Wie würde Deutschland aussehen wenn es keinen Hartz IV geben würde?

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8 Antworten

Das würde dann vermutlich so aussehen wie in den USA: alle arbeiten, und wer keine Arbeit hat, kann nach kurzer Zeit Sozialleistungen bei den Kirchen anstehen für eine warme Mahlzeit.

In den USA habe ich Menschen gesehen, die eine sehr gute Stelle hatten, und durch Umständen (wirtschaftlicher Natur, aber auch persönlicher Art) irgendwann auf der Straße standen. Da sie, wie die meiste Menschen, finanzielle Verpflichtungen hatten, nahmen sie einfach eine andere Arbeit an, alles was Geld brachte. Die Luxusüberlegungen von Deutschen, wie z.B den Einwand, die neue Stelle sei zu weit weg, man müsse umziehen, oder die Kinder woanders einschulen, kamen gar nicht zur Sprache. Sie nahmen einfach jede Gelegenheit wahr, um irgendwo ihr Brot verdienen zu können.

Ich habe mal jemanden kennengelernt, der viele Jahre eine Husqvarnavertretung in den USA leitete. Als der Dollarkurs fiel, fanden die teure schwedische Maschinen keine Abnehmer mehr, und die Filiale wurde geschlossen. Der Mann hatte fünf Kinder, und wer weiss, wie hoch Studiengebühren in den USA sind, kann abschätzen, wie groß seine Geldnot bald war. Er kaufte sich eine Schneefräse, und räumte den ganzen Winder Schnee in seinem Viertel. Als der Frühling kam, schaltete er um auf Klimaanlagen, die er ersetzte oder einbaute. Auch trat er als Maler in Erscheinung, und hat alte Holzhäuser (gibt es an der Ost-Küste ja überall) gestrichen. Später hat er am Oberlauf des Shenandoah Rivers eine Kanuverleihstation und eine Imbissbude eröffnet. 

Dieser Mann war Maschinenbauingenieur. Er war sich weder zu fein, eine Arbeit "unter seinem Stand" an zu nehmen, noch von Hü nach Hott um zu ziehen. Immer wenn ich ihm traf war er fröhlich und vergnügt, total optimistisch und voller Pläne. Das ist der Unterschied zum Sozialstaat Deutschland: das Gefühl, bis in aller Ewigkeit mit dem "Rundumsorglospaket" versorgt zu sein, macht die Menschen lahm und passiv, unzufrieden und depressiv.

Interessant war auch, dass die Umgebung des Husqvarnavertreters nicht so reagierte wie in Deutschland, wo der Freundeskreis sich auflöst wenn der Sozialstatus verloren geht. Seine gutverdienende Freunde bleiben ihm weiter treu, als wäre er nach wie vor der große Firmenboss, und nicht ein kleiner Schneeräumer. Nur waren die anderen öfter mit Zahlen dran. 

Wenn ein Arbeitnehmer unverhofft und schuldlos seine Stelle verliert, sollte man ihm eine angemessene Zeit geben, um sich neu zu bewerben, oder auch um sich neu zu orientieren, Kurse zu besuchen, um an sich zu arbeiten. Aber die Zeit sollte begrenzt sein, und dann sollte die Versorgung zurückgeschraubt werden auf "Überlebenshilfe": Nahrung. 

Die Menschen würden viel, viel fleißiger werden, und viel mehr Eigeninitiative entwickeln. Wie gesagt, wir würden Verhältnisse wie in den USA haben, und das ist gar nicht so schlecht.

Verdane 17.08.2017, 00:11

Das System der USA ist ganz anders aufgebaut, dort kann man mit einem guten Einfall einfach anfangen. In Deutschland nehmen einem schon die Vorschriften allen Mut, und es entstehen schon hohe Kosten, obwohl noch keine Einnahmen da sind.

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Schwervelke 17.08.2017, 06:19
@Verdane

Ja, aber ich bin überzeugt, dass der Staat diese Hindernissen beseitigen wird, wenn er damit die Milliarden für diesen Wasserkopf an Sozialleistungen sparen kann. Und eines Tages wird es so kommen, denn 50 % Sozialausgaben in einem Land, Tendenz steigend, ist auf Dauer unbezahlbar.

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Claud18 17.08.2017, 18:06
@Schwervelke

Aber der Wasserkopf lebt sehr gut mit den bestehenden Vorschriften und wird sich gegen jede Veränderung mit Händen und Füßen wehren. Wann war das gleich, dass ein Politiker sagte, man solle künftig seine Steuererklärung auf einem Bierdeckel machen können? Und was ist daraus geworden? Das Steuerrecht ist noch komplizierter geworden. Eher nimmt man einem Hartz-IV-Empfänger das letzte Hemd, ehe man den Wasserkopf abbaut.

Ich las mal (vor längerer Zeit) von einem Fleischer, dem von seiten des Hygieneamts (oder wie das heißt) auferlegt wurde, glatte Fußbodenfliesen in seine Arbeitsräume einzubauen, aus Gründen der besseren Reinigungsmöglichkeiten. Die Berufsgenossenschaft dagegen verlangte, gewellte Fliesen zu verlegen, aus Gründen des Unfallschutzes. Beide drohten mit Bußgeldern, sollte der Fleischer dagegen verstoßen. Wie soll man bei einer derartigen Behördenwillkür überhaupt noch etwas auf die Beine stellen? Bill Gates begann mit der Gründung seines Imperium in einer Garage. Bei uns ist es verboten, Garagen für selbstständige Arbeiten zu benutzen. Die Räume müssen Fenster haben. Usw., usf. Solange der Wasserkopf recht einträglich von Gebühren und Bußgeldern lebt, ist es wahrscheinlich einfacher, einen Hartz-IV-Antrag zu stellen als sich selbstständig zu machen.

Dazu noch eine Glosse, die ich in einer Zeitschrift fand: Ein Deutscher und ein Amerikaner wetten, wer zuerst ein Haus fertig gebaut hat. Nach einem Jahr sagt der Amerikaner: "Noch fünf Steine, dann sind wir fertig". Der Deutsche sagt: "Noch fünf Formulare, dann fangen wir an."

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Schwervelke 17.08.2017, 22:00
@Claud18

Wir könnten stundenlang reden, das sehe ich schon. Ich kenne auch eine wahre Geschichte über einen Metzger, die kein Mensch im Ausland glaubt.

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Das siehst du doch z. B. in Griechenland. Dort gibt es ein Jahr lang Arbeitslosengeld, dann gibt es nichts mehr. Wahrscheinlich gäbe es dann eine Massenauswanderung von jungen, gut ausgebildeten Leuten, und der Rest müsste sich irgendwie durchwursteln mit eigenem Gärtchen, den verbleibenden wenigen Arbeitsmöglichkeiten oder irgendwelchen mehr oder weniger legalen Geschäften. Sicher würde dann auch der Cannabisanbau ansteigen oder überhaupt der Rauschgifthandel. Da die Mieten in den Städten für viele nicht mehr bezahlbar wären, entständen auch zahlreiche Wohnwagensiedlungen und Slums. Die Kriminalität würde vielleicht durch die Decke schießen, wie z. B. in Brasilien.

Viele weitere Arbeitsplätze gingen verloren, z. B. im Dienstleistungssektor und im Handel, weil die Leute sich immer weniger leisten könnten. Das wäre dann eine Spirale nach unten. Evtl. gäbe es dann aber auch mehr Zusammenhalt, und Tauschringe würden boomen. Letzteres funktionierte in Argentinien bei der letzten großen Wirtschaftskrise recht gut, weil der Austausch von Waren und Dienstleistungen dann wieder von Mensch zu Mensch stattfand und nicht mit anonymen Handelsketten und Konzernen.

.... dann würde die SPD wieder den Kanzler stellen, denn der Schröder hat diese üppigen Leistungen doch "eingeführt" und wurde dafür vom Hof gejagt.

Zuvor waren ja die Christlichen dran und deren Leistungen waren ja mehr wie mau, wie auch ich erleben durfte.

a) besser, denn vorher gab es ALG, danach Arbeitslosenhilfe und sonstig Sozialhilfe

b) nichts geht nicht, "Der Staat hat das Existenzminimum jederzeit zu sichern und Teilhabe zu ermöglichen" Urteil des BverfG vom Februar 2010.

  • Kommt drauf an wie Du deine Frage definierst. Falls Du damit die Abschaffung von Sozialhilfe und nicht des Konzeptes Hartz 4 meinst:
  • Menschen die ihre Arbeit verlieren würden auch ihr Einkommen komplett verlieren
  • Es gäbe keine Grundsicherung: Menschen ohne eigenes Einkommen landen auf der Straße und/oder haben andere Schwierigkeiten

Aber es gäbe auch Folgen für die arbeitende Bevölkerung:

  • Die Bevölkerung würde unter größerem Druck stehen. Man würde auch geringeres Gehalt und schlechtere Bedingungen akzeptieren, hauptsache man hat ein Einkommen
  • Die Kaufkraft würde sinken: Da Menschen die auf Hartz4 angewiesen sind nichts mehr kaufen können, gäbe es auch Folgen für die Wirtschaft

Dann würden die Arbeitslosengeld-2-Empfänger wieder Sozialhilfe, also weniger bekommen als bisher.

Claud18 17.08.2017, 22:40

Das wäre nicht weniger, nur dürfte man dann weit weniger Vermögen haben. Und Eltern und erwachsene Kinder müssten ihre Einkommen angeben, damit man ihnen evtl. etwas davon abziehen kann.

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Dann gäbe es vielleicht noch die Sozialhilfe, die es vor Hartz 4 gab.
Das war zwar auch nicht viel, reichte jedoch besser zum Leben und die Rahmenbedingungen waren wesentlich menschenwürdiger.

LG Lazarius

es gäbe millionen menschen die obdachlos wären, die ihre rechnungen nicht bezahlen könnten und hungern müssten.

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