Wie werde ich nicht mehr depressiv?

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Komplett entkommen ist praktisch unmöglich, selbst mit guter und langer Therapie kann es immer wieder Mal passieren dass man in einer depressive Phase abrutscht.

Aber man kann zumindest dafür sorgen dass diese Phasen kürzer und weniger stark werden.

Wenn du gerade in einer langen und schweren Phase bist hilft eine Therapie am besten. Wenn dir die Therapie hilft und du dich wieder besser und aktiver fühlst, dann kann ich sehr empfehlen ein Hobby anzufangen. Am besten eine bei dem du unter Menschen gehen musst (zB eine Kampfsportart oder eine Rollenspielgruppe).

Ich habe nach meiner stationären Therapie zb mit Kenjutsu angefangen. Selbst wenn es mal wieder anfing dass es mit schlechter ging, so war das Pflichtgefühl zum Sport zu müssen bei mir Immernoch stärker und durch die soziale Interaktion mit dem Meister und den anderen Schülern sowie durch die körperliche Anstrengung und das man mal alles raus lassen konnte, ging es nur nach jedem Training direkt wieder deutlich besser.

Und was natürlich auch sehr hilft: Haustiere. Jetzt keinen Fisch oder so sondern schon einen Hund oder Katzen. Die bauen eine emotionale Bindung zu dir auf und wenn es dir mal nicht gut geht können sie dich wunderbar aufmuntern ... meine Kater nehmen mich zb einfach in den Arm wenn es nötig ist.

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 - (Angst, Psyche, Liebeskummer)

Medikamente und kognitive Verhaltenstherapie sind zwei sehr effektive Mittel dafür. Das ist aber nur der Anfang.

Wenn man möchte, dass sich etwas ändert, muss man selbst etwas ändern, und zwar dauerhaft. Durch die Medikamente und Therapie wirst du einen katalytischen Effekt erleben, da du eine verbesserte Stimmung und mehr Hoffnung haben wirst. Gleichzeitig werden dir in der kognitiven Verhaltenstherapie Methoden an die Hand gebracht, wie du besser mit negativen Gedankenschleifen und Emotionen umgehen kannst.

Die wichtigsten Pfeiler für die persönlichen dauerhaften Veränderung im Leben sind:

1. Sport treiben (was auch immer dich interessiert, oder bei dem du glaubst, dass es den meisten Einfluss haben wird; ich persönlich würde Kraftsport, Kampfsport oder Ausdauersport empfehlen; hierbei werden Endorphine frei die dich glücklich machen und Stress reduzieren, du baust dich körperlich und mental auf und hast ein Ziel vor Augen)

2. Meditation (täglich selbst nur 10 Minuten zu meditieren verändert das Gehirn unter anderem dahingehend, bessere Selbstkontrolle, Emotionsregulation und eine bessere Stimmung zu haben; auch wenn man die Effekte nicht direkt wahrnimmt, so sind sie doch vorhanden; vorallem verbessert sich aber auch die Selbstreflektion, die unerlässlich ist, um zu erkennen, welche negativen Gedanken man gerade erzeugt, um effektiv dagegen arbeiten zu können)

3. Arbeiten, Ausbildung machen, studieren (an welchem Punkt auch immer du stehst und was du machen willst; wenn du schon arbeitest oder ähnliches, dann kannst du diesen Tipp ignorieren)

4. Eine geregelte Lebensroutine anlernen (Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn wir uns zwingen auf eine bestimmte Art zu leben, dann wird das irgendwann ganz natürlich. Sich eine gesunde und konstruktive Lebensroutine anzugewöhnen ist wichtig, weil wir nicht nur aus der Nahrung bestehen die wir konsumieren, sondern auch aus allen Medien, aus allen Verhaltensweisen, aus allen Denkmustern und aus allen Gewohnheiten. Diese werden über die nächsten Jahre darüber entscheiden, wer ich werde und wie ich mich fühlen werde.)

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Diese Liste kann Monate oder sogar Jahre dauern, vollständig ins Leben zu implementieren. In Angesicht der 80 Jahre die wir im Schnitt leben, ist das aber nur eine kurze Zeit.

Damit hast du aber eine gesunde Basis, auf der dein gestörtes Lebensgefühl arbeiten und sich verbessern kann. Wie eine eingegangene Pflanze die richtigen Bedingungen und einen guten Gärtner braucht, um irgendwann wieder viele Blätter und gesunde Blüten zu haben, so bist du gerade an einem Punkt, an welchem du entscheiden kannst, wie du dich auf lange Sicht verhältst, um einen besseren Zustand zu erhalten oder nicht.

"Du" ist hier das Schlüsselwort. Eigenverantwortung zu übernehmen und aktiv etwas an der Genesung tun. Es geht hier nicht um Schuld, sondern um reflektiertes Erkennen von "Ich kann mich jetzt entscheiden, anders zu leben, auch wenn das viel Arbeit erfordern wird und vermutlich nicht sofort klappen wird. Aber ich bleibe dran und bin selbst dafür verantwortlich, wie ich lebe und wie ich mich auf lange Sicht fühle.".