Wie war die Schule in den 50ern?

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1 Antwort

Hi Nora, in dieser Nachkriegszeit gab es nichts besonderes, was von Bedeutung war, außer dem Lernstoff, den alle sehr ernst genommen haben.

Pausen bzw. Schulzeiten.

  • 1.Std ab 0800 bis 0845, ohne Pause 2.Std bis 0930
  • Pause 30min (¹)
  • 3.Std ab 1000 bis 1045, ohne Pause 4.Std bis 1130
  • Pause 15min(²)
  • 5.Std ab 1145 bis 1230, ohne Pause 6.Std bis 1315
  • Pause 15 Min²
  • 6.Std ab 1330 bis 1415

(¹) 1. und 2. Klasse Frühstück im Raum, Milch (Dreiecktüten) wurde verteilt, nach 6-8min auf den Schulhof. Dort gabs keinerlei Geräte, keine Sitzgelegenheit, es durfte nicht gelaufen/gerannt werden. Rasen (ca 70x30m) durfe nicht betreten werden. Kleine Raufereien wurden im Klassenbuch vermerkt, mehrfache sogar im Zeugnis mit schlechteren Noten bestraft. 2-3 Lehrkräfte hatten Aufsicht. Zum Pausenende eine fürchterliche Tröte. Alle Schüler/innen mußte sich in 2er-Reihen aufstellen, auch zum Schulbeginn. Vom Lehrer angeholt leise in die Klasse. 1+2.Schuljahr Parterre, 3+4 Schuljahr 1.Etage, Rest weiter oben. Ballspiele waren verboten, Hof mit Kreide für Hüpfspiele bemalen auch. Mädchen spielten Gummitwist, viele standen in Gruppen und unterhielten sich über letzte oder kommende Schulstunde. Aufgabenlösungen wurden besprochen. Ein richtiges Spielen war nicht.

(²) Kurzpausen für 2. Frühstück und Toilettengang, zum Raumwechsel z.B. Chemie (unterm Dach), Werken (Keller). Es mußte mangels Schulraum mehrfach die Klasse gewechselt werden.

Positiv: ab 5.Schuljahr von 0715 bis 0755 freiwillig von Lehrer und Schüler Englischkurs. Höchstens 20 Kinder mit guten Noten wurden angenommen. Für je 2 Kinder 1 altes Buch, von Realschule.

Negativ: teilweise weite Schulwege von 30,50min. Rückkehr zu Hause gegen 1500, dann Hausaufgaben. Viele, denn von jede Lehrkraft gabs welche, keine Koordination. Somit teilweise erst gegen 1730/1800 fertig. Für Spielen fast keine Zeit. Nach den Radionachrichten spätestens 1930 ins Bett. Morgen war ein neuer Tag.

  • Ferien: wie heute, zusätzlich im Herbst Kartoffelferien
  • Aussehen: ärmlich gekleidet, Idealfigur bis unterernährt. Backsteinbau, Efeuranken, schwere Türen, viele Fenster
  • Fächer: Rechnen, Deutsch, Erdkunde, Sport, Werken, Religion, ab 5. Schuljahr Chemie, (engl. freiwillig), Zeugnisnoten: Fleiß, Betragen, Beteiligung am Unterricht,
  • Methoden: strenge Lehrer, Lernstoff höchsten 2x erklärt (bei 43 Kindern) sehr umfangreiches Wissen vermittelt, in 8. Klasse auch Begriffe von Realschule. Bestrafen: mit Holzlineal auf den Handrücken, mit Rohrstock auf den Hintern, ziehen am Ohrläppchen, Kopfnuss. Schulbücher pfleglich behandelt, bei Versetzung von Nachfolgeklasse wieder genutzt, keine Randeinträge.
  • Raum: alte schräge Pulte mit Sitzbank, ab 1957/58 neue Tische und Stühle, feste Schiefertafel aufklappbar, 40 Garderobenhaken, Wände weiß gekälkt, kl. Spülstein, undichte Holzfenster,

Aufgeschrieben nach telefonischer Erzählung eines 67jährigen Rentners, 8 Schuljahre, 3 Jahre Lehre, auch Samstags. Sagt, Eltern hatte es nicht leicht. Spielen in Ruinen, Entbehrungen, aber alles in Allem: sehr viel gelernt, für ihn eine schöne Zeit.

Hoffe, hab nix vergessen, Herr X-X und ich konnten Dir hiermit helfen. Grüße

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