Wie würdet ihr die Entnazifizierung und Entmilitarisierung in der BRD durch die Alliierten bewerten?

13 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn man sich das gesetzte Ziel anschaut - den Deutschen den Nazismus und den Militarismus auszutreiben, dann war das Projekt fast von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Die Grundlagen für beides waren in der politischen und sozialen Kultur des Deutschen Reiches von Beginn an tief verwurzelt und an der vorhandenen Bevölkerung nahezu nicht mehr zu ändern - zudem rückten diese Ziele mit Blick auf den sich verschärfenden Konflikt mit dem sozialistischen Block ziemlich schnell in den Hintergrund.

Ich würde dir empfehlen, mal in Adornos "Erziehung nach Auschwitz" und "Was bedeutet Aufarbeit der Vergangenheit?" reinschauen. Ich finde seinen Blick auf die Möglichkeiten der Entnazifizierung ziemlich gut nachvollziebar.

Dass aus der BRD eine relativ stabile Demokratie geworden ist, hat viel weniger damit zu tun, dass die Deutschen sich auf einmal zu überzeugten Demokrat*innen gewandelt hatten, sondern mehr damit, dass das neue System durch die massive finanzielle Unterstützung der Alliierten als opportun erwies, weil es in der Lage war, alle Konsumberüfnisse zu erfüllen - und weil die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zugunsten der Auseinandersetzung mit der "sozialistischen Bedrohung" lange Zeit unterblieb.

Zum 1. und 2.Absatz. Deutschland war nach dem 1.Weltkrieg kriegsmüde. Die junge Demokratie funktioniert nicht. Der Versailler Vertrag bürdete Deutschland Reparationszahlungen auf, von denen die letzten Raten erst vor einigen Jahren getilgt wurden.

Die junge Demokratie funktionierte nicht. Die vielen Parteien im Reichstag waren zerstritten. 6 Millionen Arbeitslose sehnten sich nach einem starken Mann. Das war der Nährboden für die NSDAP.

Der Westen hat nichts unternommen, als Hitler begann aufzurüsten, obwohl ihm nach dem Versailler Vertrag nur ein Heer mit leichten Waffen erlaubt war. Hatten sie sein Buch "Mein Kampf" nicht gelesen? Waren sie über seine Absichten nicht informiert?

Zum letzten Absatz eine Bemerkung. Die Engländer haben nach dem 2.Weltkrieg ganze Fabrikanlagen demontiert und nach England geschafft. Es gab zwar den Marschallplan. Aber ich empfehle dir mal dich zu informieren, welche Länder wie viel erhalten haben.   

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@wolfgang11

Natürlich war der Versailler Vertrag eine Zumutung an Deutschland und hat den Staat auf Jahrzehnte belastet. Allerdings war das zu dieser Zeit absolut üblich - alle Nationen haben sich extrem verschuldet, um den krieg führen zu können, mit der Sicherheit im Hinterkopf, man würde sich von den Besiegten schon holen, was man braucht (Deutschland hat das im Friedensvertrag von Brest-Litowsk genauso gemacht).

Ja die junge Demokratie funktionierte nicht - aber vor allem deshalb, weil es kaum Demokraten gab. Das hat wohl einmal damit zu tun gehabt, dass die Menschen diese Demokratie nie als "ihre Sache" erfahren haben, weil sie ihnen von denen vorgesetzt worden war, die für das ganze Elend verantwortliche waren: nämlich die kaiserlichen Eliten und auch die SPD.

Ja, der Westen hat nichts unternommen, obwohl eigentlich relativ klar war, dass Hitler einen solchen Krieg anstrebte. Dafür aber in erster Linie andere Länder verantwortlich zu machen, ist Teil des Irrsinns, indem auch die Möglichkeit zur Wiederholung mitschwingt. Verantwortlich dafür, dass all das passieren konnte, waren nicht die Alliierten, die es "soweit kommen ließen", sondern die überwältigende Mehrheit der Deutschen (was in diesem Fall auch Österreich mit einschließt), die Hitler fanatisch zugejubelt und seine Ziele unterstützt haben.

Natürlich haben die Engländer das. Alle Siegermächte haben deutsche Industrieanlagen demontiert, um Kriegsschäden zu ersetzen und da gibt es nichts dran zu meckern. Trotz allem haben die Westalliierten mit ihrer Unterstüzung dafür gesorgt, dass es der BRD sehr schnell wirtschaftlich wieder gut ging - es gab da auch ganz andere Vorschläge, wie man mit Deutschland verfahren hätte können. Ich sag nur so viel: Morgenthau-Plan.

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@Exisaur

Die SPD war nicht Schuld daran, dass es zu der NS Diktatur kam. Sie war die einzige Partei die gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat. Die KPD hätte auch dagegen gestimmt. Sie war aber bei der Abstimmung weitgehend liquidiert.

Wie gut es Deutschland nach dem Krieg ging, habe ich erfahren, als ich Ende 1947 aus englischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Während in England die Versorgung gut funktionierte, fand ich in Deutschland riesige Mengen Hamsterer vor, die aufs Land fuhren und alles was sie entbehren konnten für Lebensmittel umtauschten. Eine grundlegende Besserung trat erst nach der Währungsreform und dem Beginn des kalten Krieges ein.

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@wolfgang11

Die SPD war nicht Schuld daran, dass es zum NS kam - aber sie hat ihren Teil dazu beigetragen, das Scheitern der Demokratie in der Frühphase der Republik anzulegen. Ihr unbedingter Wille zur Macht um jeden Preis hat dazu geführt, dass die kaiserlichen, antidemokratisch gesinnten Kräfte nach dem Krieg weitestgehend unbehelligt in Amt und Würden blieben.

Es ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit, dass es in England eine bessere Versorgung gab, als in Deutschland. Den Alliierten das vorzuwerfen, wäre eine Frechheit sondergleichen. Angesichts dessen, was die Deutschen angerichtet hatten, hat man sie extrem milde und nachsichtig behandelt.

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@Exisaur

Es ist eine Frechheit zu behaupten, dass ich beanstande, dass es den Engländern besser ging als den Deutschen. Ich war sowohl in den USA als auch in England in Gefangenlager und bin im Gegensatz zu meinen Kameraden in Russland gut und fair behandelt worden. Das hat aber rein Garnichts damit zu tun, dass in Deutschland Ende 1947 noch immer eine Hungersnot herrschte.

Richtig ist, dass aus der BRD eine relativ stabile Demokratie geworden ist. Ob es die BRD oder eine stabile Demokratie  in Deutschland überhaupt geben würde, lässt sich wohl kaum beantworten. Ja, was wäre wenn?? Ohne den kalten Krieg wäre vielleicht manches anders gelaufen. Vielleicht gäbe es gar keine Bundeswehr mit all den Waffen. Aber die Bundeswehr wurde gebraucht und auch das gesamte Offizierscorps aus der Nazizeit. Das ist in der DDR nicht anders gelaufen.   

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@wolfgang11

Dann verstehe ich den Widerspruch nicht. Ja es ist mir bewusst, dass direkt nach Kriegsende eine desolate Versorgungsstiutation herrschte, die sich nicht mir Fingerschnippen beheben lies. Das war nun mal ein Resultat der Kriegswirtschaft für den totalen Krieg. Trotzdem ist der rasante Aufschwung der 50er Jahre, der einiges zur Identifikation der Deutschen mit ihrem neuen Staat beigetragen hat, vor allem den internationalen Geldgebern und nicht dem mystifizierten Fleiß der Deutschen zu verdanken. Das zu erkennen ist mir wichtig.

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@Exisaur

Ach so. Dann hat Geld eine Rolle gespielt und nicht der Fleiß der Deutschen. Die Trümmerfrauen der damaligen Generation waren also faule Deutsche?

Wenn Geld eine Rolle gespielt hätte, dann hätten England und Frankreich wirtschaftlich den Deutschen weit voraus sein müssen, denn die haben mehr aus dem Marschallplan erhalten und hatten nur einen Bruchteil der Schäden, die die Bomben in Deutschland angerichtet hatten.

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@wolfgang11

Dass die Trümmerfrauen einen so großen und selbstlosen Einsatz beim Aufräumen der Kriegsschäden geleistet haben, ist einer der großen Gründungsmythen Nachkriegsdeutschlands. Ein Mythos, der inzwischen wissenschaftlichen widerlegt ist (vgl. dazu: Treber, Leonie [2014]: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehund eines deutschen Erinnerungsortes). Tatsächlich haben während der Kriegszeit hauptsächlich Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, nach dem Krieg dann deutsche Kriegsgefangene und Bauarbeiter den Schutt weggeräumt. Die wenigen Frauen, die sich daran beteiligten (bis zu 5% der weiblichen Bevölkerung in Berlin), waren in der Regel von den Arbeitsämtern zwangsverpflichtet worden.

Dass bei der nationalen Wirtschaft nicht nur die Kriegsfolgen eine Rolle gespielt haben, solltest du dabei auch nicht vergessen. Frankreich und England hatten während dieser Zeit auch noch ganz andere Probleme mit dem Zusammenbruch ihrer Kolonialreiche.

Zudem darf man auch nicht vergessen, dass zusätzlich zu dem deutschen Staat im Londoner Schuldenabkommen von 1953 die Hälfte aller seiner Auslandsschulden erlassen wurden (z.B. auch von Griechenland).

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@Exisaur

Großartige Theorie. Die Praxis sah anders aus.

Ich kam Ende 1947 aus der Gefangenschaft aus England zurück nach Hagen/Westf. Das war 2 1/2 Jahre nach Kriegsende. Da gab es schon lange keine Kriegsgegangenen mehr in Deutschland. Aber vom Bahnhof bis zur Mittelstadt einen einzigen Trümmerhaufen. Nur der Ortsteil Haspe mit der gesamten Schwerindustrie war unversehrt. Dort liefen 4 Hochöfen, ein Walzwerk, ein Gussstahlwerk und andere Firmen auf Hochtouren.

Ich habe als Kriegsgefangener in den USA 2 Jahre als Holzfäller gearbeitet. An wen haben wohl die Holzfällerfirmen für uns bezahlt? Wir bekamen ein Taschengeld. Von dem mussten wir nach Kriegsende die Hälfte Zwangssparen um eine Starthilfe nach der Heimkehr zu haben. Bevor ich nach England kam, wurde mir dafür ein Scheck über 30 Dollar ausgehändigt. In England habe ich 1 1/2 Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet. Von dem Taschengeld wurde auch die Hälfte einbehalten. Bei meiner Entlassung wurden mir die angesparten englischen Pfund in wertlosen RM ausgezahlt. Den Scheck über 30 Dollar habe ich erst nach der Währungsreform eingelöst. Der DM Betrag war 1:10 abgewertet .

Das ist Realität und keine Theorie! Trotzdem klage ich nicht. Meinen Kameraden in Russischer Kriegsgefangenschaft ist es wesentlich schlechter ergangen.   

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@wolfgang11

Ich sehe nicht, wo mir das widerspricht. Ganz davon abgesehen, dass - bei allem nötigen Respekt - Einzelschicksale für die Beurteilung der Entnazifizierung oder des wirtschaftlichen Aufschwungs eher keine Rolle spielen. Ich habe die entsprechende Studie nicht aufgelegt oder durchgeführt, aber argumentiert logisch genug, um sie für glaubwürdig zu halten. Zumal: dass der Kriegsschutt binnen kurzer Zeit weggräumt wurde, hat ja auch niemand behauptet.

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Die Aktion der Alliierten ist gescheitert.

Kluge deutsche Nachkriegspolitiker, die zuvor Gegner der Nazis waren, haben erkannt, dass man Gesinnungen bzw. Mentalitäten eines ganzen Volkes nicht per Dekret im Eiltempo ändern kann. Stattdessen führten sie das deutsche Volk allmählich an Demokratie, Rechtsstaat und freiheitliches Denken durch die alltägliche Praxis heran. Nach und nach wurde - zumindest in Westdeutschland - die geschichtliche Vergangenheit wissenschaftlich aufgearbeitet und dem deutsche Volk in einem permanenten Bildungsprozess vermittelt.

Menschenrechte, Freiheiten, Demokratie und Bildung haben aus der Bundesrepublik ein gefestigtes Staatswesen gemacht, in dem staatlich angeordnete Verbrechen wie zur Nazizeit nicht mehr vorkommen. Allerdings ist nicht zu leugnen, dass Teile des deutschen Volkes, an denen insbesondere der Bildungsprozess aus unterschiedlichen Gründen vorbeigegangen ist, anfällig sind für Ideen und Vorstellungen, die sowohl den im Grundgesetz, unserer Verfassung, festgelegten Grundsätzen als auch einer friedlichen Weiterentwicklung der Gemeinschaft Europas im Wege stehen. Diesem Teil des Volkes sind klare Grenzen zu setzen, und seine Aufklärung ist zu intensivieren!

MfG

Arnold

Ich habe die Zeit erlebt. Sie hat mir 5 meiner besten Jahre als Soldat und Kriegsgefangener gestohlen.

Wie wohl die Meisten Menschen der damaligen Zeit hatten wir genug von Krieg und Nationalsozialismus.

Aber es gab noch eine Zeit lang die alten Kader. Der Grund war hauptsächlich, dass alle Beamten, Lehrer, Richter usw. mehr oder weniger aus Zwang in der Partei waren. Ohne sie wäre der Staat nicht funktionsfähig gewesen. Es wurde zwar ausgesiebt (Persilschein), aber es hat einige Zeit gedauert, bis die älteren Beamten ausschieden und junge, unbelastete nachrückten.

Die Entmilitarisierung fand statt. Es gab viele Berufssoldaten die schwer in einen zivilen Beruf fanden. Die waren sofort dabei, als im Zuge des kalten Krieges zwischen West und Ost Deutsche Soldaten wieder gefragt waren.

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MfG,

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