Wie wurden Armeen im Mittelalter finanziert?

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5 Antworten

Im Feudalsystem des Mittelalters waren Bauern, die das Land ihres Grundherren bewirtschafteten, dazu verpflichtet, ihm die Heeresfolge zu leisten. Ob sie eine Entlohnung bekamen, wenn sie ihr Land für die Zeit des Feldzuges aufgaben, kam ganz auf das Vermögen dieses Grundherren an: Manche leisteten es sich, die Familien ihrer Bauernsoldaten zu unterstützen, aber es fand natürlich auch jede Menge grobe Ausbeutung statt.

Während des Feldzuges hatten die Soldaten das Recht (oder besser: Sie nahmen es sich heraus), den besiegten Feind auszuplündern. Zwar stand der Löwenanteil der Kriegsbeute immer noch dem Heerführer zu, aber auch ein einfacher Soldat konnte, wenn er auf der Siegerseite stand, gut davon leben und es kam durchaus vor, dass man aus einem Krieg, sofoern man ihn überlebte, reicher nach Hause kam als zuvor. Es war also meist so, dass der Krieg selbst den Krieg finanzierte.

Die Waffen und Ausrüstung musste sich ein Soldat meist selbst beschaffen, egal ob Bauer oder Adliger. Nur in sehr wenigen Fällen ging der Heerführer soweit, sein Heer selbst auszurüsten und dies zu bezahlen. Allerdings gab es hier auch viele Ausnahmen: Bogenschützen zum Beisiel waren häufig extrem aufwendig ausgebildete Berufssoldaten, die ihr Handwerk von klein auf lernten, um den Umgang mit dieser Waffe perfekt zu beherrschen. Auch Ritter waren Elitesoldaten, die von ihrem Lehensherren verpflegt wurden und meistens Berufssoldaten waren. Daneben verdingten sich auch viele niedrige Adlige oder mittellose des dritten Standes als Söldner - oft die einzige Perspektive für junge Männer, die außer ihrer Gesundheit kein anderes Gut besaßen und kein Handwerk beherrschten. Besonders im Spätmittelalter zog es viele von ihnen auch auf See, denn hier hatten sie die Möglichkeit, ihre Existenz zu sichern - sowohl als Marinesoldaten als auch als einfache Seeleute auf einem Handelsschiff war es möglich, dem sozialen Elend zu entkommen.

Krieg bedeutete sowohl im Mittelalter als auch heute aber immer eine Zeit des großen Elends, besonders bei jenen Konflikten, die lange andauerten. Viele Nationen, Königreiche und Stadtstaaten waren nach einem Krieg völlig ruiniert, nicht nur, wenn sie diesen Krieg verloren hatten. Glorreiche Siege, die eine Nation mächtiger machte als zuvor, treten angesichts der sozialen Lage, die nach einem Krieg meist herrschte, völlig in den Hintergrund, obwohl die Geschichte diese meist feiert.

Ein berühmtes Beispiel ist der Kreuzzug des Britischen Königs Richard Löwenherz: Nicht nur, dass dieser Kreuzzug außer der Eroberung von Akkon keinen Erfolg verzeichnen konnte (Jerusalem konnte den Muslimen dabei nicht entrissen werden), er verschärfte auch die Spannungen innerhalb Europas: Löwenherz hatte den Leopold von Österreich zutiefst verärgert und gekränkt, als er dessen Feldzeichen niederreiten ließ, sodass Leopold sich rächte und den König gefangennahm, als dieser sich auf der Rückreise befand. Ein hohes Lösegeld musste nun aufgebracht werden, um den König freizupressen - was die Bevölkerung Großbritanniens durch die grausame Steuerlast fürchterlich schröpfte. Auch wenn Löwenherz bis heute als edler und guter König und heldenhafter Krieger gefeiert wird, hat seine Impulsivität und sein diplomatisches Unvermögen dazu geführt, sein Land zugrunde zu richten.

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Die Finanzierung von Armeen stellt immer ein großes Problem dar und wurde auf unterschiedliche Weise geregelt.

Nach den Ideen der Lehnsverfassung übertrug der Lehnsherr ein bestimmtes Gebiet oder die Nutzung von Dörfern oder Höfen an einen Lehnsmann, der sich dann verpflichtete nach Anforderung des Lehnsherren eine bestimmte Anzahl von Soldaten, die auf seine Kosten ausgestattet wurden, oder selbst mit eigenen Waffen am Kriegszug teilzunehmen. Die Kosten hierfür mussten die Bauern aufbringen, die zum Bestand des Lehnsnehmers gehörten.

Es gab auch Abgaben, die Städte beispielsweise für die Gewährung des Stadt- oder des Marktrechts an den Landesherren abführen mussten. Auch Zölle für die Überquerung von Grenzen, die Nutzung von Brücken oder die Sicherung von Wegen vor Räubern wurden erhoben.

Und dann versorgte sich die Armee während des Kriegszuges selbst, d. h. sie plünderten Dörfer und Städte, an denen sie vorbeizogen, oder ließen sich für den Verzicht auf eine Plünderung bezahlen.

Manchmal nahmen die Kriegsherren auch Kredite für die Ausrüstung von Söldnerheeren auf, die für die Rückzahlung erforderlichen Mittel musste entweder der Verlierer (oder besser dessen Bauern) aufbringen, oder sie wurden durch Plünderungen erzielt. 

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...durch Steuern? Bauern musste einen Großteil ihrer Erzeugnisse abgeben.

Im antiken Rom galt es übrigens als große Ehre wenn man als Legionär dienen durfte. Jeder Bürger war im Grunde gleichzeitig ein Reservist, musste dafür aber selbst für seine Ausrüstung und Verpflegung aufkommen.

Alles andere wurden durch Plünderung wieder wettgemacht.

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Kommentar von kubamax
27.06.2017, 16:57

Die Römer hatten eine Berufsarmee. Die Griechen hatten Wehrpflicht. Im Mittelalter bis zu Napoleon waren die Söldner Berufssoldaten.

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Fürsten nahmen Geld (Steuern) von ihren Bürgern...

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Der Bauer finanzierte das Militär. Entweder dadurch, daß er seinem Herrn Abgaben leisten mußte, oder dadurch, daß er geplündert wurde. Daran hat sich im Wesentlichen auch die folgenden Jahrhunderte nichts geändert: Kriege werden auch heute durch Steuergelder und durch Plünderungen finanziert.


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Kommentar von zetra
27.06.2017, 20:10

Der polnische Koenig, der mit seiner Reiterei Wien von den Tuerken befreite, bekam auch keinen Lohn. Einzig die Beute die er machte war seine.

Da die Tuerken belagerten, hatten sie sich es gemuetlich gemacht, somit viel da allerhand an. Ob die Polen sich auch an den HAREM bedienten, ist nicht ueberliefert.

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