Wie war es in den 50er Jahren mit Parnterschaft und Sexualität?

3 Antworten

Einen konkreten URL kann ich dir zwar nicht geben, aber googel mal nach Sexualmoral Adenauer.

Damals, in der Adenauer-Ära, waren Partnerschaft & Sexualität ziemlich anders.

Klar, Menschen hatten auch Sex. =;-) Aber: Sex hatte in der Ehe stattzufinden. Wer unverheirateten Paaren ein Zimmer vermietete, machte sich ggf. der "Kuppelei" strafbar. "Damen-/Herren-Besuche" bei Unverheirateten nach 22 Uhr fielen wohl auch darunter, boten aber auf jeden Fall Anlass, über "verdorbene Frauen" zu tratschen.

Uneheliche Kinder waren eine Schande (für die Frau, wie für die Familie). Diese Kinder nannte man, zumindest flüsternd, "Bast*rde".

Frauen hatten also gefälligst zu heiraten, Kinder zu kriegen, und diese, den Ehemann und den Haushalt zu versorgen, während der Mann berufstätig war (und sich nicht um Kinder und Haushalt gekümmert hat).

Dazu passte auch, dass Frauen nicht gleichberechtigt waren. Nicht nur, weil Ehefrauen üblicherweise finanziell abhängig war vom Ehemann. Sie brauchte seine ausdrückliche Erlaubnis, um eine Arbeit annehmen, oder ein eigenes Konto eröffnen zu können (für den Führerschein - "Frauen am Steuer? Unerhört!" - brauchten sie wohl auch eine Erlaubnis, aber da bin ich mir nicht sicher). Wenn der Mann umzog, hatte die Ehefrau widerspruchlos zu folgen. Wenn der Ehemann seine Frau vergewaltigte, dann nahm er sich nur das Recht auf die "eheliche Pflicht" (das wurde sogar erst zur Jahrtausendwende geändert!). Ehen konnten nicht ohne weiteres geschieden werden. Der Mann war quasi der Herrscher über Frau und Kind (selbstredend gab es noch die Prügelstrafe, und das Erziehungsrecht der Eltern, sah als Ziel nicht wie heute das "Kindeswohl" vor, sondern den absoluten Gehorsam des Kindes. Heute ist die Scheidungsrate (das Wort gab es damals noch gar nicht) um ein vielfaches höher. Nicht weil Scheidung so toll ist, sondern weil es damals nicht üblich war - bis dass der Tod euch scheidet hatte noch Bedeutung, ebenso wie die Kirche, die noch als die moralische Instanz angesehen wurde. Und das bedeutet: Sex nur in der Ehe zum Kinderkriegen. Und wenn sich die Partner auseinandergelebt hatten oder gar hassten? Pech gehabt.

Vermeintlich "abweichendes" Sexualverhalten wurde nicht toleriert. Egal ob z.B. F*tischsex, SM, Gruppensex, Partnertausch, und, selbstverständlich auch gleichgeschlechtlicher Sex. Homosexualität war schlicht strafbar. Wer erwischt wurde, kam ins Zuchthaus (so hießen damals die Gefängnisse - und das hört sich nicht nur schlimmer an ^^). Überhaupt hielt man Homosexualität noch für eine (Geistes-)Krankheit!

Dass Frauen sexuelle Lust haben, war weitgehend unbekannt. Wie Sexualität "funktioniert" ebenfalls. Auch Kinder hatten keine Sexualität (zu haben). "Auffällige" Kinder kamen im Zweifel in ein Erziehungsheim (vorzugsweise ein kirchliches). Und da Sexualität tabuisiert und nicht offen darüber gesprochen wurde, wurde eben geschwiegen. Partner redeten nicht miteinander über ihre sexuellen Bedürfnisse, und darüber, dass der Jugendleiter oder der Priester ein mehr als übliches Interesse an ihren Schützlingen hatte, wurde nicht thematisiert (weil man nicht "darüber" spricht).

Das wurde erst anders mit den Forschungen des ersten modernen Sexualwissenschaftlers Kinsey in den 40er/50er Jahren in den USA, sowie hier dann mit der 68er-Bewegung und der folgenden sexuellen Revolution mit den Aufklärungsartikeln und Filmen von Oswalt Kolle (den hat meine Mutter gelesen/gesehen, und ich verdanke ihm also indirekt meine entspannte und sehr positive Einstellung zur Sexualität 8-)).

Insgesamt eine Zeit, die sich niemand mehr zurückwünscht (außer vielleicht ein paar wenigen extrem konservativen Menschen). Das einzige positive was mir zu der Zeit spontan einfällt, ist das "Wirtschaftswunder", dass Deutschland nach dem verheerenden Krieg wieder nach vorne brachte ...

Sehr tolle Antwort!

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deine eltern sind wahrscheinlich in dieser zeit geboren, also es hat auch damals wie heute funktioniert.

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