Wie waren normale Menschen bereit die Juden umzubringen und zu quälen?

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3 Antworten

Nun ja, die "normalen Menschen", also durchschnittlichen Bürger, haben die Juden genau genommen nicht gequält, zumindest nicht direkt. Zwar gab es in allen Bevölkerungsschichten eine recht "normale" Ablehnung der deutschen Juden, jedoch war diese Ablehnung traditionell und wirkte sich nur sehr selten in wirklichen Gewalttaten aus. Die, die die Juden tatsächlich gequält, diskriminiert, gefoltert und getötet haben, waren i.d.R. durchaus überzeugte Nazis. Beispielsweise ist die SS-Organisation maßgeblich für die Durchführung des Holocausts verantwortlich gewesen und in der SS war jeder, dass war quasi Aufnahmebedingung, überzeugter Nazi. 

Was, besonders als die Nazis an Macht gewannen, tatsächlich geschah ist, dass die Leute "weggeguckt" haben. Wenn die Nazis einen Juden auf der Straße angriffen, wenn ein jüdisches Geschäft gestürmt wurde, wenn eine Frau oder ein Mann wegen Beischlafs mit einem/einer Juden/Jüdin erwischt und danach auf offener Straße gedemütigt wurde. Die "normalen Menschen" waren ja selbst nie betroffen und haben entsprechend auch nur selten Zivilcourage an den Tag gelegt - die Juden waren dem "normalen Menschen" ja "sowieso immer suspekt". Man tröstete sich damit, dass das "alles schon so seine Richtigkeit hat" oder "gar nicht so schlimm ist".

Und ehe man sich versah, waren kurz vor 1933 (also vor Machtergreifung) kaum noch Juden auf deutschen Straßen zu sehen, wenn doch, dann markiert mit einem sog. "Judenstern". Oftmals hört man davon, dass die damalige Bevölkerung von Dingen wie KZs und VZs nichts gewusst hätte, aber auch hier kann man sicher sein, dass dies nur aus Selbstschutz behauptet wird, um sich nicht der Wahrheit stellen zu müssen.

Der Bevölkerung war wohl nie ganz klar was im Detail mit den Juden geschah, jedoch war die Einstellung der Nazis gegenüber Juden kein Geheimnis und allein von der Rhetorik her, ist offensichtlich worauf die Judenverfolgung hinauslaufen würde. 

Letztendlich war die Bevölkerung am eigentlichen "Quälen" nicht beteiligt, aber hat sich auch nie dagegen gewehrt. Die jüdischen Deutschen waren durch jahrhundertelangen alltäglichen Rassismus i.d.R. recht abstinent zur Restbevölkerung, noch dazu gab es mit rund 600.000 - 800.000 genau genommen kaum Juden in der Weimarer Republik (zum Vergleich heute gibt es rund 100.000 Deutsche jüdischen Glaubens). Überhaupt einen persönlich zu kennen war nicht unbedingt der Regelfall. Somit war es auch einfach die Bevölkerung von den "Gräueltaten" der Juden zu überzeugen, indem man permanente Hetze und Propaganda betrieb - die Menschen kannten nicht mal unbedingt einen jüdischen Mitbürger, weswegen sie auch keine emotionale Nähe kannten und somit sehr leicht der Propaganda verfielen. 

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Das ist eine sehr interessante Frage. z.B. beschreibt Goldhagen in seinem Buch "Hitlers willige Vollstrecker", wie eine Musikgruppe bei einer Massen-Exekution anwesend war und fragte, ob sie "auch mal probieren" dürften... d.h. wenn das töten als "normal" und "richtig" gilt, gibt es nicht wenige Menschen, die es gerne machen.

Die Entmenschlichungskampagnen der Nazis gegen die Juden scheinen mir auch ein wichtiger Faktor gewesen zu sein.

Ich empfehle dir zu dem Thema auch die Interviews im Film Shoah von claude Lanzman, insbesondere mit Franz Suchomel (Kz-Wächter) und mit dem Stellvertretreter des Kommandeurs des ghettos von Warschau, Franz Graesler... (die filme kannst du auf youtube finden)

Andere interessante Frage: warum sind sie nach dem Krieg wieder "wohlanständige" Bürger geworden und haben dann niemanden mehr ermordet? Morden scheint eben auch eine Frage der Gelegenheit zu sein.

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sie wurden 1. dazu aufgestachelt, es wurde ihnen gesagt es sei richtig und 2. sie wurden dafür bezahlt, 3. ich glaube viele bekamen schon psychische Probleme (ein kleiner Vergleich: Metzger)

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