Wie war es damals in Westberlin zuleben?

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10 Antworten

ganz normal wie in westdeutschland nur dass die strecken bis zur grenze kürzer waren. wer sich nicht einigermaßen auskannte, stand eben öfter mal irgendwo vor zaun oder mauer und mußte wieder umdrehen. auf einigen u-bahn-bahnhöfen war das aussteigen nicht möglich, da sie zum ddr-gebiet gehörten. es gab auch einige "straßenstutzen" die funkelnagelneu ins nichts ragten.es empfiehlt sich die größenverhältnisse im auge zu haben: die weitest mögliche straßenentfernung innerhalb des westteils der stadt betrug immerhin so um die 80(achtzig) kilometer.

@Fabielle Du bist sicherlich eine Ausnahme als gebürtige West-Berlinerin! Ich bin 1973 in Zehlendorf geboren und ich habe die Insellage genossen. Zudem hat mich die exponierte Situation schon sehr früh zu einem politisch interssierten Menschen heranreifen lassen. Ich (und ich spreche für das gros meiner mir bekannten Altersgenossen) habe mich zu Mauerzeiten nie eingekesselt oder unwohl in meiner Stadt gefühlt, das ist heute ganz anders. Es war jederzeit möglich West-Berlin zu verlassen und zu meiner Familie nach Bayern oder Italien zu fahren, lediglich die 100km/h Tempobegrenzung, sowie die miesen Straßen (obwohl mich die monotonen Reifengeräusche, die über Dehnungsfugen des Asphalts fuhren, als Kind immer sehr schnell in den Schlaf befördert haben) waren etwas nervig. Ansonsten fand ich es mit meinen beiden älteren Schwestern immer toll, sich mit tausenden anderen Ausreisenden in endlosen Schlangen anzustellen, die Laufbänder, die die Pässe von einer Kontrollstation zur nächsten beförderten zu beobachten. Die dümmlich markanten Gesichter der VoPos zu belächeln, wenn sie ernst hinter Deinem Pass hervorlugten, um zu vergleichen, ob Du doch derjenige welche warst, der auf der letzten Seite des elterlichen Passes (in dem Fall, der des Vaters) vermerkt warst. Das furchtbarste an der Fahrt durch DDR-Gebiet war die extrem belastete Umwelt, was allerdings durch die Werbung "Plaste und Elaste aus Schkopau" und Stadtabfahrten wie "Triptis" (klang wie Striptease, für Kinder daher enorm erheiternd) aufgelockert wurde. Ein Highlight war auch der chronische Strafzettel meines Vaters, der sich generell nicht an die 100 km/h hielt und dann unter lautem Gelächter von uns Kindern, dem VoPo die Quittung über 100 DM (diese Scheißabzocker) aus dem Schiebedach in hohem Bogen vor die Füße warf.

Vielleicht sollte man auch daran erinnern, das West-Berlin zwischen 1948-49 11 Monate lang unter der Blockade der Sowjets stand, nur durch die Versorgung mit Guetern durch die Luft wurde es am Leben erhalten. Die Sowjets wollten sich auch den Westteil der Stadt einverleiben und so ganz ging dieses Gefuehl auch fuer spaetere Genrationen nie verloren. Der Mauerbau spaltete Familien und Westberliner konnten bis in die 70er den Ostteil der Stadt und die DDR nicht besuchen...Fuer uns ging am 9. November ein Traum in Erfuellung, wir waren mit der gesamten Familie an der Bornholmer Strasse und lagen uns mit unseren Bruedern & Schwestern stundenlang in den Armen. Ich werde diese Nacht nie vergessen, damals waren fuer viele Tage alle Unterschiede, Vorurteile und Grenzen vergessen...

Hast du schon mal was von den Transitstrecken gehört? Als West-Berliner konnte man jederzeit problemlos mit dem Auto durch die DDR nach West-Deutschland fahren. Diese Transitstrecken waren in erster Linie identisch mit den Autobahnen nach Hamburg, Hannover und Hof/München.

Das Leben war eigentlich nicht wesentlich anders, als in West-Deutschland.

"Jederzeit problemlos"

 stimmt schlicht und ergreifend NICHT: Immer dann, wenn die DDR-Oberen der Meinung waren, dass die "BRD" durch irgend etwas die "Hoheitsrechte der DDR" verletzte, schalteten die Grenzbeamten (Zoll und Grenztruppen) auf "Schleichgang": Die Abfertigung von Fahrzeugen im Transitverkehr wurde derart genau genommen und grundlos verzögert, dass oft kilometerlange Staus vor den Übergängen die Folge waren. Besonders, bei den gelegentlichen Sitzungen des Bundestages, zu denen die Abgeordneten nach Westberlin geflogen wurden, rasteten Honecker &Co regelmäßig völlig aus, was sich NICHT nur medial (Radio+TV) sondern eben in den beschriebenen Verzögerungen bemerkbar machte.

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@abibremer

Wow, da hast du aber eine alte Frage wieder ausgegraben. 

Natürlich hat es hier und da zuweilen geknirscht - ich selbst habe ein paar Mal von der Autobahnausfahrt Nauen bis zum Grenzübergang Staaken gestanden, weil die Grenzer auf Schikane geschaltet haben. Und ja, das war nicht toll. Aber mal ehrlich, wie oft ist das tatsächlich passiert? 

Und das ändert nichts daran, dass der Transit weitestgehend problemlos lief und jederzeit möglich war (keine Visa, keine Gebühren, sondern "einfach" durchfahren mit zwei Zollkontrollen). 

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Moin, bin 1980 aus Berlin "Weggeheiratet" worden und habe dort den Mauerbau bereits miterlebt. Wir konnten auch jederzeit mit Auto, Moped, Bahn und Flugzeug fahren wohin wir wollten. In den ersten Jahren war es etwas langwierig mit den Grenzkontrollen, das hat jedoch mit den Jahren nachgelassen. Zur "BRD" (Redewendung der DDR) gab es keine Unterschiede ausser das man in das direkte Umland nicht so einfach fahren konnte. Ich wüsste nicht das wir uns seltsam gefühlt hätten. Viele "Wessis" kamen gerade nach Berlin wegen der Kneipenkultur und der fehlenden Sperrstunde - da war "Party" rund um die Uhr angesagt. Das einzige was man in Westberlin nicht durfte war ein Flugzeug zu fliegen aber das konnte man verschmerzen (so viele tun's ja nun mal nicht). Liebe Grüsse von einem alten Westberliner, Mike

danke für deine erzählungen! hab ich das richtig verstanden, der begriff brd ist eine ostdeutsche erfindung? wie haben sich die westdeutschen dann selber genannnt, einfach deutsche? bist du geboren, als die mauer schon stand?

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@kirshi90

Moin, richtig nur im Sprachgebrauch der DDR gab es eine "BRD" sonst hieß es Weltweit (auch das Länderkennzeichen am PKW musste so aussehen) nur D für Deutschland, geboren bin ich 1957 vor dem Mauerbau, Gruss Mike

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