Wie wehre ich mich effektiv gegen angeblichen Urheberrechtsverstoß auf YouTube?

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5 Antworten

Wenn du schon professionelle anwaltliche Beratung eingeholt hast, bezweifle ich leider, dass wir hier bei gutefrage noch wesentlich viel weiteres beitragen können.

Der Fall ist leider wirklich schwierig abzuschätzen, weil ja notwendige Informationen fehlen. Ohne zu wissen, ob dieser Anwalt tatsächlich den Urheber des Bilds vertritt, kann man ja keine sinnvolle Entscheidung treffen.

Hast du mal dran gedacht die Fotografen bei Fotolia anzuschreiben, und zu fragen, ob die tatsächlichen Rechte bei ihnen liegen? Wenn die dann eine Antwort schicken, kannst du ja entscheiden, ob die dir plausibel vorkommen.

Wird bei Youtube nicht normalerweise auch irgendwo angezeigt, welcher Abschnitt des Videos konkret beanstandet wird? Dann könnte man ja wenigstens auf das verwendete Bild schließen.

Um wie viele Bilder handelt es sich in dem Video überhaupt? Im Zweifelsfall musst du die halt alle einmal durch die Google-Reverse-Image-Suche jagen und schauen, ob irgendwelche davon auf Websites professioneller Fotografen auftauchen.

Was für Aussagen hast du über die Anwälte denn genau gefunden? Irgendwas konkretes, dass sich so ähnlich wie dein Fall anhört? Ansonsten könnte es nämlich sein, dass einige Abmahn-Opfer in den Foren groß herumtönen, weil sie sauer sind abgemahnt worden zu sein.

Copyfraud (also die fälschliche Beanspruchung von Urheberrechten) ist gerade bei Youtube ein riesiges Problem.

Ich verstehe aber gerade im vorliegenden Fall nicht, warum der Anwalt das Urheberrecht fälschlich beanspruchen sollte. Er hat dir keine Abmahnung geschickt und keine Werbung vor dem Video geschaltet. Er hat keinen Vorteil von der Sache.

Das spricht doch eher dafür, dass er tatsächlich einen Fotografen vertritt, dessen Bilder von Dritten unrechtmäßig auf den Bild-Portalen eingestellt wurden, und deren Weiterverbreitung er nun verhindern will.

Leider kennt das Urheberrecht ja kein Prinzip des guten Glaubens. Deswegen haftest du auch für Bildnutzungen, wenn du selbst nicht erkennen konntest, dass diese widerrechtlich zur Benutzung zur Verfügung gestellt wurden.

(Der Begriff "lizenzfrei" ist nebenbei etwas missverständlich. Denn "ohne Lizenz" (="ohne Erlaubnis") darfst du die Bilder ja gerade nicht verwenden. Treffender wäre: "frei lizenziert")

Ein gewisses Restrisiko bleibt bei Bild-Portalen leider immer. Denn mit absoluter Sicherheit kann eben niemand sagen, ob der Uploader auch wirklich die nötigen Rechte besitzt. Das gilt übrigens bei kostenlosen Bild-Börsen ebenso wie bei kostenpflichtigen.

Was immer du vorhast: Ich wünsche dir viel Erfolg dabei. Von Leuten wie dir, die Inhalte für Portale wie Youtube erstellen und damit nicht einmal Geld verdienen, lebt schließlich das Internet und seine Kultur.

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Kommentar von lareyna65
31.01.2016, 22:49

Vielen Dank, daß du dich so intensiv mit dem Problem auseinandersetzt, und für deine aufbauenden Worte. Evtl. habe ich mich in der Schilderung des Problems mißverständlich ausgedrückt: nicht der Anwalt behauptet, der Urheber des beanstandeten Bildes zu sein, sondern ein Fotograf und Mediengestalter. Dieser arbeitet jedoch oft mit besagtem Anwalt Hand in Hand, d.h. denjenigen, die (oft unwissentlich) gegen das komplizierte Urheberrecht verstoßen, flattert eine saftige Abmahnung ins Haus. Ich will hier keine Namen nennen, aber der Anwalt und auch der Fotograf/Mediengestalter werden nicht nur in Foren erwähnt, sondern ebenso auf Seiten anderer Anwälte und weiteren rechtsberatenden Seiten, wo konkrete Tipps gegeben werden und u.a. darauf hingewiesen wird, daß speziell dieser Abmahnanwalt Fantasiesummen einfordert und seine Aktionen mehr als zweifelhaft sind. Nun, ich hatte das Glück, mich nicht mit ihm auseinandersetzen zu müssen, und es wird in der Hinsicht auch nichts auf mich zukommen. Der Fotograf meldete sich inzwischen bei mir, versicherte schriftlich, daß er den Anwalt nicht einschaltet, und konnte mit dem Bild belegen, daß er tatsächlich der Urheber des Bildes ist. Ich hatte den Quellenhinweis nicht angegeben. Es handelt sich nur um ein einziges Bild. YouTube hatte sofort gelöscht, so daß ich den beanstandeten Abschnitt des Videos nicht einsehen konnte. Das Ende vom Lied: ich setzte alle Videos, fast einhundert, auf privat, denn die Sache ist mir zu heiß: noch zwei Video-Deaktivierungsaufforderungen dieser Art, und mein Account ist weg. Nachträglich schaffe ich es zeitlich nicht, alle verwendeten Bilder diesbezüglich zu checken. Vielleicht fällt mir etwas mit eigenen Kreationen ein, wo ich auf der sicheren Seite bin.

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Einfach daß er mir Aufklärung gibt, um welches Bild es geht, und seinen
Anspruch glaubhaft darlegt (wenn er letzteres überhaupt kann).

Außer einer negativen Feststellungsklage fiele mir da keine Möglichkeit ein. Mit der Klage beantragst Du festzustellen, dass der behauptete Anspruch nicht besteht. Somit kann eine gerichtliche Klärung der Rechtslage herbeigeführt werden.

Risiko: Der Gegner ist tatsächlich der Urheber und kann dies beweisen. Dann trägst Du die Kosten des Verfahrens.

Mir wäre das zu heikel. Zudem würde ich nur Bilder verwenden, a) deren Urheber ich selbst bin oder b) die ich hieb- und stichfest lizenziert habe. Alles andere ist Harakiri.

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Kommentar von lareyna65
29.01.2016, 23:23

Danke! Ja, mir wäre das auch zu heikel, und ich muß es wohl auf sich beruhen lassen.

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Erfahrung habe ich auf diesem Gebiet nicht, aber eine Idee. Wenn es keine Verpflichtung zur Offenlegung gibt, behaupte nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung, dass Du die Rechte besitzst. Dann stünde Aussage gegen Aussage. Das Prinzip der missbräuchlichen Abmahnung beruht ja auch darauf, dass ggf. gelogen wird und dass das gerichtlich nicht aufgeklärt werden kann.

Wie könnte jemand das widerlegen, dass Du das Recht am Bild erworben hast (oder gar selbst das Bild gemacht hast)? Dein Kontrahend weiß vermutlich gar nicht, wem dieses Bild gehört und hätte gar keine Möglichkeit, den Rechteinhaber ausfindig zu machen? Falls es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen sollte (was ich nicht glaube), könnte der Richter Dich nicht zwingen, Deinen Rechtsanspruch offen zu legen, ohne den anderen gleich zu behandeln.

Falls der Rechteinhaber ausfindig gemacht werden kann, weil er z.B. beim Bild Kontaktdaten hinterlassen hat, versuche Verbindung mit ihm aufzunehmen und mit ihm eine Einigung zu erzielen. Du könntest ihm auf jeden Fall mehr für ein Nutzungsrecht bieten als das Anwaltsbüro und Du kämest wenigstens billiger davon.

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Kommentar von lareyna65
31.01.2016, 23:03

Danke für deine Idee! Die Einigung mit dem Rechteinhaber, der sich nun doch gemeldet hat, ist inzwischen erfolgt, er ist tatsächlich die Person, die erklärt hatte, das Urheberrecht an dem Bild zu besitzen, und die Deaktivierung des Videos beantragt hatte. Er gab mir die schriftliche Versicherung, daß er den Abmahnanwalt nicht einschalten wird - also nochmal Glück gehabt, wenn man es so sieht.

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Es geht sehr wahrscheinlich um ein oder mehrere Bilder aus einer großen Bilderdatenbank, die als lizenzfrei angeboten wurden.

Woher weisst du, dass diese Bilder dort auch rechtmässig "angeboten" wurden? Zudem musst du bedenken, dass "Lizenzfrei" nicht bedeutet, dass es von jedermann "einfach so" verwendet werden darf! Ich warne bei vielen Fragen hier wo jemand nach "kostenlosen Bildern" sucht immer und immer wieder davor, sich einfach aus irgendwelchen dubiosen Quellen irgendwelche Bilder runter zu laden, weil man dort nie sicher sein kann dass die Bilder dort auch rechtmäßig liegen. Wenn man Bilder nutzen will sollte man sie immer ordentlich lizensieren, dann ist man auf der sicheren Seite.

Ich habe mit dem gelöschten Video nicht mal Geld verdient (kein monetarisierter Channel, keinerlei Werbung usw.),

Das tut nichts zur Sache

so daß ihm keine Einnahmen entgangen sind.

Ob du was verdienst besagt ja nicht, dass jemandem keine Gewinne entgangen sind! Wenn du für die Nutzung an den Urheber normalerweise eine Gebühr zu zahlen hättest (und das hast du wenn der Urheber das will!) dann entgeht ihm natürlich die Einnahme, wenn du nicht bezahlst sondern es einfach so verwendest! Beispiel: Wenn du heute ohne Fahrkarte im Bus fährst, dann machst du damit ja keine Einnahmen, trotzdem entgeht dem Betreiber der Gewinn, weil du nicht ordnungsgemäß für die Nutzung des Busses bezahlt hast. Wenn du nicht ordnungsgemäß für die Nutzung von Bildern bezahlt hast, dann entgehen dem Urheber natürlich auch die entsprechenden Einnahmen!

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Kommentar von lareyna65
29.01.2016, 23:28

Danke! Stimmt, das mit den entgangenen Einnahmen aufgrund der Gebühren hatte ich in der Aufregung nicht bedacht. Ansonsten: ich hielt Dreamstime, Fotolia & Co. zum damaligen Zeitpunkt nicht für dubiose Quellen.

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Kommentar von ThomasMorus
30.01.2016, 02:34

Hey Alex,

ich verstehe ja, dass du als Fotograf nochmal eine andere Perspektive auf solche Fälle hast. Aber bist du gerade nicht etwas zu streng mit lareyna65?

Gerade solche Projekte wie ein nicht monetarisierter Youtube-Kanal (wahrscheinlich noch zu einem Nischenthema) können für professionelle Fotos eben kein Budget aufwenden.

Außerdem wissen wir beide, dass "Fotos selbst schießen" und "ordentlich lizenzieren"(=bezahlen) auch nicht absolut rechtssicher sind. Auch auf kommerziellen Foto-Portalen sind Fake-Accounts unterwegs, die die Fotos von Dritten widerrechtlich verkaufen. Und beim selbst Fotos schießen kann man ohne die richtigen Kenntnisse problemlos allerhand Persönlichkeitsrechte, Markenschutzrechte, Besitzrechte oder fremde Urheberrechte verletzen.

Wenn große Magazine oder Marketing-Agenturen anfangen Bilder von Pixabay oder Splitshire zu verwenden, geschieht es denen natürlich Recht, wenn sie dann abgemahnt werden.

Aber eine kleine Youtuberin? Wer kann sich denn bitte
leisten, für sein Hobby wöchentlich 20-30 professionelle Fotos
einzukaufen?

Wenn man da nicht ein kalkuliertes Risiko mit den Bildern eingehen würde, dann könnten solche Kanäle einfach gar nicht funktionieren. Da entgeht professionellen Fotografen auch kein Umsatz. Denn die Kanäle gäbe es ohne kostenlose Bilddatenbanken einfach nicht.

Das Internet und seine Kultur leben schließlich von den Usern, die Kunstwerke, Inhalte und Wissen miteinander teilen. Hobbyfotografen, die ihre Fotos Creative Commons lizenzieren, Youtuber die Videos produzieren oder zwei Hornochsen, die kostenlos bei gutefrage Fragen zum Urheberrecht beantworten ;)

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Beim Anwalt, den ich kontaktierte, handelt es sich natürlich nicht um den Abmahnanwalt, sondern um unabhängige Beratung.

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