Wie wird man ein bekannter Philosoph?

15 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

In den meisten Fällen muss man seit Jahrtausenden Tod und zu Lebzeiten geächtet worden sein...

"Karriere? Was ist das?? Ich studier' Philosophie!" - Philosoph ist man oder man ist es nicht. Wenn du dein Leben und deine Leidenschaft der Erkenntnis zu widmen bereit bist und wenn du lieber ehrlich verletzt wirst als unehrlich in Wohlgefühl gewickelt zu werden, dann hast du die besten Voraussetzungen, um ein Philosoph zu werden. Wenn du Grenzen deiner Fantasie, Grenzen deiner Moralauffassungsmöglichkeiten und Grenzen deiner Neugierde kennst, dann bist du es wahrscheinlich nicht. Schopenhauer hat in seiner Abhandlung "Über die Universitätsphilosophie" sehr ausführlich und sehr wütend erklärt, warum Philosophie nicht an Erfolg gebunden funktioniert. Wer sein Brot mit Philosophie verdient, der muss seine "Philosophie" der Verkäuflichkeit anpassen und damit wird der Begriff Philosophie ad absurdum geführt. Wieso würdest du gerne ein bekannter Philosoph werden?

ich würde gern bekannt werden, weil ich der gesellschaft was "gutes" hinterlassen möchte

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@loldz

Dazu musst du weder bekannt noch Philosoph werden.

  • Je mehr Menschen mir gleichzeitig zuhören, desto weniger kann ich auf Missverständnisse von einzelnen Personen eingehen. Hört mir nur eine Person zu, dann kann ich hingegen gewährleisten, dass genau diese Person meine Ideen exakt und korrekt versteht, weil ich mit der Person darüber diskutieren kann.
  • Die Tragweite von Inspiration ist schwer abzusehen. Wenn ich dir heute sage, dass du kein Philosoph sein und auch nicht bekannt werden musst, um der Welt etwas Gutes zu hinterlassen, dann prägt das deine Persönlichkeit, was heute kleine, morgen komplexe und übermorgen unüberschaubare Folgen hat. In zwei Jahren bist du ein ganz anderer Mensch als du wärest, wenn du meinen Beitrag nicht gelesen hättest.
  • Gutes hinterlässt du nicht nur gezielt in Vorträgen oder Büchern, sondern ganz alltäglich mit deinem Gesicht und deinem ganzen Körper. Du begegnest jeden Tag Hunderten, wahrscheinlich Tausenden von Menschen. Denen allen kannst du mit einem Lächeln begegnen, ein gutes Vorbild sein, wann immer du gesehen wirst, Denkanstöße in kleinen persönlichen Gesprächen liefern, kurz: mit deinem Verhalten zeigen, was du für "gut" hältst.
  • Um anderen Gutes zu hinterlassen, muss man sich erstmal Gedanken machen, was überhaupt Gutes ist. Ist Ehrlichkeit gut, wenn sie andere verletzt? Ist jemanden verletzen gut, wenn er darüber hinaus wächst und daran stärker wird? Ist es gut, jemanden zu töten, der sich auf eine Art und Weise verhalten hat, die anderen Personen massiv schadet? Ist es gut, selbst einen Schwerverbrecher in Schutz zu nehmen? Das Problem ist, dass jeder von uns gut sein und Gutes tun möchte, aber dass jeder davon ein ganz kleines bisschen unterschiedliche Ansichten hat. Und genau an den winzig kleinen Punkten, wo diese Ansichten sich unterscheiden (z. B. jemand drängelt sich in der Schlange vor), geraten Menschen in Streit. Jedes Verhalten kann gut oder schlecht sein, wenn man nur das passende Szenario drumrum konstruiert. Die Rettung eines Lebens kann grausam sein, wenn man es tut, um danach dieses Leben zur Hölle zu machen. Die Misshandlung eines Kindes kann gut sein, wenn dieses Kind aus genau diesem Trauma zu genau diesem Zeitpunkt heraus eine Persönlichkeit entwickelt, die stark genug ist, um in der letzten Konsequenz den nuklearen Weltkrieg zu verhindern. "Gut" ist erstmal nur, wovon du glaubst, dass es gut ist.
  • Schau dir mal mein Profil an. Ich habe inzwischen über 1500 Antworten geschrieben, davon sind mehr als 100 als Hilfreichste ausgezeichnet worden und etliche weitere sind positiv und hilfreich aufgenommen worden. Meinst du, dass ich der Welt was Gutes hinterlassen habe, wenn etwa 100.000 Menschen schon im Internet ernstgemeinte Beiträgeaus meiner Feder zu ernsten Themen gelesen haben? "Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, verändert sich das Gesicht der Welt." Wem man dieses Zitat anlastet weiß ich nicht, ich habe es in meiner Kindheit aufgeschnappt.

Werde/sei erstmal Philosoph, bilde dich in der Philosophie, um deine eigenen Vorstellungen davon, was gut und was schlecht ist, auf den Prüfstand zu stellen, lies Bücher von Philosophen. Fang mit einem Schulbuch an, mach weiter mit Erkenntnistheorie und einer Einführung in die Logik, arbeite dich vor von Thales und Anaximander über den chronologischen Zeitverlauf bis in die Jetztzeit. Wenn du Lust hast, studier Philosophie! Beschäftige dich mit Psychologie und Kindesentwicklung, um den Menschen besser verstehen zu lernen. Beschäftige dich mit dir selbst. Und rede, rede, rede, mit anderen Menschen konstruktiv über deine Meinung. Wenn du etwas kritisierst, dann mach dir immer Gedanken, was du besser gefunden hättest, was du statt des kritisierten Verhaltens gerne erlebt hättest. Sei bescheiden.

Jeden Tag etwas Gutes zu hinterlassen ist wirklich nicht schwer (Lächeln, einen weinenden Menschen trösten, jemandem helfen, die runtergefallenen Einkäufe einzusammeln, einen Rat geben, einem lieben Menschen einen Gefallen tun, einem Hungernden ein belegtes Brötchen und eine Flasche Wasser schenken, geduldig sein, Müll aufheben und wegwerfen, dich selbst weiterentwickeln, um sozialverträglich zu sein, jemandem verzeihen, jemanden aufhelfen......). Bekannt werden hat damit überhaupt nichts zu tun, ist vergleichsweise eher ineffizient.

Ich will auch der Gesellschaft so viel Gutes hinterlassen, wie ich in meiner Lebenszeit noch schaffe. Aber ich habe verstanden, dass es nur funktioniert, indem man auf Einzelpersonen eingeht. Alles Andere wird dem Einzelnen nicht gerecht. Ich streite mich freundlich und konstruktiv mit Fremden, ich lobe Fremde, ich helfe, wo ich kann, ich hinterfrage mich regelmäßig selbst, ich tue anderen gerne Gutes. Das funktioniert viel besser als zu versuchen, ein Buch zu schreiben. Ich hoffe, dass dir das die Augen öffnet. Viel Spaß in Philo!! :-)

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Ein Philosoph ist doch gewissermaßen jeder von uns, nicht? Bekanntheit erlangen aber (leider) nur die wenigsten. Am Anfang würde ich dir raten, deine Gedanken in kurzen Sätzen auf einem Blatt Papier, Word, oder wo auch immer zu manifestieren und anschließend in Zusammenhang zu bringen. Wenn du dich jeden Abend einmal an das Blatt setzt und die Gedanken des Tages aufschreibst, kannst du schon einmal nicht viel falsch machen. Natürlich musst du auch nicht gleich eine Dissertation verfassen, das würde ja ein Philosophie-Studium voraussetzen. Vielleicht wirst du auch Mitglied in einem Debattier-/ oder Rhetorikclub. Rhetorik, Kritikvermögen und Wissen sind Basis für eine professionelle Philosophie. Taste dich langsam an das Thema heran, leihe dir Bücher aus. Fange am Besten nicht gleich mit Platon oder Mach an, die lesen sich relativ schwer. Ich finde, einen definierten Weg gibt es nicht.. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Ich glaube nämlich nicht, dass der gute Platon schon in seinen frühen Jahren wusste, zu welcher Berühmtheit er gelangen würde. Wie ein kluger Mann einmal sagte: "Berühmtheit ist eine unglückliche Verkettung von Zufällen." :)

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