrzeuge, Berufsauslagen, Krankenkasse etc. müssen diese Papiere mit der Steuererklärung eingereicht werden. Auf der Basis aller notwendigen Daten werden dann die Steuerbeträge für die Staatssteuer (kantonal), Gemeindesteuer (lokal) und direkte Bundessteuer berechnet.

Muss man die erwähnten Steuern (Staatssteuer, Gemeindesteuer und direkte Bundessteuer) einmal pro Jahr zahlen? z.B Anfang 2018 für das Jahr 2017?

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@inventor94

Ja, aber nicht schon anfangs Jahr. Man reicht ja die Steuererklärung für das vergangene Jahr erst so im März ein, und für die Bezahlung werden auch Fristen zugestanden - Verzugszinsen sind heute nicht so hoch wie auch schon.

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Bei frischzugezogenen Ausländern wird die Steuer als Quellensteuer direkt vom Lohn abgezogen.

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