Wie wird ein Burn Out Syndrom behandelt?

3 Antworten

Wie bei allen komplexen Erkrankungen gibt es auch im Fall Burn-Out bislang keine Erfahrungs-wissenschaftlich gesicherten Befunde. Deshalb bevorzuge ich in solchen Fällen, den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Damit ist zu beobachten, dass Burn-Out immer mit einer Sinnkrise einhergeht. Der Mensch muss sozusagen neu aufgebaut werden, weil irgendetwas passiert ist, das ihm sein bisheriges Tun sinnlos erscheinen lässt. Gute Worte helfen da wenig; ein guter Freund vielleicht schon eher! Wichtig ist bei allen Maßnahmen jedoch, dass deduktiv vorgegangen wird (deduktiv = selbst zu Erkenntnissen kommen lassen). Induktiv oder sogar manipulativ arbeitende Psychologen sind unbedingt zu vermeiden, denn damit beginnt bloß eine unendliche Geschichte! Deduktiv bedeutet für Bewegungstraining zum Beispiel, dass nicht induktiv ein Trainingsprogramm verordnet wird, sondern dass "am Beispiel von Bewegung" Lebenskraft, -mut, -freude vermittelt wird.

Ich denke, dass er erst mal "ruhig gestellt" wird. Dies wird zumeist mit Medikamenten gemacht, damit er "zur Ruhe" kommt. In einer Spezialklinik bekäme er dann eine Gesprächstherapie, und wenn es eine gute ist, kann man dort ergründen, welche Gründe zum burn out führten. Das Burn Out Syndrom wird bestenfalls mit Gesprächtherapien/Ablenkungstherapien behandelt, also eine Psychotherapie. Man sollte, bei einem stressigen Beruf oder Stress in der Familie, als Nahrungsergänzung Coenzym Q10 zu sich nehmen. Dies beugt dem Burn Out Syndrom vor. Menschen, die ein Burn Out bereits haben, sollten täglich eine bis zwei Kapseln Q10 zu sich nehmen.... (bis 200mg täglich)

Zur Therapie des Burnout-Syndroms gibt es trotz zahlreicher Einzelhinweise bisher kaum gesichertes Wissen. Am effektivsten ist und bleibt eine individuell angepasste Behandlung. Was bietet sich dabei an?

  • Als erstes gilt es - wenn auch verspätet - die psychohygienischen Selbstbehandlungmöglichkeiten zu nutzen, die natürlich am besten als präventive Maßnahmen im Vorfeld eines beginnenden Beschwerdebildes greifen. Sie sind nie umsonst, nicht als Vorbeugung, nicht im Rahmen eines schließlich nötig werdenden Gesamtbehandlungsplanes.

  • Die Psychotherapie, also die Behandlung mit psychologischen Mitteln durch Psychiater, Nervenarzt oder Psychologen mit psychotherapeutischer Ausbildung dürfte allerdings nur selten zustande kommen. Etwas anderes sind verhaltenstherapeutisch orientierte Empfehlungen, die in jedem Falle weiterhelfen. Dazu gehören z. B. die Umverteilung der Energien vom Aufgaben- auf den Freizeitbereich (der bisher vernachlässigt wurde), vor allem aber Zeitplanung (Tages- und Wochenpläne) mit genauer Aufteilung von aktiven und passiven Freizeitphasen, die dann auch wirklich eingehalten werden. Und das bereits mehrfach erwähnte Erlernen und konsequente Anwenden eines Entspannungstrainings (z. B. Autogenes Training, Yoga). Dazu müssen die zugrundeliegenden Belastungsfaktoren bewusst gemacht werden, zumal sie verantwortlich sind für das ständig überhöhte Anspannungsniveau und die damit auf Dauer verringerte Stressresistenz.

Das gleiche gilt für den Umgang mit Frustrationen, Aggressionen oder gar selbstschädigenden Verhaltensweisen (vom Kaffee-, Nikotin- und Alkoholmissbrauch bis zur sportlichen Überforderung oder gar Risiko-Sportart als überkompensatorische Selbstbestätigung). Dabei müssen genaue Pläne mit Verhaltensweisen erarbeitet und konstruktive Selbstinstruktionen (z. B. auch "Notfall-Instruktionen") festgelegt werden. Wichtig ist auch das exakte Erfassen von Schlüsselreizen (was geschieht, wenn ...). Sobald sich derlei abzeichnet, muss der Patient umgehend entsprechend reagieren, und zwar anhand eines genauen Interventionsplanes, z. B. mit Entspannungsübungen, Aus-Zeit nehmen usw.

Gegen eine Rückfallgefahr, insbesondere was die konstruktive Freizeitgestaltung anbelangt, wird eine individuelle Checkliste mit den Warnsymptomen und entsprechenden Verhaltensstrategien erstellt. Das alles muß regelmäßig durchgegangen und ggf. wiederholt und damit verstärkt werden. Eine Burnout-Therapie ist nicht nur eine vorübergehende Intervention, sondern eine Langzeitanstrengung. Das Therapieziel ist die generelle Veränderung der Lebensgewohnheiten und eine Veränderung der Selbsteinschätzung.

  • Die soziotherapeutischen Unterstützungs- und Korrekturmaßnahmen gehen z. T. schon in obigen Empfehlungen auf, ergänzt durch die ebenfalls bereits erwähnten Vorschläge für eine gesunde und geordnete Lebensführung, was vor allem die Faktoren Schlaf, Genussgifte, Erholungsbedarf, Nahrungsverhalten, körperliche Aktivität u. a. betrifft. Auch die Arbeitsplatzsituationen, die häufigste Ursache eines Burnout-Syndroms, muss natürlich diskutiert werden, einschließlich der dahinterstehenden Aspekte: zu hohe Erwartungshaltung, Überforderung, mangelhafte Unterstützung durch Vorgesetzte, Auseinandersetzungen mit Kolleginnen und Kollegen, Unzufriedenheit, Resignation und Verbitterung usw. Wichtig ist hier eine rückhaltlose Aufklärung der meist komplexen Ursachen, eine intensive Motivationsarbeit und vor allem das Gefühl des Betroffenen, vom Therapeuten verstanden und angenommen zu werden.

  • Physikalische Behandlungsmaßnahmen werden zwar akzeptiert - aber meist nicht praktiziert, zumindest nicht konsequent. Auch kosten sie natürlich Zeit. Das alles widerspricht der Wesensart und Einstellung vieler Burnout-Betroffener, die ja bekanntlich eine Neigung zur "kurzen Geduld" haben, die sich vor allem in dem Wunsch niederschlägt, möglichst rasch "wiederhergestellt" zu werden, wie ein technisches Gerät nach Wartung oder Reparatur. Das bedarf der ausführlichen Aufklärung, verbunden mit der Mahnung zu Ausdauer, Geduld und Therapietreue sowie Eigeninitiative. Neben der dosierten körperlichen Aktivität werden es vor allem Schulter- und Nackenmassage, Gymnastik, Kneippsche Anwendung, medizinische Bäder mit entsprechenden Zusätzen etc. sein.

  • Die Pharmakotherapie ist umstritten, aber nicht in ihrer Wirkung, sondern im allgemeinen Meinungsbild. Geradezu grotesk deutlich wird dies, wenn die Betroffenen besorgt oder entrüstet Arzneimittel mit Wirkung auf das Seelenleben ablehnen, insgeheim aber bereits zu Alkoholgefährdeten, Nikotinsüchtigen, Coffeinisten oder gar Drogenkonsumenten (Psychostimulanzien, Designerdrogen, Haschisch/Marihuana, Kokain usw.) geworden sind. Psychotrope Pharmaka werden zwar als "Chemie" oder "Gift" zurückgewiesen, der morgendliche Koffein-, der ganztägige Nikotinmißbrauch und der abendliche Alkoholkonsum bis zur Rauschgrenze ("Schlummertrunk", "ein Gläschen Rotwein zur Entspannung") aber gehören bereits seit Jahren dazu.

Wichtig bei den Psychopharmaka ist die ärztliche Begleitung. Das hört sich selbstverständlich an, ist es aber nicht. Nicht wenig Burnout-Betroffene neigen zu selbstherrlicher Medikation und meinen, selber am besten zu wissen, was ihnen gut tue. Das ist übrigens generell ein Teil ihres Problems, kann aber bei der medikamentösen Selbstbehandlung eine ernste Zusatzbelastung werden.

Die Vorschläge des Arztes richten sich nach dem Beschwerdebild, mehr erschöpft-resigniert oder gar deprimiert, mehr unbestimmt-ängstlich oder konkret furchtsam, mehr angespannt oder apathisch, mehr rein seelisch oder überwiegend psychosomatisch (Seelisches äußert sich körperlich) usw. In zunehmendem Maße versucht man es erst einmal mit psychotropen Pflanzenheilmitteln wie dem stimmungsstabiliserenden Johanniskraut, den beruhigenden Baldrian-, Hopfen-, Melisse-, Passionsblume-Präparaten, den angstlösenden Kava-Kava- bzw. Kavain-Substanzen usw. Ansonsten bieten sich - zeitlich begrenzt - Beruhigungs- und Schlafmittel an, eventuell niederpotente Neuroleptika und Antidepressiva.

Therapeutische Möglichkeiten des Arbeitgebers

Und schließlich seien zum Abschluss noch einige "therapeutische" Hinweise für Arbeitgeber und Vorgesetzte erwähnt. Diese werden zwar einwenden, dass sie nicht auch noch für den "Seelenfrieden", insbesondere für die psychische Stabilität und die körperliche Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zuständig seien, doch sollten sie die nachfolgenden Zeilen dennoch lesen. Sie stammen nämlich nicht aus der Feder von Ärzten und Psychologen, sondern sind Erkenntnisse ihresgleichen, vorgetragen auf einem Kongress und publiziert in einer technischen Fachzeitschrift (vdi). Denn es gibt einen betriebspsychologischen Grundsatz, der keiner Diskussion bedarf, so selbstverständlich hört er sich an:

Verantwortungsvoller Umgang mit dem Personal fördert den Erfolg eines Unternehmens.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Betriebsklima wird rauher. Dabei wird immer wieder auf folgendes hingewiesen: Explodierende Kosten und harte Wettbewerbsbedingungen fordern die Unternehmer immer mehr. Viele suchen dann Lösungsansätze in neuen Strategien, vergessen dabei aber oft den pfleglichen Umgang mit ihren Mitarbeitern. Dazu die erwähnten Kommentare, die schon nachdenklich werden lassen.

"Mit einer schlankeren Organisation wollen sich die meisten Unternehmen ihren Weg in die Zukunft ebenen. Dieser Kampf ums Überleben beeinflusst aber in zunehmendem Maße die innerbetriebliche Zusammenarbeit. So geht es zwischen den Mitarbeitern inzwischen mit immer härteren Bandagen zur Sache. Dabei muss man sich fragen: Merkt denn niemand, wie stark mit diesem Umgangsstil (und oft auch Umgangston) die Bemühungen um einen der vorderen Plätze im Markt konterkariert werden? Kommt es denn keinem in den Sinn, dass derart geistig und seelisch ausgelaugte, frustrierte Mitarbeiter und von diesen deshalb nur allzu oft düpierte Kunden alles andere als Türöffner zur Zukunft sind? Gefordert ist deshalb eine Rückkehr zu pfleglicheren innerbetrieblichen Umgangformen" (I. Nütten).

Gewarnt werden mus vor einer wachsenden innerbetrieblichen Kälte. Denn der seelisch-mentale Stressballast in Folge rüden Führungsverhalten ist ein gefährlich unterschätzter Sprengsatz an den Fundamenten der Unternehmen: Die harte innerbetriebliche Gangart macht die Mehrzahl der Mitarbeiter bereits zu angeschlagenen Kämpfern, bevor sie überhaupt mit ihrer Arbeit begonnen haben" (Th. Weegen).

"Was der Sport schon lange zeigt, gilt ohne Abstriche auch für die Wirtschaft: Siege werden in den Köpfen errungen. Erfolge sind das sichtbar gewordene Ergebnis innerer Einstellung. Wo Führung ausschließlich als Powerplay mit Menschen und Mitteln betrieben und das innere Wohlbefinden der Belegschaft als Nebensache angesehen wird, heißt das Ergebnis nicht Erfolg, sondern Krise. Mit einem derartigen desolaten Innenleben findet kein Unternehmen die richtige Antwort auf die Fragen, die das hohe Innovations- und Wettbewerbstempo ständig aufwirft" (H. Volk).

Und zum Schluss das bedenkenswerte Ergebnis einer amerikanischen Untersuchung: Eigentlich wollte man nur wissen, welche fünf US-Firmen zwischen 1972 und 1992 im Jahresdurchschnitt die höchsten Gewinne pro Aktie erzielt haben. Doch als man schließlich diese fünf Gewinner nach ihren Gemeinsamkeiten untersuchte, kam folgendes heraus: Alle verfügten weder über eine beherrschende Marktposition, noch über eine einzigartige Technologie, noch waren sie Massenproduzenten. Sie agierten auch nicht in ausgesprochenen Wachstungsmärkten oder konnten sich auf Zulieferer stützen, die dem Unternehmen besonders eng verbunden waren. Vielmehr zeigte sich nur eines:

Der entscheidende gemeinsame Erfolgsfaktor lag im pfleglichen Umgang mit dem Personal.

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/burnout.htm

Tut mir leid, mit meinen neuropsychologischen Defiziten schaffe ich es nicht, den umfangreichen Text zu verstehen, zu behalten, durchzublicken....(Ist das vielleicht die Folge von Burn out?)

0

Nicht ins Bett gehen können

Kennt ihr das, dass man nicht schlafen gehen kann, wenn einen etwas belastet?

Habe das gerade ganz übel, so, als ob man verhindern will, dass der nächste Tag zu schnell kommt.

Bräuchte eigentlich wirklich Schlaf, aber das Problem scheint immer größer zu werden, je näher ich mich dem Zubettgehen befinde.

Hat jemand Tipps dagegen?

...zur Frage

Überlastung privat und im Job?

Ich habe mir wohl zu viel zugemutet. War plötzlich wie gelähmt physisch wie psychisch. Habe mir jetzt einen kompletten Tag Ruhe gegönnt und fühle mich schon etwas agiler. Sollte ich jetzt wirklich noch damit zum Arzt gehen oder reicht es, wenn man seine Termine runterfährt? Ich habe meinen Knackpunkt erkannt und setze mir Prioritäten. Ich lebe allein und kann somit nix abgeben, meine Arbeit kann ich nicht reduzieren, dann ist der Job weg und zuwenig Geld geht gar nicht. Urlaub kann ich mir eh nicht leisten. Wem geht es ähnlich? Würde mich ein wenig trösten, mit fast 56 J. ist alles nicht mehr so easy. 😊

...zur Frage

Erzieherin mit Burn-out Syndrom nach 6 Monaten wieder da, Rückfall gefahr?

Hallo

Eine Erzieherin im KiGa meiner Tochter kommt nach 6 Monatigem Ausfall wieder in die Einrichtung und wechselt die Gruppe von einer normalen ab 3 Jahren in die U2 Gruppe (Kinder von 11 Monaten bis ca. max. 4 Jahren). Ich frage mich nun ernsthat ob das gut ist, bei einem Burn-out syndrom? Zumal sie bereits 55 Jahre oder auch etwas älter ist. Und ich weiß, dass die U2 schon im vergleich zu der normalen Gruppe "anstrengender" was das Arbeiten, Wickeln, Füttern, Schlafenlegen und allem anderen ist. Besteht da nicht die Gefahr, dass sie bald wieder ein Burn-out Syndrom erleidet????

...zur Frage

Welche Klinik bei Burn Out?

Welche Klinik ist bei der Burn Out Krankheit zu empfehlen? Bei mir kommen Depressionen und Tinnitus, sowie Schlafstörungen hinzu. Ich würde natürlich gerne eine Klinik "erwischen" in der alle Themen behandelt werden können.

...zur Frage

Krankmeldung verlängern

Guten morgen...Ich habe gerade mit der Arzthelferin von meinem Hausarzt telefoniert. Es geht darum, ich habe das Burn out Syndrom und bräuchte eine Verlängerung meiner Krankschreibung...Meine Frage nun muss ich zum Arzt rein oder stellt er die einfach aus und ich hole sie mir denn einfach raus. Er ist nämlich nur noch heute da und geht dann in den Urlaub!Ich hatte das noch nie das ich eine Krankmeldung verlängern muss...

...zur Frage

Wie ist die Anfangszeit des Studiums?

Wie ist das so, wenn man nach dem Abitur mit dem Studium beginnt. Ist es ein sehr starker Kulturschock oder ist das, was man heute teils über die "enorme Härte" des Studiums und studentische "60 Stunden Wochen mit Burnout", was man ja teils ließt, wenn man sich genauer informiert, nur Geschwafel?

PS: Ich plane, Geschichte zu studieren in Kombination mit Geographie als 2 Fach Bachelor.

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?