Wie wird in der Psychiatrie mit einem Patienten umgegangen, also wird man behandelt wie ein "irrer" oder wie ist es dort,hat vielleicht auch jemand Erfahrung?

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10 Antworten

Eine Psychiatrie ist nichts Anderes als ein Krankenhaus! Behalte Dir diese Tatsache bitte im Gedächtnis!

Bitte verwirf alle Vorurteile und Klischees gegenüber Psychiatrien, da gibt es die wildesten Geschichten, die aber leider alle so verallgemeinert und verändert werden, dass sie einfach nicht mehr der Realität entsprechen.

Irre ist ein starkes Wort. Genauso wie geisteskrank oder psychisch gestört. Wenn wir uns mal vor Augen führen, dass das für jeden, der an einer psychischen Erkrankung leidet (und sei es "nur" eine Depression), so ist ein großer Teil aller Menschen geisteskrank. Klingt natürlich absolut bizarr.

Aber weg von den Begriffen. Da einem Klinikaufenthalt bei psychischen Erkrankungen meist eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung oder eine besondere Schwere der Erkrankung zugrunde liegt, wird dort wie in Krankenhäusern für körperliche Erkrankungen eigentlich fast immer medikamentös behandelt. Eine Medikation bringt schlichtweg meist viel schneller eine Verbesserung mit sich als eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie. Psychotherapien sind meist eher für Menschen angebracht, die noch ein relativ normales Leben führen können (möglicherweise auch parallel zu einer medikamentösen Therapie) und dann eben ein oder mehrmals pro Woche eine Stunde lang mit ihrem Psychotherapeuten sprechen. Aber sie dauern leider auch relativ lang, monate- bis jahrelange Psychotherapien sind keine Seltenheit. Und da man Patienten in einer Klinik nicht unbedingt zumuten will, über Monate oder Jahre im Krankenhaus bleiben zu müssen, wird eben dort meistens zu Medikamenten (Antidepressiva) gegriffen, da dauert es ein paar Wochen, bis sie anschlagen und helfen.

 Aber die Behauptung, dass Patienten in einer Psychiatrie schlecht behandelt werden, stimmt nicht. Gerade im psychiatrischen Bereich sind diverse Begriffe leider extrem vorurteilbehaftet - ich meine, an was denkst Du, wenn Du das Wort "psychiatrische Anstalt" hörst? An was bei "Klinik" oder "Krankenhaus"?

Die mit den Wörter in Verbindung gebrachten Bilder und Gefühle sind meistens schlecht - grundlos. Eine Psychiatrie ist nichts Schlimmes, dort wird man nicht sein Leben lang eingesperrt und angekettet, nein, einfach nein. Aber bis diese Klischees und Vorurteile beseitigt sind, wird noch viel Zeit vergehen.

Ich wünsche Dir und Deiner Freundin alles Gute.

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Dort hat man einen geregelten Tagesablauf.
Es wird gemeinsam gegessen und man soll sich mit seinen Mitpatienten beschäftigen. Auf einem Plan kann man sein Therapieprogramm ablesen,
dazu gehört Ergotherapie, Kunsttherapie, Einzeltherapie und evt. auch Skillsgruppe (Alternativ Handlungen). Der Pflege und Erziehungsdienst unterstützt einen bei Fragen und Problemen. Es ist wie ein normales Krankenhaus, nur das man nicht Körperlich sondern Seelisch erkrankt ist.
Solltest du noch weitere Fragen dazu haben, dann kannst du mich gerne anschreiben.

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Hallo janalein,

in der Psychiatrie hat sich in den vergangenen 150 Jahren sehr viel geändert, nur die Allgemeinbevölkerung weiß davon in aller Regel noch nichts und hält psychisch kranke Menschen für irre. Nur in der Bevölkerung sind die Vorurteile noch groß.

In Fachkreisen weiß man Heute, dass nur bei einem respektvollen Umgang miteinander überhaupt die Möglichkeit besteht, dass sich die Patienten öffnen und ein Gespräch eingeleitet werden kann. Dieser Einstellungswandel ist großen Therapeuten wie Eric Berne und Paul Watzlawick zu verdanken, die durch einen menschlichen Umgang mit den patienten herausfanden, dass bei allen Problemen im Umgang, doch irgendwie ein vernünftiger Umgang möglich ist. Das ist gerade bei suizidalen Patienten äußerst wichtig. Problematisch bleibt halt, dass diese Patienten oft in einer geschlossenen Abteilung zumindest zeitweise untergebracht werden müssen, und allein dieses einschließen, das ja zu ihrem eigenen Schutz erfolgt, kann eine psychische Belastung nicht ausgeschlossen werden.

Du wirst den Begriff "Irrer" von den psychiatrischen Fachkräften auch nie hören, denn bei allen Fehlverhalten und Merkwürdigkeiten werden die Patienten dort doch als Patienten und Menschen gesehen. Wie geschrieben, die Vorurteile sind in der Allgemeinbevölkerung deshalb größer, weil die Allgemeinbevölkerung sich mit der Thematik nicht befasst und so eine Änderung der Scihtweise nur sehr langsam erfolgt. Du kannst dies daran erkennen, dass die meisten Menschen ihre psychischen Probleme verschweigen, gerade weil die Vorurteile so groß sind. Es ist nur ein geringer Teil, und davon auch wieder ein Großteil der gar nicht in Behandlung ist, die ihre Psychischen Probleme wie eine Trophäe vor sich hertragen. Menschen die zum Heilpraktiker für Psychotherapie gehen werden in aller Regel auch falsch behandelt und können so viel offener über ihre Probleme sprechen, weil sie eben nicht in die klassischen Behandlungsschiene der psychischen Probleme gehen und sich so als Ausnahmen sehen.

Ich denke, wenn die ersten Untersuchungen gelaufen sind und die dort Deine Freundin ein wenig kennen, dann wirst Du sie auch besuchen können, und Dir selbst ein Bild machen können. Was natürlich bleibt, und das lässt sich nicht ändern, ist einfach dieses eingeschlossen sein. Bei allen Versuchen, die Leute zu beschäftigen und für Dinge zu interessieren bleibt doch eine gewisse Tristesse und Langeweile, für die das Personal nichts kann und dies auch nicht ändern kann. Aber gerade das wissen die Fachkräfte und sie versuchen dies durch einen besonders menschlichen Umgang zu kompensieren. Jedenfalls in einer gut geführten Einrichtung. Dort ist bekannt, wie wichtig es für eine Genesung ist, dass die Patienten ein gewisses Nieveau an wohlfühlen erreichen, und bei allen Belastungen tun sie ihr Möglichstes.

LG

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Liebe janalein0,

eine Psychatrie ist ein Teilbereich eines Krankenhauses. Oftmals zumindest. Heißt, dass es dort erst einmal um die gesundheitliche Versorgung des/der Patentin geht. Dementsprechend ist man nicht "Irre", sondern krank. Dann geht es um die Versorgung. In vielen Psychatrien wird medikamentös behandelt, was ich persönlich nicht so befürworte, aber das steht auf einem anderen Blatt. Zudem sieht/hört man in Psychatrien echt krasse Fälle. :-( Ich bin aus solchen Stationen oftmals traumatisierter wieder heraus gekommen, als ich hinein gegangen bin. Besser ist, wenn Deine Freundin einen Platz in einer psychosomatischen Einrichtung/Station bekommen würde. Dort geht man mittels Therapieplan, Ergotherapien etc. speziell auf die Erkrankung und Probleme der Patient*innen ein.

Alles Liebe und viel Kraft Euch beiden!


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Da wird keiner wie ein Irrer behandelt, sondern wie ein ganz normaler Mensch.

Es gibt Frühstück, Mittag- und Abendessen, dazwischen in diesem Fall wohl viele Gespräche. Dann werden meist irgendwelche Sachen angeboten, wie malen oder töpfern oder ......

Dann gibt es meist auch Sportgruppen, die verschiedene Sportarten machen, wie laufen oder Gymnastik oder ....

Also keine Sorge, es passiert nichts schlimmes dort. Möglich, dass am Anfang keine Besuche stattfinden dürfen, aber nach einiger Zeit dann schon.

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Kommentar von Camomilla
11.07.2017, 23:11

Das war aber keine Psychatrie! Dort gibt es keine Gespräche! Ich war schon in einigen - deutschlandweit - und habe noch nirgends Gesprächstherapien in einer Psychatrie erlebt...Psychosomatik ist ne ganz andere Kiste. Aber die wirkliche Psychatrie sieht anders aus!!!

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Kommentar von NetzBeratung
11.07.2017, 23:51

"dazwischen in diesem Fall wohl viele Gespräche."

Eine Stunde pro Woche "viele Gespräche" zu nennen, interessante Sichtweise.

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In einer Psychiatrie möchte man, dass es den Menschen möglichst gut geht und sie möglichst wieder ohne solche Suizidgedanken entlassen werden können.

Man möchte den Menschen helfen - und so behandelt man sie auch.

Die Psychiatrie ist nicht der Gegner Deiner Freundin, sondern ihr Verbündeter. Und auch Dein Verbündeter, damit Du Deine Freundin nicht durch einen Suizid verlierst.

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Heutzutage wird man in Psychiatrien meistens wie ein normaler Mensch mit einem bestimmten Problem behandelt. Das Problem, weshalb man in der Psychiatrie ist, wird natürlich gebührend beackert. Man will dir meistens sehr professionel helfen mit der Sache gut zurechtzukomnen. Ein Aufenthalt in der Psychiatrie ist selten Ferien puur. Da wird man echt gefordert! 

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tatsächlich wird man in vielen Psychiatrien heute eher wie ein Kunde behandelt. vieles entscheidet der Patient selbst. und viele sind schon nach 2 WOchen wieder raus

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Nein natürlich nicht und vor allem nicht bei Suizid gefährdet Patienten.
Hier in Deutschland gibt es strenge Vorschriften an die sich alle Kliniken und Psychiatrien halten müssen.

Ich hoffe das deine Freundin bald wieder gesund wird.

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Wie jeder andere Mensch auch.

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Kommentar von Barney123
13.07.2017, 08:57

Hallo Midnight,

viele Menschen kommen in die Psychiatrie, weil sie eben nicht wie Menschen behandelt wurden, und das dann zum Ersten Mal in der Psychiatrie erleben

LG

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