Wie würdet ihr mein Arbeitszeugnis bewerten. Was würde euch als Arbeitgeber auffallen, was nicht so gut ist?

7 Antworten

Hallo Esmeriim38,

ich wundere mich doch etwas, warum hier so einige dein Zeugnis als "gut" / Note 2 beurteilen, denn das entbehrt jeglicher Grundlage.

Nach gängigen Kriterien ist dein Zeugnis insgesamt als durchschnittlich, also mit der Note 3 bewertet, anzusehen. Dies geht aus Teilbereichen und explizit aus der Beschreibung deiner Gesamtleistung hervor:

Frau XXXXXX hat ihre Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

Zu unserer vollen Zufriedenheit ist in der Zeugnissprache nach wie vor eine 3. --> stets zu unserer vollen=2 und stets zu unserer vollsten=1. 
[Diese Entscheidung wurde vom Bundesarbeitsgericht Ende 2014 getroffen.
Kann man auch hier nachlesen: 
http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/arbeitszeugnis-zu-unserer-vollen-zufriedenheit-heisst-durchschnitt-a-1003643.html  ]

Es ist zwar tatsächlich so, dass einige Personaler die Umschreibung für die Note "sehr gut" mit "stets zur vollsten Zufriedenheit" nicht mehr verwenden, weil es grammatikalischer Unsinn ist, das bedeutet aber nicht, es in "stets zur vollen Zufriedenheit" umzuwandeln, denn damit wäre die Note in eine schlechtere, sprich "gut", verwandelt worden! 

Ein  "sehr gut" muss also dann explizit anders ausgedrückt werden. Gängige Formulierungen sind:
"die Leistungen von Frau X waren stets sehr gut"      oder
"mit den Leistungen waren wir stets/äußerst/höchst/ außerordentlich zufrieden.

Aus den weiteren Aussagen deines Zeugnisses geht hervor:
Motivation=3 (gut wird durch "stets" motiviert ausgedrückt, sehr gute zusätzlich mit Superlativ...)
Fachwissen=3 (solide) mit leichter Tendenz zur 2 (erfolgreich eingesetzt)
Arbeitsweise=2

Unabhängig von den Bewertungen (selbst wenn sie vorher als noch so gut beschrieben würden) ist zur Bewertung eines Arbeitszeugnisses aber besonders der Schlussteil von höchster Bedeutung, denn dieser ist nicht einklagbar und daher aussagekräftiger: hier kommt es tatsächlich auf jedes Details an: was wird erwähnt, was nicht.

Bei dir fällt mir sofort auf, dass zwar für deine erbrachte Leistung gedankt wird, aber kein Bedauern über deinen Weggang erwähnt wird. 
Diese Angabe ist freiwillig, aber das Weglassen des Bedauerns ist üblich für die Noten schlechter 3, also ab 4....
Auch die Formulierung, dass man dir "für die Zukunft weiterhin alles Gute" wünscht, ist Richtung 4, denn bis Note 3 wird immer auch der Erfolg erwähnt, der bei dir weggelassen wurde.

Na, rotreginak02, da sind wir uns ja praktisch einig in der Bewertung. Das mit den "Bedauern" habe ich allerdings glatt übersehen :-(((. Gut, dass du noch mal drauf hinweist :-).

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Endlich mal ein annähernd vollständiges Zeugnis. :-)

@Everklever und @rotreginak02 haben dein Zeugnis schon ausführlich analysiert und richtigerweise festgestellt, dass dein Arbeitsweise und dein Sozialverhalten durchschnittlich bewertet werden.

Bist du der Ansicht, dass du ein besseres Zeugnis verdient hast, bist du in der Beweispflicht, denn die Arbeitsgerichte billigen einem AN genau diese durchschnittliche Beurteilung zu.

Folgende Anmerkungen noch:

Sie war stets ehrlich, fleißig, pünktlich und zuverlässig.

Dieser Satz gehört nicht zum Sozialverhalten, sondern - wenn überhaupt - weiter nach vorne. Der Ehrlichkeitsvermerk ist wichtig, da du ja Zugang zur Kasse hattest. Der Hinweis auf die Pünktlichkeit ist sehr kritisch zu sehen. Da das eine Selbstverständlichkeit ist, betont man so etwas üblicherweise entweder dann, wenn es sonst nichts positives zu sagen gibt oder wenn man darauf hinweisen will, dass der AN auch pünktlich gegangen ist, also nie zu Überstunden bereit war.

Wir danken Frau XXXXX für die erbrachte Leistung und wünschen ihr für die Zukunft weiterhin alles Gute.

Man weint dir anscheinend keine Träne nach. Es gibt keine Bedauern und man bescheinigt dir: "Sie hatte bei uns keinen Erfolg und wird ihn im nächsten Job sicher auch nicht haben." Grundsätzlich hat man als AN zwar keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf eine Schlussformel; aber wenn sie vorhanden ist, muss sie zum Zeugnis "passen". So wie es da steht, wird auf jeden Fall alles vorher Gesagte nochmal abgewertet.

Stimmt denn wenigstens das Ausstellungsdatum mit dem letzten Tag des Arbeitsvertrags überein?

Das ist ein bestenfalls durchschnittliches Zeugnis mit einigen Abwertungen.

Frau XXXXXXX verfügt über ein solides Fachwissen, das sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben erfolgreich einsetzte: 3

Sie war motiviert und zeigte auch bei schwierigen Aufgaben Initiative und Engagement: Aber mit welchem Erfolg? Jedenfalls nicht mit einem überdurchschnittlichen.

Ihre Arbeitsergebnisse sind, auch bei wechselnden Anforderungen und unter sehr schwierigen Bedingungen, stets von guter Qualität: Die Ergebnisse schon (2), aber was ist mit der Arbeitsleistung?

Frau XXXXXX hat ihre Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen:  

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets korrekt. Oh oh, nur "korrekt". Da hat´s gehapert. 4

Sie war stets ehrlich, fleißig, pünktlich und zuverlässig:

  • ehrlich: Ein positiver Vermerk, wenn du Umgang mit Bargeld hattest.
  • fleißig: Warum wird das nochmals erwähnt? "fleißig schon, aber nicht mit überragendem Erfolg".
  • pünktlich: Wird eigentlich nur noch erwähnt, wenn jemand genau auf die Arbeitszeit (besonders Arbeitsende) achtet. Wobei daran erinnert wird, dass im Vorhergehenden nie etwas über die Bereitschaft zu Überstunden gesagt wird.
  • zuverlässig: Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die nur erwähnenswert wäre, wenn sie dich in besonderem Maße auszeichnet.

Frau XXXXX verlässt inser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir danken Frau XXXXX für die erbrachte Leistung und wünschen ihr für die Zukunft weiterhin alles Gute.

Nun ja, das sagt eigentlich schon alles. Dank für "für die erbrachte Leistung", aber nicht etwa für gute Leistungen. Und "wünschen ihr für die Zukunft weiterhin alles Gute" verdeutlicht noch einmal, dass man nicht so recht zufrieden mit dir war, sonst stünde da ".....und beruflich weiterhin viel Erfolg". Dein Weggang wird jedenfalls in keiner Weise bedauert.



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