Wie war die Zeit vor dem Internet?

53 Antworten

Man hat weniger direkt gesucht und mehr zufällig gefunden und war damit zufrieden. Man las, was in der Zeitung stand und konnte das nicht weiter recherchieren oder war es nicht gewohnt. Man hat mehr auf Experten wie Ärzte gehört, die hatten immer Recht, man selbst hätte bei Zweifel gleich ganze Fachbücher lesen müssen, weil man nicht gezielt nach bestimmten Infos suchen konnte. Man war entspannter, z.B. ohne Navi unterwegs zu sein, hat sich da mehr auf die Mitmenschen und den eigenen Orientierungssinn verlassen.

Allg, sehe ich als großen Unterschied die Gelassenheit, das anzunehmen, das verfügbar war an Informationen. Man ging z.B. in eine Buchhandlung, fragte nach einem Buch, das "gab es nicht", man akzeptierte das. Heute würde man online recherchieren, wo man das noch kaufen könnte.

Man hat allerdings auch weniger recherchiert, wer gelernt hatte, Lexika zu nutzen und nachzuschlagen, war eher überdurchschnittlich gebildet mMn. Nicht jeder hatte überhaupt die Haltung, dass man nicht Gewusstes nachschlagen kann. Viele haben ihr Nichtwissen einfach akzpetiert. Es kam eine Frage auf, keiner konnte sie beantworten, man fragte ggf. noch ein paar Leute oder sah in den vorhandenen Büchern (nicht immer!) nach und ließ das Thema ruhen. Die Verbreitung von Wikipedia heute führte zur umgekehrten Haltung - alles ist schnell nachschlagbar.

Meine Großtante war bspw. gewohnt, jeden unbekannten Ort sofort auf einer Karte (Atlas) nachzuschlagen. Damit war sie in der Minderheit, die meisten akzeptierten einfach, dass sie noch nie von dem Ort gehört hatten. Heute würden viel mehr Menschen kurz googeln.

Man war mMn weniger skeptisch. Stand etwas in der Zeitung oder kam in den TV-Nachrichten, war das wahr und zwar die ganze (verfügbare) Wahrheit.

In der Schule kam man meist nur soweit, wie der Lehrer Fragen beantworten konnte, hatte man (oder die lokale Bücherei, was aber schon wieder mehr Einsatz erfordert) kein Lexikon oder Sachbuch zu Hause, das die Frage beantwortete, ließ man das Thema meist ruhen. Heute würde man schnell recherchieren und auf Fachartikel stoßen.

Man akzeptierte jeden Dienstleister als Experten, man recherchierte nicht vorher, was kaputt sein könnte und wie viel das kosten könnte, sondern holte den Fachmann und akzepierte seine Rat, wusste auch oft nicht, welche Rechte man dabei hatte (nur, wenn einem jemand das mal gesagt hatte).

Ggf. sprach man in einigen Kreisen (Freundeskreis, Familie) mehr miteinander, weil man über bestimmte Fragen diskutierte, die heute jeder stillschweigend googelt. Eine Verwandte von mir rätselte gern, nahm sich wirklich schwierige Rätsel vor (Denkaufgaben, keine Kreuzworträstel) und dachte darüber tagelang nach. Sie hatte diverse Lexika, sah aber immer erst nach, wenn keiner ihrer Freunde oder Verwandten die Antwort kannte und sie selbst nicht weiterkam. Heute wäre man gewohnt, sofort zu googlen, wenn man nicht weiterkommt.

Wissen unterwegs war gar nicht verfügbar, also wenn du im Auto oder beim Spaziergang oder im Krankenhaus etc. eine Frage hattest, musstest du warten, bis du zu Hause oder in der Bücherei warst oder an einen "Experten" gerietest, bis du die beatworten konntest. Das galt auch für so banale Dinge wie "wie komme ich morgen nach ..." oder "wann öffnet die Arztpraxis/ der Bäcker" oder eben Fragen nach unbekannten Begriffen.

Hallo!

Ich nahm seit etwa 2004 über den Informatik-/ITG-Kurs der Schule im Internet teil, Ende 2006 bekamen wir es dann zuhause. Damals habe ich grad die Mittlere Reife abgelegt bzw. startete kurz danach in die Ausbildung, wie es beruflich ohne Internet war weiß ich nur durch ältere Kollegen, die schon in den 70ern hier waren.

Ohne Internet war es laut meiner Ansicht irgendwie ruhiger und gemächlicher, aber auch nur zum Schein. Infos hat man sich über den Brockhaus, das Lingen-Lexikon usw. angeeignet, geklappt hat es auch.

Den sozialen Druck, der heute über Facebook, Instagram usw. abläuft, gab es nämlich seinerzeit schon - nur auf anderem Level: Den hat man nicht online, sondern im Klassenkampf "von Mensch zu Mensch" ausgeübt - ich weiß noch, wie es zu meiner Realschulzeit war. Da gab es keinen Netzzugang oder nur selten Internet, bzw. die Kiddies durften es seitens der ELtern allenfalls zur Recherche für Referate im Beisein der Eltern nutzen - der ganze Terz, den es heute via Facebook und Co. gibt, spielte sich dafür umso aggressiver im Klassenzimmer ab.

Aber damals wurden weder Filmchen gedreht noch ins Netz gestellt - es gab bei uns in der Klasse mindestens einen Fall von Klospannerei, aber damals blieb es bei Blicken und Erzählungen und landete nicht im Netz. Ich will's nicht relativieren, das was dieser Mitschüler damals tat war und ist mies, wurde auch gut sanktioniert, aber heute würde das alles gefilmt und hochgeladen werden.

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung
und Fernsehn, Radio und Zeitung waren große Informationsquellen

Und auch Lexika und die örtlichen Büchereien wie die Stadtbibliothek und die Bibliothek der Uni in der Nachbarstadt.

Ich bin deutlich über 50 Jahre alt und ich kann mich gut an eine Kindheit ohne Gameboy und Handy erinnern. Mir hat nichts gefehlt. Und heute? Da liegt mein Handy oftmals wochenlang in irgend einer Schublade und mir fehlt es immer noch nicht. Und "Serien"? Die lese ich - genauso wie vor 45 Jahren. Auf Blödsinn wie DSDS, Dschungelcamp und schrilles Nachmittagsprogramm bei RTL & Co. kann ich sowieso verzichten.

In den 80ern, 90ern und sicher vorher schon gab es jede Menge unsinniger Klamauksendungen. Und seit Eltern sich das erlauben konnten, gab es immer auch unsinnige, komische Kinderspiele oder Spielzeuge. Auch Kinderspiele, mit denen die Erwachsenen absolut nichts anfangen konnten.

2

Was möchtest Du wissen?