Wie werden Menschen Heroinsüchtig und was für Effekte hat das? (Für Schul-Projekt)?

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4 Antworten

Ich kann Dir jetzt nur meine Geschichte dazu erzählen, hat keinen allgemein gültigen Charakter.

Ich habe als junge Frau durch meinen ersten Freund angefangen, Cannabis und Haschisch zu rauchen. Später dann auch mal einen Trip ausprobiert (ich war damals so blöd, habe das gemacht, weil mir die anderen vorgeschwärmt hatten, wie toll das ist). Da das keine nachteiligen Folgen hatte und ich auch weiterhin ganz normal arbeiten ging, habe ich nach einer Weile auch ab und zu Speed und Cocain geschnupft und irgendwann kam der Tag, da wurde mir "H" zum Schnupfen angeboten. War glaub ich auf einer Party.

Das habe ich anfangs auch nur alle paar Wochen mal gekauft, ist schließlich teuer. Dann ergab es sich, dass ich mit einem GI zusammen war, der später auch bei mir einzog. Der war zu diesem Zeitpunkt schon schwer heroinabhängig. Wir hatten das also fast immer im Haus (im nachhinein frage ich mich manchmal, wie er das hinbekommen hat). Wie auch immer, eines Tages hat das Schnupfen nichts mehr gebracht und ich habe auch angefangen zu spritzen.

Das war der Anfang eines längeren Leidensweges, zumindest sehe ich das heute so. Der GI ging dann zurück in die Staaten, ich bin zuhause ausgezogen und wohnte erstmal bei meiner Schwester. Die hat mich dann mehr oder weniger aus der Wohnung rausgeschmissen, habe mir dann eine eigene Wohnung gesucht. Gearbeitet habe ich immer, aber es ging eben nur, wenn ich entsprechend H im Haus hatte.

Und dann habe ich auf der Szene jemand kennengelernt, der vom Dealen lebte. Der ist dann bei mir eingezogen. Irgendwann kam es, wie es kommen musst, er wurde verhaftet. Und dann hatte ich mehrere Entzüge, zum Teil allein zuhause, dann war ich wieder kurze Zeit clean, dann wieder was gekauft, dann zum endgültigen Entzug in eine Klinik.

Manchmal wundere ich mich, dass ich das überlebt habe. Zweimal habe ich mir aus Versehen eine Überdosis gespritzt.

Ursache sehe ich aus heutiger Sicht so: Ich war eine sehr unsichere junge Frau und wer Heroin nimmt, dem ist die Umwelt so was von egal, das kannst Du Dir nicht vorstellen. Du bist nicht mehr unsicher, Du hast keine Angst, Du fühlst Dich einfach wunderbar - aber das ist nur am Anfang so. Schon nach kurzer Zeit brauchst Du das, um überhaupt aufstehen zu können.

Es ist die Hölle, Du lebst nur noch für den Stoff.

Heroin, wenn es nicht gepantscht ist, hat keinerlei körperliche Nachwirkungen. Ich bin jetzt 57 Jahre alt, habe absolut klasse Leberwerte, keine sonstigen Erkrankungen, die damit im Zusammenhang stehen. Ich muss allerdings erwähnen, dass ich immer nur meine eigenen Kanülen verwendet habe, soweit hat mein Verstand noch funktioniert. Damals war zwar noch nicht die Rede von HIV oder Aids, aber ich wollte auch keine Hepatitis oder irgendeine Geschlechtskrankheit bekommen.

lg Lilo

Noch eine Ergänzung: Wenn ich zum Zahnarzt gehe oder operiert werden muss, muss ich das immer sagen. Normale Opiate und Schlafmittel sind für mich tabu. Ist für den Anästhesisten immer eine Herausforderung!!!


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Kommentar von deepxpalexblue
13.01.2016, 10:05

Wow... Danke. Uff. Es ist echt irgendwie sehr inspirierend zu sehen, wie du es geschafft hast, doch von der Sucht zu befreien. Ich denke, viele könnten daraus lernen.

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Ich war fast 30 Jahre Drogenabhängig und bin jetzt seit 4 Jahren clean.

Bei mir war es hauptsächlich die Neugierde, die mich dazu getrieben hat. Außerdem hat in unserer Familie einiges nicht gestimmt, was bestimmt auch mit ein Grund war, dass ich Drogen genommen habe.

Zuerst hab ich nur Haschisch konsumiert aber nach relativ kurzer Zeit (1/2 Jahr) auch schon Heroin. Die ersten 2 Male hab ich Heroin geraucht, weil ich aber keine Wirkung verspürte, hab ich dann auch gedrückt. Seitdem hab ich immer wieder intravenös konsumiert, weil die Wirkung sehr schön war.

Ich war dann sehr viele Jahre auf Heroin, bin auch straffällig geworden und war deswegen auch lange im Knast (Einbrüche). Dazu hab ich auch unzählige Entgiftungen und Therapieversuche hinter mir.

Neben dem psychischen Entzug (dass ich ständig nur an Heroin gedacht habe) hatte ich natürlich auch den körperlichen Entzug (starke Schmerzen in der Beinmuskulatur, Schweißausbrüche, Schupfen und Nießanfälle).

Zum Schluß wurde ich zu einer gerichtlichen Therapie (Paragraph 64, Maßregelvollzug) verurteilt. Weil ich dort jede Woche Urinkontrollen abgeben mußte und weil bei einem Rückfall über 3 Jahre Knast gedroht haben, bin ich clean geblieben.

Heute bin ich von der Maßregel beurlaubt und muss immer noch jede Woche Urin abgeben. Aber ich bin immer noch clean, weil ich es jetzt auch wirklich will.

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Das kann man ja auch pauschal gar nicht beantworten. Wie oder warum jemand in die Sucht abgleitet, ist doch völlig unterschiedlich. Ebenso die Wirkung der Drogen. Die hängt auch vom Typ ab, der die nimmt. Der eine kann schweben und sich wohl fühlen, der andere mit der gleichen Droge Horror-Wahnvorstellungen bekommen.

Schau dir doch den Film "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" an - oder noch besser, lese das Buch. Das ist schon so eine typische Geschichte. Zumindest wie man zu Drogen kommen kann.


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