Wie war das Lebensgefühl in der Weimarer Republik

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4 Antworten

Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt

Die Weimarer Republik dauerte einige Jährchen, in denen vieles aufgearbeitet wurde, in denen vieles eltweit geschah.

Pauschal wird man da wohl keine Definition abliefern können. Es gab einerseits die Aufbruchstimmung nach dem Ende der Monarchie. Es gab die "Packens wir" Stimmung nach dem verlorenen Krieg. Es gab die " was soll's " Stimmung nach dem Börsencrash 29. ich wage jedoch zu behaupten, das ein Großteil der Bevölkerung zu in den alten, Obrigkeits orientierten Denkstrukturen verhaftet war, dass sie garnicht erkannte, dass sie es in der hand hatte einen wirklichen demokratischen Neuanfng nach dem Krieg zu machen. Sie erkannten nicht, dass die alten Hierachien im Sterben lagen und durch ein breites Nachtrauern an das Vergangene verhinderten sie dann einen gelungenen Neuanfang. Die Industriebarone hätten nicht soviel Macht bekommen müssen, wenn sich die breite Masse auf ihre Wertigkeit besonnen hätte. Ein Hitler hätte nicht sein müssen, wenn man nicht immer noch auf den Pseudoobersten Chef gewartet hätte. Die Regierenden haben ihre Macht nicht mißbraucht, wie es denn die Nazis nur zu gerne taten. Die Weimareer Republik hatte Potential, aber das Volk wollte sich lieber "verführen" lassen und erwartete einen Guru, der alles für sie richten würde.

Aus diesen Gründen denke ich, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht sehr glücklich und zufrieden war. Sie trauerten dem vergangenen nach, sehnten sich nach Stärke in der Staatsführung und konnten mit dn demokratischen Gepflogenheiten, die den Einzelenen in die politische und bürgerliche Pflicht nahmen nicht umgehen.

Danke für deine Wertung :-))

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Das Lebensgefühl war ganz unterschiedlich und auch damals schon maßgeblich vom Einkommen abhängig. Bei den Leuten, die durch den Krieg verkrüppelt waren, wird's nicht so dolle gewesen sein. Die haben betteln müssen. Diejenigen, die für ihren Lebensunterhalt hart schuften mußten - sofern sie denn Arbeit hatten - waren sicherlich auch nicht so gut drauf. Man hatte 1918 zwar endlich den Achtstundentag bei vollem Lohnausgleich erkämpft. In der Praxis sah das aber ganz anders aus. Mein Opa berichtete z.B., daß die Arbeiter, die in der Zuckerfabrik des Nachbardorfes tätig waren, für die 8 Stunden auch entsprechend weniger Geld erhielten. Die haben erst mal ziemlich doof aus der Wäsche geguckt. Und 1923 hatte man dann auch schon wieder den Zehnstundentag eingeführt. Das wirkte sich sicherlich auch nicht so positiv auf's Lebensgefühl aus. Und dann nicht vergessen: bis 1923 gab's eine Hyperinflation - also eine Massenenteignung. Von meinem Urgroßvater ist überliefert, daß er sich von seinem ganzen Ersparten dann plötzlich nur noch einen Hut kaufen konnte. Ein Hut ersetzt aber keine Altersvorsorge. Tatsächlich erreichte der Reallohn erst wieder 1928 den Stand von 1914. Und 1929 gab's ja dann auch schon wieder die nächste Krise. Es gab andererseits natürlich auch die Gewinner - zwar bei weitem nicht so viele, aber es gab sie. Und diese einflußreiche Minderheit prägte dann den Begriff von den "Goldenen Zwanzigern".

http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/alltag/index.html

Und wenn ich so drüber nachdenke, bei meiner Urgroßmutter, die 1916 durch den Krieg ihren Mann verlor und dann 1917 durch Unterversorgung ihr jüngstes Kind, und die sich dann mit ihren beiden übrigen Kindern durchschlagen mußte - da wird's wohl mit dem Lebensgefühl auch nicht so prall gewesen sein.

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Hier hast du eine tolle Seite über das Alltagsleben in der Weimarer Republik:

http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/alltag/index.html

Meine Urgroßmutter, Jahrgang 1873, stand mit 4 schulpflichtigen KIndern, 2 Kleinkindern,einem Säufer als Mann, zwei krank aus dem 2. Weltkrieg heimgekehrten ältesten Söhnen und zwei auf den Äckern von Grundbesitzern arbeitenden großen Mädchen allein da. Sie ging hamstern, um ihre Familie durchzubringen und starb mit 58 Jahren an Herzversagen, einfach so.

Golden waren die 20ger Jahre nur für die, die am Krieg profitiert haben. Ein alte und doch immer wieder neue Geschichte ...

Das mußt du die Menschen fragen, die diese "goldenen Zeiten" noch miterlebten. Wir können deren damaliges Lebensgefühl doch gar nicht nachempfinden oder beschreiben.

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