Wie war eigentlich das Leben unter der Nazi-Herrschaft (für "Nichtarier" war das Leben ja bekanntlich die Hölle, wie war es für einen "Arier" eigentlich)?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Zunächst mal gab es den privaten Bereich. Hier ging es für viele (nicht alle) Menschen mit dem Wohlstand bergauf. Wer zur Zeit der Weimarer Republik arbeitslos war, kam nun häufig in eine Anstellung, und die anderen gingen in eine Maßnahme der gesellschaftlichen Massenorganisation oder zum Militär. 

Von Seiten der Regierung wurde eine sozialistische Politik gefahren. Es sollten Standesunterschiede verschwinden. Beispiel: es gab nun mehr Urlaubsanspruch und Urlaubsreisen wurden für breite Massen erschwinglich. Aus heutiger Sicht bedeutete dies aber, es gab "Massentourismus" in der "Kraft durch Freude" Organisation. Was heute eher als befremdlich empfunden wird, bedeutete für viele - auch Erwachsene "die erste Reise im Leben". Auf der anderen Seite - diejenigen die selbstständig waren, wurden stärker reglementiert oder später auch enteignet, es gab Preisbindungen und deutlich engere Vorschriften für Unternehmer.

Ansonsten dürfte der private Bereich zunächst einmal tatsächlich sehr ähnlich weitergegangen sein wie bisher auch. Wir kennen heute nur "Filmschnipsel" wo immer wer "marschiert" oder einer eine Rede ins Mikrofon brüllt. Aber es gab auch den Alltag, der dann immer stärker von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungen wurde und von den gesellschaftlichen Gruppen und Massenorganisationen mitbestimmt wurde.

Kaum jemand konnte sich dem ganz entziehen. War man z.B. in der Kirche dann wurde ein HJ-Treffen am Sonntag um 10.00 Uhr anberaumt. Nun mußte man als Eltern entscheiden: nehm ich die Kinder mit zum Gottesdienst, oder schicke ich sie zur HJ.

Mit Beginn des Krieges änderte sich das dann, der Krieg bestimmte immer mehr den Alltag und in das Leben in den Trümmern der Städte war sicher derart Ausnahmezustand, das es nicht mit dem Leben während der Friedensjahre vergleichbar ist.

Wer diese Zeit nur durch die Anne Frank Brille betrachtet, wird ihr nicht gerecht.

Die Zeitrechnung beginnt ja nicht mit1933. Die Leute waren auch schon durch die Zeit bzw. ihre Erziehung davor geprägt. Die meisten lebten auf dem Lande und in einfachen Verhältnissen. Da war es wichtig, dass der Acker genug abwarf, um über den Winter zu kommn. Berlin und Hitler waren weit weg. Die ganz normalen Probleme haben den Altag bestimmt. Nicht viel anders als heute auch.

Welchen sogenannten Arier, Krupp oder Krause? Das Menschen in einer Klassengesellschaft nicht ökonomisch gleichgestellt sind, scheint dir wohl entgangen zu sein. Wenn dir der Klassenbegriff unbekannt ist, sollte dann doch wenigstens das Schichtenmodell dir zugänglich sein. Glaubst du denn ernsthaft ein kleiner Malocher wurde genauso behandelt wie ein Kapitalist, ein Bankier oder ein Fabrikdirektor. Gerade im Hitler-Faschismus herrschte eine strenge hierarchie vor. In den Betrieben gab es den Betriebsführer, die Belegschaft hingegen nannte man Gefolgschaft!

So, Wen also meinst du?

Was möchtest Du wissen?