Wie würde Immanuel Kant einen fairen Preis festlegen?

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2 Antworten

überspitzt gesagt: Wenn der Preis als dauerhafter Preis weder den Käufer noch den Verkäufer in die Insolvenz treibt ;-)

"Handle so, dass die Maxime deines Handelns die Grundlage eines allgemeinen Gesetzes werden könnte" heißt so viel wie:

Es muss eine Methode der Preisfestsetzung geben, die auf Dauer angelegt von allen Seiten akzeptiert wird. Das lässt viel Spielraum:

Es kann sein, dass der Verkäufer einen Preis für eine gewisse Dauer festlegt und der Käufer ihn akzeptieren kann oder auch nicht. Wenn er ihn nicht akzeptiert, dann würde der Verkäufer nichts verkaufen, d.h. er hat ein Interesse den Preis fair festzusetzen.

Es kann sein, dass der Käufer einen Preis festlegt und der Veräufer ihn akzeptieren kann oder auch nicht. Wenn er ihn nicht akzeptiert, dann würde der Käufer nichts kaufen können, d.h. er hat ein Interesse den Preis fair festzusetzen.

Diese beiden Methoden gehen nur, wenn beide Seiten frei sind, d.h. es gibt andere Verkäufer bzw. Käufer, bei denen man auch seine Dinge los werden kann.

Beide Ideen sind marktwirtschaftlich, d.h. Marktwirtschaftlich entstehende Preise wären im Sinn von Kant.

Es kann auch sein, dass beide den Preis verhandeln. Jeder schreibt seinen Preis auf einen Zettel. Dann wird verglichen. Wenn der Verkäufer-Preis höher ist als der Käufer-Preis (d.h. der Verkäufer will mindestens mehr haben als der Käufer zu geben bereit ist) kommt kein Geschäft zustande. Wenn der Verkäufer-Preis niedriger ist als der Käufer-Preis, kommt das Geschäft zustande. Der Käufer zahlt seinen Preis, der Verkäufer bekommt den von ihm genannten Anteil und die Differenz geht an eine wohltätige Vereinigung / an den Staat oder wird 50:50 unter beiden Beteiligten aufgeteilt. All dies wäre wohl in Kants Sinn.

Feilschen ist im Grunde das Gegenteil: Jeder nennt einen Preis, und wenn das Geschäft nicht zustande kommt, gibt es eine nächste Runde, wo abwechselnd jeder einen kleinen Schritt auf den anderen zugeht.

Auch andere Modelle sind denkbar. Wichtig ist nur, dass der Preis niedriger ist als der Wert des Erworbenen für den Käufer und höher als der Wert des Erworbenen für den Verkäufer. Beispielsweise wenn eine Maschine den Hersteller (Verkäufer) 10 Stunden Herstellungsarbeit kostet und sie dem Käufer jedes Jahr 1 Stunde Arbeit erspart, dann wäre ein Käufer, der erwartet, noch 20 Jahre zu leben, bereit jeden Preis bis zu 20 Stunden-Äquivalenten zu bezahlen.  Der Verkäufer wäre bereit, jeden Preis über 10 Stunden-Äquivalenten zu bekommen. (Wobei Stunden-Äquivalente individuell sind und für den einen 20 Euro, für den anderen 10 Euro sein können). In diesem Beispiel wäre dann ein fairer Preis 200 Euro.(= 10 Stunden * 20 Euro/Stunde = 20 Stunden * 10 Euro/Stunde).

 


 

Du hast erwähnt, dass beide Seiten frei sein müssen. Aber wie sieht es aus, wenn dies nicht angenommen werden kann? Beispiel die Kaffebauern, die verkaufen müssen um zu überleben? 

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@tonischlegel

Immer noch gilt, dass beide Seiten gut leben können müssen. Was Kant darüber hinaus dazu sagen würde, kann ich nicht einschätzen. 

Ich selbst finde die Stunden-Rechnung fair. Wenn der Kaffee-Landwirtschafts-Unternehmer durch Verkauf von Kaffee so viel Profit macht, dass er davon jemand bezahlen kann, der dafür 10 Stunden seiner Arbeit erledigt und der kaffeebauer dafür 5 Stunden arbeitet, sollte man einen Preis ansetzen, bei dem der Kaffeebauer mindestens 5 Stunden Profit macht. Profit bedeutet: Geld für durch die Arbeit notwendige Anschaffungen (mehr Wasser, Nahrung, Kleidung als für Nichtstun) müssen jeweils reingerechnet werden. Wenn z. B. der Arbeitnehmer alle 50 Stunden eine neue Hose braucht, die so viel kostet wie er in 25 Stunden verdient, oder äquivalent dazu wenn er 25 Stunden dafür bräuchte um sein Schaf zu füttern und zu scheren, Wolle zu spinnen und die Hose zu nähen, muss man ihm pro Stunde noch 0,5 Stunden mehr bezahlen, d.h. also 7,5 Stunden bezahlen (=5 Stunden Arbeit + 5*0,5 Stunden für die Hosen-Abnutzung) 

Da der Unternehmer im Wettbewerb steht, muss er den Preis möglichst gering halten. Abhilfe schaffen hier Kartelle oder ein staatlich fixierter Preis.

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Ich denke, dass Kant da wenig Probleme gehabt hätte. Du solltest versuchen, dich sowohl mit dem Käufer als auch mit dem Verkäufer zu identifizieren. Wenn du einen Preis findest, bei dem du aus beiden Positionen heraus feststellst, dass du den Preis gut akzeptieren kannst, dann wäre das ein für dich "fairer Preis". 

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