Wie viel Arbeit hat man ungefähr pro Tag (in Stunden) wenn man seinen eigenen Pferdestall hat und kommt man dann überhaupt zum reiten?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Naja, das kommt drauf an, wie viele Pferde man zu versorgen hat und wie man sich das Ganze richtet.

Schaue ich zb mal bei mir:

Hab zwei eigene Pferde und derzeit noch 14 eingestellte. Da wir Offenstallhaltung haben, muss also einmal am Tag gemistet werden und die Heuversorgung ganztägig gewährleistet werden sowie der Gesundheitszustand der Tiere überprüft werden. Dann kommen halt noch andere Sachen dazu, wie regelmäßig die Koppeln abzusuchen ob der ggf. was am Zaun fehlt, ob Giftpflanzen aufgehen, ob Fremdkörper zu finden sind, ob die Wasserleitungen leck sind, evtl. braucht auch mal ein Pferd Medikamente oder Temp. messen oder ein Besitzer hat keine Zeit, dann geh halt ich mit zur Hufpflege oder oder oder. Da gibt´s noch 500 Sachen, die man eben mitmacht und die ich hier jetzt nicht aufliste.

Wer Einsteller hat, kommt nicht drum herum, auch den Menschen ein Ohr zu leihen, welche Fragen, Sorgen, Bedenken, Anregungen, Wünsche sie haben, denn auch der freundliche und offene Umgang ist mir an meinem Hof sehr wichtig, denn ich möchte dass Mensch und Tier zufrieden sind. Damit meine ich nicht stundenlanges Gequatsche (darf natürlich auch mal sein) und habe deshalb auch bewusst kein Reiterstübchen eingerichtet.

Dann kommt eben noch die Buchhaltung dazu, die Pflege und Wartung der Maschinen, Wartung von Reitplatz und Halle, wenn´s an der Zeit ist auch noch Hafer-, Stroh- und Heuernte sofern man das selbst macht. Auch, wer keine Maschinen hat, muss irgendwann Stroh, Heu und ggf. Einstreu kaufen und aufräumen.

So im Schnitt brauch ich für jedes Pferd ca. 1,5-2 h, beim Longieren oder Zirzensik etwas weniger.

Zeit zum Reiten muss man sich nehmen (für alles eigentlich, was einem wichtig ist), sonst nimmt einem die Zeit die Freude daran ;-)

Die Frage ist eher, wiedich das finanziert.

Ich nehme an, du meinst keinen Reitstall, sondern deine Pferde in Eigenregie.

Das ist in den seltensten Fällen günstiger als ein Pensionsstall und macht durchaus einiges an Arbeit.

Morgens füttern, je nach Haltung raus stellen, dann zur Arbeit. Nach der Arbeit wieder füttern, misten, ggf Wiese abäppeln, Futter vll noch vorbereiten, neues Heu hinstellen, und vieles andere.

Da wird das dann je nach Anzahl der Pferde dich ziemlich eng mit dem reiten.

Die Frage ist halt nicht, wie viel Zeit man dann noch übrig hat, sodern wovon sich das bezahlt. Hier die Pacht, dann ständig Heu und Stroh kaufen, Futter, die Lagerräume dafür, dann hat man nen schlechten Ballen dabei, und , und, und.

Ich halte meine zwei Pferde seit 09/2016 in Eigenregie direkt am Haus. Und ja: Mir haben viele im Vorfeld prognostiziert, dass ich kaum mehr zum Reiten komme. Und ja: Ich hab das als "albern, lächerlich" angetan. Fazit: Es ist wirklich so.

Wie viele Stunden pro Tag ich brauche, kann ich dir nicht sagen, denn es kommt drauf an, was anliegt. Tägliche Arbeiten: Abäppeln (Paddock, Laufbox, Weide), Tränke und Heumenge kontrollieren bzw. nachfüllen und Gesundheitszustand der Pferde kontrollieren. Wenn es dabei bleibt, bin ich nach 1 h fertig, mit Hilfe auch mal nach 15-30 Minuten. Aber meistens liegt immer noch etwas an: Paddocksand auffüllen, Zäune kontrollieren, Zäune freimähen vom Gras, Heu machen bzw. Heu einlagen, von den Pferden kaputtgemachtes wieder instand setzen etc. etc.

Dazu kommen in meinem Fall drei Familienmitglieder, die auch was von mir haben wollen. Ebenso Freunde / Bekannte. Noch drei weitere Haustiere, die versorgt und geliebt werden wollen und ein Vollzeitjob mit täglich 1 h Pendelzeit. Das alles zusammen (mit allen Varianten von plötzlich eintretenden Ereignissen, die mal ganz fix ein paar Stunden vom Tag wegschlucken) sorgt dafür, dass ich viel weniger reite, als noch vor gut einem Jahr.

Aber ich liebe es so, wie es ist. Ich möchte es nicht missen, dass ich meine Pferde direkt bei mir habe. Der Kontakt zu ihnen ist viel intensiver und inniger geworden. Dann komm ich mal ein paar Wochen vielleicht nicht zum Reiten (zuletzt geschehen zur Heuernte). Aber dafür nehme ich das Reiten jetzt anders wahr, es hat für mich mehr Bedeutung bekommen, weil es eben seltener passiert, dass ich im Sattel sitze.


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