Wie wird in 50 Jahren gesprochen?

70 Antworten

Ich sehe den Trend, dass zur Zeit immer öfter das artikellose Hauptwort für Instututionen verwendet wird

"Es wird Zeit, dass Schule besser finanziert wird"

"heute ist die Wirkung von Kirche reduziert"

"Das ist die oberste Aufgabe von Verfassungssschutz und Staat,"

Möglicherweise geht dieser Trend weiter.

Generell werden wohl immer mehr Fehler bei Artikeln und beim Dativ gemacht, daher glaube ich, dass erst der Genitiv noch weiter zurückgedrängt wird, irgendwann auch der Dativ (in 50 Jahren vielleicht erst in Ansätzen - vielleicht noch nicht gleich "ich höre ihn zu", aber schon, dass "außer ihm" ersetzt wird durch "bis auf ihn" oder so.)

Generell glaube ich auch, dass man öfter Artikel weglässt und sich mehr an bisher falschen, vom Englischen, Russischen und Türkischen beeinflussten Formen in die Allgemeinsprache einschleicht. So wie heute schon "Wir werden das in 2020 umsetzen" statt "wir werden das 2020 umsetzen" oder "noch im Jahr 2020 umsetzen"

Rechtschreibung wird wohl immer weniger beachtet werden, vielleicht gehen auch Wortspiele, die typische Autokorrektur-Fehler sind, in den Schatz der Redewendungen ein.

Ziemlich sicher werden irgendwelche Modewörter entstehen,die aus der Jugend- oder Internet-Sprache in die Alltagssprache übergehen.

Vielleicht nimmt auch der Anteil derer zu, die das Binnen-I sprechen also "Unsere Beamt(---Pause---)Innen ...."

Aber es ist eine spannende Sache, das zu beobachten, was sich ändert.

Danke für die Frage :-)

Was du geschrieben hast, finde ich sehr interessant.

Es müssen aber nicht alle Entwicklungen diesen geraden Weg gehen. Manche Ausdrucksweise ist auch nur eine Modeerscheinung und vergeht wieder.

Beim Lesen alter Texte (aus der Zeit vor 1960) ist mir aufgefallen, dass früher das Wort "nach" oft als Richtungsangabe verwendet wurde, obwohl ein bestimmter Artikel folgte. Man sagte also: "Wir gehen nach dem Zoo." Oder auch: "Wir fahren nach der Schweiz." Heute wird einer schief angesehen, wenn er so spricht.

Daran kann man erkennen, wie sich die Sprache innerhalb von 50 Jahren wandeln kann.

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@Ju202

DankeFür deinen Hinweis. Ja das stimmt. Das Problem mit Vorhersagen ist, dass man totale Neuentwicklungen nicht erkennen kann und jeder Trend auch aufhören und sich umdrehen kann, aber wohl kaum vorhersagbar ist welche Gegentrends und Moden entstehen.
dein Beispiel finde ich sehr gut für etwas das sich nicht fortsetzt

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@Ju202

Heute würden viele Leute leider eher ""Wir gehen Zoo." oder "Wir fahren Schweiz." sagen.

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@Ju202

Ich dachte auch immer das sind spezielle Subkultur-Jugendliche, die Bro und Alder sagen aber neulich hab ich diese Worte bei welchen gehört, die sehr „gescheit“ gesprochen haben und auch Elegant aussahen, aber diese Worte waren immer wieder eingeschoben als Ersatz für namentlicher Anrede

klang irgendwie komisch für mich

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Ich denke, die einzelnen Nationalsprachen werden Bestand haben. Es wird Branchen geben, wo bestimmte Sprachen vorrangig gesprochen werden (gibt es ja schon in Anfängen, wie z. B. Finanzwesen, Justiz, Mode), je nach Aktivität der einzelnen Länder, z. B. in Literatur und Kunst, werden bestimmte Sprachen zu bestimmten Ereignissen als gemeinschaftliche Verständigungsbasis genutzt werden (bspw. Arabisch bei internationalen muslimischen Veranstaltungen) usw.

Beängstigend ist etwas anderes: der zunehmende Verfall einer gewissen Kultur und eines professionellen Plis in der Sprache. Wenn ich den einen oder anderen sprachlichen Fauxpas der Journalisten in den täglichen Medien sehe und höre, die ja auch die Aufgabe haben, die Sprache zu pflegen, dann wird mir einfach nur schlecht!

Dieser Spiegel-Artikel ist mehr als 70 Jahre alt: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41124001.html. Die Sprache unterscheidet sich aber nicht viel von der heutigen.

Ich nehme an, daß das in 50 Jahren nicht viel anders sein wird. Ein paar Wörter wer­den aus der Mode fallen (insbesondere wegen political correctness), ein paar neue Fremd­wörter wer­den ein paar alte Fremdwörter ersetzen, und durch den technischen Fort­schritt wer­den viele Neologismen gebildet werden. Aber viel mehr wird nicht pas­sie­­ren, Deutsch wird immer noch vier Fälle und viele starke Verben haben, intransitive Verben werden immer noch kein Passiv bilden können, und das Verb wird mit dem Sub­jekt im Numerus (und in der Person) übereingestimmt werden.

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Hier wurde ein Kommentar von mir gelöscht. Ich wies darauf hin, dass dies ein erfreulich sachlicher Beitrag sein, anders als manch anderer Beitrag auf dieser Seite.

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Als einer, der sich hobbymäßig ganz gut mit Sprachwissenschaften auskennt, kann ich dir dazu einiges sagen.

  • Demo Dative seine männliche e-Endung wird wohl komplett aussterben. Bei weiblichen Formen hat er dies bereits getan ("auf Erden", "von Marien")
  • Klassische Mundart verschwindet vollständig, "Regiolekte" oder "Neolekte" werden überwiegen, sprich man spricht Hochdeutsch, hört aber nur den groben Raum heraus. Die Vielfalt, mundartspezifischen Wörter und Wendungen werden komplett schwinden
  • Je isolierter und kleiner ein Volk ist, desto formenreicher seine Sprache (etwa Baskisch oder Finnisch). Fälle und Wortbeugung generell werden weiter zurückgehen, dafür der Wortschatz anwachsen - überwiegend aus anderen Sprachen (wie im Englischen). Deo, Handy, Ghosting, Mobbing... das ist sprachlicher Wildwuchs, aber der natürliche Lauf der Dinge. Man darf nicht vergessen: das Indogermanische hatte drei Zahlen und neun Fälle, heutiges Deutsch "noch" zwei Zahlen und vier Fälle, Niederländisch/Englisch beides fast gar nicht mehr.
  • Es entstehen wohl eher Soziolekte in Städten ("Isch f*ck disch", "Lass Dönah Alda"). Das hängt auch mit der gescheiterten Zuwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte zusammen.
  • Starke Stammformen verschwinden zusehends: gestaken, gesogen, gewandt, gesotten, buk...

Den Untergang klassischen Deutschs werden wir wohl nicht mehr erleben, wohl aber eine immer weitere Verschleifung und Überfremdung unserer Sprache.

Vielleicht sogar noch mehr Hochdeutsch als jetzt. Ich habe das Gefühl das "Früher", also in meinem Fall so 40-50 Jahre her wesentlich mehr Dialekt gesprochen wurde und es auch vielfältiger war. Teilweise auch wesentlich "heftiger" war der Dialekt und damit schwerer zu verstehen für "fremde". Selbst ich konnte oftmals ältere Frauen in einer anderen Region kaum verstehen was mir heute wirklich kaum mehr vorkommt.

Dialekte verschwinden, weil die Menschen häufiger und weiter umziehen. In Dialektgebiete ziehen immer mehr Menschen aus anderen Regionen, die des Dialekts nicht mächtig sind. Diese sprechen zwangsläufig einigermaßen Hochdeutsch (da ihr Heimatdialekt in der Fremde nicht so ankommt) und "zwingen" die Einheimischen, ebenfalls Hochdeutsch zu sprechen.

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@spelman

Ja. Da hast Du sicher recht. Ich habe im Ausland auch eher gelernt Hochdeutsch zu reden. Schade um die Sprache undyKultur die damit verloren geht.

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@Bearman1974

weltweit sind über 3.000 Sprachen vom Aussterben bedroht. Zudem ist Kultur noch nie eine feststehende Größe gewesen. Die ist ständigen Wandlungen unterworfen.

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@spelman

Das dürfte sehr zutreffend sein! Ich wohne etwa 40 km vom Zentrum des Erzgebirgskreises entfernt und kann oft selbst ein im Regionalfernsehen gesprochenes Interview eines Erzgebirgers schlecht verstehen. Ein hochdeutsch sprechender aus einer anderen Gegend versteht dann gar nichts mehr.

Interessant ist auch, dass Mädchen/ junge Frauen sich sehr große Mühe geben, das Erzgebirgsdialekt zu überwinden, während Jungs/ Männer eher noch stolz sind, wenn man sie nicht versteht. Und wer berufliche Perspektive im Vordergrund sieht, muss einfach ein gutes Hochdeutsch neben Englisch beherrschen.

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@spelman

Es gibt ja auch eine einheitliche dialektlose Sprache, die jeder in der Schule erlernt. Diese können dann alle Menschen z.B. die der deutschen, norwegischen oder niederländischen Sprache mächtig sind, verstehen. Würde es jetzt in Hamburg eine komplett andere deutsche Sprache geben, als in Bremen und keine einheitliche Deutsche Sprache, dann sind sich beide Stadtstaaten total fremd und im Verständnis total hilflos, da sie ja eine einheitliche Sprache für alle nicht verstehen können, da sie diese nicht erlernt haben. Wäre schrecklich oder?

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@gertraude2

Ich finde man sollte stolz darauf sein und die Regionalität zum Ausdruck bringen. Ich spreche leider Hochdeutsch bzw. Honoratoren-Schwäbisch.

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@Bearman1974

Zwei Sprachen sollte man können also hierzulande Hochdeutsch (Standardsprache und das was meist nur wir also auch ich in Berlin/Brandenburg kennen/können sollten). Gäbe es das Hochheutsch nicht und ich wäre als Berliner in Bayern also um München rum und noch weiter an Österreich ran, kapier ich überhaupt nichts mehr, was die da sprechen. Also kann man sich da auf Hochdeutsch unterhalten, wenn zwei Menschen sich aus so unterschiedlichen Regionen begegnen. Englisch zähle ich jetzt nicht mit dazu, da sie ja eine Weltsprache ist und wichtig überall ist um sich auf Handelswegen usw... zu verständigen.

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@Rox84

Ach das sehe ich nicht so eng. Aber tatsächlich müssen wir heutzutage mehr mit "Aussenstehenden" kommunizieren als früher. Daher stirbt der Dialekt ja auch aus. Er bringt mir ja nichts, Hochdeutsch, Englisch, Französisch viel mehr.

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@TaiFei

Man ist ja auch der Meinung das Isländisch und Färöisch eine aussterbende Sprache ist und ich finde es es bei den zwei verwandten Sprachen nicht das sie vom aussterben bedroht sind, da kaum oder null einflüsse von außen auf die beiden Sprachen Einfluss nehmen, also isolierte Sprachen sind. gibt es neue Dinge auf dieser Welt, so suchen sie aus ihrer Sprache nach neuen Wortern und übernehmen sie nicht. Im Isländischen ist es z.B. so, da es vor Jahrhunderten noch das Z gab das aber dem S zum verwechseln ähnlich klang, hat man diesen Buchstaben weggelassen und somit wird Pizza dort Pítsa geschrieben und wird identisch so ausgesprochen. Pizza heißt in ihrer Sprache > flatur (flach) + baka (backen) also zusammengeschrieben flatbaka. Ich find es schon das die Isländer so viel Wert auf ihre Sprache legen und habe ich einmal diese Sprache gelernt und kann sie auch verstehen, dann kommen solche Worter auch besser, da man sie gleich verstehen kann. Schlimm ist es das es viele Worter im Deutschen mit drin sind, die ich nicht mal mehr vom Sinn verstehe. Wäre ich Isländer bzw. dem Isländischen mächtig, könnte ich die Manuskripte der Wikinger aus dem 12. Jhd. problemlos verstehen, da die Sprache seit 1000 Jahren homogen geblieben ist. Deutsch hat sich ja im Mittelalter, in der Renaissance, im Barock, in der Klassik, in der Romantik und sogar bis in der Moderne immer wieder verändert. Ich kenne keine Sprache der Welt, in der es so viele Veränderungen gab wie bei uns. Die Englische Sprache bräuchtest du dagegen überhaupt null zu verändern bzw. für Ausländer verständlich machen, da sie viel leichter, sogar leicht zu erlernen ist, als im Gegensatz zur Deutschen Sprache. Ich als Deutscher kann das sagen, auch wenn ich in dieser Spräche mächtig bin, das unsere Sprache schwer zu erlernen ist.

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