wie werde ich egoistischer? (gesunder egoismus)

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Ich finde, dass es gut ist, wenn man für andere etwas tut. Aber es muss aus einer Motivation heraus geschehen, die ganz allein bei dir liegt. Weil du es tun möchtest und nicht, weil es verlangt wird oder weil du glaubst, dass es verlangt wird. Hör mal in dich rein. Was sagt denn dein Bauch, wenn du dir vorstellst, wie du eine Bitte ablehnst? Wirst du dann noch geliebt? Wirst du dann noch anerkannt? Finde deine Triebkräfte ... Welche Gedanken treiben dich an, immer alles für andere zu tun? Kommst du ihnen auf die Spur, dann kannst du dich fragen, ob diese Motivation die richtige ist, oder ob du daran etwas ändern willst.

anscheinend bist du ein opfertyp. du kannst nicht nein sagen. das nutzt jeder schamlos aus. der einzige weg aus dieser situation ist: sag NEIN. auch wenn es anfangs schwerfällt. das leben besteht immer aus geben und nehmen. das gilt auch für dich, also nicht nur geben:):):)

Um deine Ängste zu verstehen, ist es hilfreich, ein bisschen über Entwicklungspsychologie zu wissen. Kleine Kinder brauchen die Liebe und Zuwendung ihrer Eltern, um überleben zu können. Nur wenn ihre Eltern sich um sie kümmern, haben sie eine Chance. Daher reagieren Kinder auf jede Ablehnung und jeden Liebesentzug instinktiv mit Todesangst. Sie werden alles tun, um die Ablehnung zu beenden und wieder "schön Wetter" zu machen. Dieses Verhalten verankert sich sehr tief in uns. Als Erwachsene haben wir es immer noch drauf. Verstoßen wir gegen unsere Verhaltensregeln, steigt wieder die Todesangst aus Kindertagen in uns auf- eines der schlimmsten Gefühle überhaupt. Aber da wir als Erwachsene wissen, dass wir nicht sterben werden, können wir diese Angst durchstehen. Sie tut weh, sie bedrängt uns, sie schnürt uns die Luft ab, aber sie tötet uns nicht. Und deshalb können wir sie aushalten. Und deshalb kannst du auch lernen, dein schlechtes Gewissen zu ertragen. Tu mal etwas, was zu einem schlechten Gefühl führt, sag z.B. einem Bekannten ab, mach eher Feierabend oder beschwer dich im Supermarkt oder bei der Bahn, wenn etwas nicht läuft, und halte das schlechte Gewissen danach aus. Du kannst das. Es kann dich nicht umbringen, denn du bist kein kleines, hilfloses Kind mehr. Du kannst es trotz Schmerz und Angst und Hilflosigkeit ertragen... und nach und nach lernen, für dich selbst da zu sein.

Hilfreich ist auch ein Gedankenspiel names the Work, entwickelt von Byron Katie. Du hast einen Gedanken "anderen Menschen sollen mich schätzen. Wenn sie mich ablehnen, (werde ich sterben) werde ich sehr leiden". Dieser Gedanke belastet dich sehr. Aber weißt du überhaupt, dass er wahr ist? Kannst du dir hundertprozentig sicher sein, dass er stimmt? Wie fühlst du dich, wenn du ihn glaubst? Und wie würdest du dich ohne ihn fühlen? Dreh den Gedanken doch mal um. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: 1. Andere Menschen sollen mich nicht schätzen. Wenn sie mich ablehnen, werde ich nicht leiden. Warum stimmt das? Einmal weil es Realität ist. Was sein soll oder nicht entscheidest ausschließlich du. Wenn der Himmel blau sein soll und er ist es nicht, geht es dir schlecht. Wenn der Himmel genauso sein soll, wie er gerade ist, weil eben auch Wolken zum Leben dazu gehören und zu viel Sonne die Erde verbrennen würde und weil das Leben schön so ist, wie es ist- dann leidest du nie, ganz egal wie der Himmel ist. Also sag doch einfach "Menschen sollen genau so sein, wie sie sind, und sich genau so verhalten, wie sie sich verhalten". Das gilt natürlich auch für dich. Das ist sehr erleichternd. Und warum stimmt, dass du nicht leiden wirst? Weil es deine Entscheidung ist. Du hast die körperliche Angst, aber du lehnst die seelische Angst ab, weil du erwachsen bist und stark und weil du diese Angst aushalten kannst und damit unbesiegbar bist! 2. Ich sollte mich schätzen. Wenn ich mich ablehne, werde ich leiden. Aha! Wer ist für dein Leid verantwortlich? Wer lässt sich pausenlos ausnutzen? Wer gibt der Angst jeden Tag nach? Kümmere dich um dich. Trotz schlechtem Gewissen: koche dir leckeres Essen, nimm ein verwöhnendes Bad, lies gute Bücher, treib Sport, beschäftige dich mit Dingen, die Spaß machen, unternimm Zeit mit Freunden, nimm dir Zeit für Entspannung (z.B. mit ruhiger Musik und einem gemütlichen Sessel und ein paar schönen Tagträumen)... auch wenn es dir ein schlechtes Gewissen bereitet, mach es einfach. Auch wenn du dafür keine Anerkennung bekommst, mach es. Auch wenn du es überflüssig findest, mach es. Dein Unterbewusstsein wird die Verwöhnung verstehen, lange bevor es auch bei dir richtig angekommen ist. Und irgendwann wird es sich auch für dich gut anfühlen. 3. Ich sollte andere Menschen schätzen. Wenn ich sie ablehne, werden sie leiden. Du hältst dich für selbstlos? Dass ich nicht lache. Du benutzt andere Menschen, um dein egoistisches Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen. Du drängst sie in die Täterrole. Indem du dich von ihnen ausnutzen lässt, machst du sie zu miesen Ausnutzern. Indem du Überstunden machst, machst du sie zu faulen Schweinen. Indem du ihnen Geld leihst, machst du sie zu Schuldigen. Indem du den Kummerkasten spielst, machst du andere zu abhängigen Problemfällen, die dich brauchen, aber dir nie etwas zurückgeben können, weil du ihnen das schöne Gefühl des "Für andere Daseins" und des Schenkes und Gebens und Tröstens nicht gewährst. Beim Versuch, selbstlos zu sein, stolperst du immer in die Egoismusfalle. Du wertest andere ab, um dich gut zu fühlen. Würdest du selbst deine Bedürfnisse erfüllen, müssten andere nicht den Sündenbock spielen. Wenn du sie um Hilfe bitten würdest, könnten sie in deiner Gegenwart die tollen Menschen sein, die sie sind und die du niemals an dich ranlässt... also sei mutig und trau dich, deine Angst, deine Bedürftigkeit und deine Verletzlichkeit auszuhalten. Es wird belohnt werden!

Byron Katie ist nicht sehr hilfreich.Habe ein Buch von ihr gelesen.Ein Mädchen wurde von ihren Vater missbraucht!Byron Katie ist der Meinung,dass der Vater das Opfer war!!!!lol

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@miss12

Nein!!! Vollkommen falsch verstanden!

Byron Katie sagt, wenn du dich als Opfer fühlst, dann wirst du leiden. Wenn du wieder glücklich werden willst, dann musst du deine Gedanken ändern.

Ich kann mir schon vorstellen, wie das Beispiel, das du gelesen hast, aussah. Wahrscheinlich war der Satz des Mädchens "Ich bin das Opfer meines Vaters". Und sie sollte den umdrehen. Also erstmal "Ich bin nicht das Opfer meines Vaters"... sie war es mal, aber sie ist es nicht mehr. Sie wird zum Zeitpunkt des Gesprächs wohl nicht mehr missbraucht worden sein, also ist sie nur noch in der Erinnerung und in ihren Gedanken ein Opfer- wenn sie lernen will, glücklich zu sein, sollte sie lernen, sich als starke Überlende und nicht als hilfloses Opfer wahrzunehmen. Zweite Umkehr wäre dann "Ich bin mein eigenes Opfer", weil sie sich durch ihre Gedanken immer wieder in diese Opferrolle begibt, vllt sogar in Gedanken immer wieder die Vergewaltigung durchlebt und damit sich einem Stress und einem Leid aussetzt, das in ihrem wahren Leben ja gar nicht mehr stattfindet. Sie macht sich also weiterhin selbst zu einem Opfer, obwohl sie das gar nicht mehr ist. Und die dritte Umkehr ist folglich "Mein Vater ist mein Opfer"... dabei geht es aber nicht darum, dass ihr Vater nicht Schuld an der Vergewaltigung ist. Das hat er getan und dafür ist er auch zur Rechenschaft zu ziehen. Aber er ist nicht verantwortlich für ihre jetzigen Gedanken. Und indem sie immer wieder aus Neue den Missbrauch in ihrem Kopf durchlebt, macht sie auch ihren Vater immer wieder aufs Neue zum Täter, obwohl er das seit Jahren schon nicht mehr ist. Das heißt, dass er nach wie vor Schuld am damaligen Missbrauch ist, aber er ist nicht Schuld daran, dass sie als erwachsene Frau immer noch leidet. Er hat Mist gebaut, aber nur sie allein kann und muss damit fertig werden. Niemand anderes kann sie glücklich machen. Das ist, auch wenn es schwer ist, ihre Aufgabe.

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@Albatroesser

Danke für die Erklärung!Es ist aber doch so,dass die Fragen so gedreht werden,als ob man an allem, was einem an Unrecht widerfährt ,selbst Schuld hat und damit fertig werden muss. Ich finde Katie's Methode nimmt Täter indirekt in Schutz:-( Manchen mag es ja helfen. Schöne Ostern :-)

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