Wie viel Ähnlichkeit hat Italienisch und Latein?

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9 Antworten

Salve!

Na ja, man könnte sagen, sie ähneln einander ziemlich, man könnte auch sagen, sie seien sich kaum ähnlich.

Das Italienische ist dem Latein natürlich viel näher als z.B. das Baskische, aber ferner als z.B. das Spanische. Zugleich ist Italienisch aber natürlich jene Sprache, die mit dem Latein am engsten verwandt ist.

In allen Bereichen gibt es Parallelen und Unterschiede:

Lexikon: Der Gutteil des italienischen Wortschatzes kommt aus dem Latein, auch wenn die Bedeutung häufig verändert wurde (z.B. stammt lei 'sie' von einem lat. Demonstrativpronomen) und Lautwandelprozesse stattgefunden haben (z.B. clamare - chiamare, petra, piedra). Mit Italienischkenntnissen wird man jedenfalls einige Wörter, auch in flektierter Form (amo, cantamus, vitae...) erkennen.

Grammatik: Viel Ähnliches und viel Unterschiedliches. Sehr unwissenschaftlich ausgedrückt könnte man sagen, in der Entwicklung vom Latein zu den heutigen romanischen Sprachen ist einiges einfacher geworden, wissenschaftlicher wäre es, zu sagen, das heutige Italienisch hat mehr analytische Elemente. Bedeutungen und Kategorien von Aussagen werden also nicht mehr nur durch Abwandlung eines Wortes (also morphologisch) ausgedrückt, sondern auch durch nichtflektierbare Wörter, in denen sozusagen die Flexion steckt. Während die alten Römer z.B. noch die Wörter dekliniert haben (flamma, flammae, flammae...) drücken die Italiener heute die Casus (im Grunde spricht man deshalb auch nicht mehr von Casus) durch Präpositionen aus: (fiamma, della fiamma, alla fiamma...). Es gäbe noch sehr viele andere Unterschiede. Auch der Satzbau ist im Latein ziemlich anders.

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Hallo, ich habe letztes Jahr Italienisch angefangen, weil ich ebenfalls Latein Vorkenntnisse hatte. Meine Dozentin hat mir diesen Zahn aber relativ schnell gezogen. Es gibt zwar einige ähnliche Wörter und auch einige Formen, die vom Lateinischen her abstammen, aber ansonsten haben die Sprachen nur wenig gemein. Italienisch hat eine völlig andere Grammatik. Ansonsten ist es aber eine schöne Sprache und (m.E.) lässt sie sich auch ganz gut lernen. Ich hoffe, deine Frage istd amit beantwortet. :)

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Hallo RIVERPLATENSE, MRSJIXJAX hat hier eine einfache Frage gestellt. Ob er/sie aus deiner Dissertation schlauer geworden ist, muss er/sie uns sagen.

In deinem Kommentar sagst du "...Das würde ich nicht ganz so sehen...". Vielleicht weil du nicht genau hinschaust. Ich sagte ja, dass wir Italiener viele Wörter aus dem Lateinischen übernommen haben (allerdings nur die "Wurzel"). Ob allerdings diese Tatsache die Sprache leichter macht, wage ich zu bezweifeln.

Da zitierst du Caesar: "Wo Caesar sagte »Veni, vidi, vici«," na und? Sagte ich doch, aber du meinst weiter "Im Deutschen könnte man theoretisch auch mit ich bin gekommen... übersetzen. Im Italienischen oder Lateinischen wäre hier ein Imperfekt aber undenkbar." Na, welche Sprache habe ich denn gelernt? Warum sollte man hier nicht sagen können "sono venuto, ho visto, ho vinto"?

Ferner meinst du "...aber »Tag und Nacht« ist, wie ich finde, doch etwas übertrieben". Nun, es kommt darauf an, ob wir einen regnerischen Tag oder eine Vollmond Nacht meinen. Tatsache ist: Jeder Italiener, ob Lehrer oder Schüler, sagte mir bislang, wenn du schon Mal Latein in der Schule hattest, ist Deutsch dann einfacher. Eine Erfahrung, die ich selber auch gemacht habe. Angefangen von dem Satzaufbau bis zu den verschiedenen Fällen.

Ergo! Um die Frage von MRSJIXJAX noch Mal zu beantworten: Man soll nicht meinen, weil man Latein kann, ist dann Italienisch leicht zu erlernen. Vor allen Dingen, was die Grammatik angeht. Dass man im Italienischen ein paar Vokabeln wieder findet, die ihren Ursprung in der lateinischen Sprache haben, macht das Ganze etwas leichter.

Du kannst gerne noch ein Referat hier posten, nur, an die o. g. Tatsache wird sich nichts ändern.

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Kommentar von Riverplatense
20.10.2012, 14:18

Hallo etrusco! Ich freue mich über deine Antwort. Also:

Vielleicht weil du nicht genau hinschaust. Ich sagte ja, dass wir Italiener viele Wörter aus dem Lateinischen übernommen haben (allerdings nur die "Wurzel"). Ob allerdings diese Tatsache die Sprache leichter macht, wage ich zu bezweifeln.

Ich habe ja auch nicht viel anderes gesagt. Dass Italienischkenntnisse bei einem Grundverständnis hilfreich sind, glaube ich dennoch. Wörter wie cantat, exspectamus, spero, fortis oder laetus kann man mit Italienischkenntnissen schon einmal lokalisieren. Jemand, der nicht aus dem indoeruopäischen Raum kommt und keine einschlägigen Erfahrung mitbringt, könnte hingegen gar nichts entschlüssen. Und dem »wie Tag und Nacht« habe ich insofern erwidert, als es eben Sprachen gibt wie Mandarin oder Baskisch, die so gut wie gar nichts mit dem Latein oder Italienisch gemein haben.

Warum sollte man hier nicht sagen können "sono venuto, ho visto, ho vinto"?

Natürlich, aber auch das ist eine perfektive Zeit. Nicht hingegen könnte man sagen: venivo, vedevo, vincevo, wohingegen im Deutschen die Unterscheidung Präteritum/Perfekt allein eine Stilfrage ist. In jedem Fall erkennt man aber an der Übersetzung lat. Perfekt - it. Pass. Rem., dass durchaus sehr ähnliche Strukturen vorhanden sind.

Jeder Italiener, ob Lehrer oder Schüler, sagte mir bislang, wenn du schon Mal Latein in der Schule hattest, ist Deutsch dann einfacher.

Auch das streite ich überhaupt nicht ab. Aber das belegt nicht die Ähnlichkeit zwischen Latein und Deutsch. Es ist vielmehr so, dass Lateinkenntnisse (gerade weil es häufig eher theoretische Kenntnisse sind) immer helfen, wenn man irgendeine Sprache lernt, da einfach die gesamte westliche Grammatikographie auf dem Latein fußt. Für viele ist Lateinunterricht ganz einfach ein präziser Grammatikunterricht — und der hilft bei jeder neuen Sprache weiter.

Man soll nicht meinen, weil man Latein kann, ist dann Italienisch leicht zu erlernen.

Auch das habe ich nicht gesagt. Vor allen Dingen ist es ja so, dass das Ziel beim Italienischlernen nicht direkt dasselbe ist wie beim Latein.

Du kannst gerne noch ein Referat hier posten, nur, an die o. g. Tatsache wird sich nichts ändern.

Dieser Anflug von Gehässigkeit verwundert mich, aber egal. Die einzelnen Punkte deiner Darlegung bestätige ich ohnehin, ich finde nur den Schluss unpräzise, dass Latein dem Deutschen ähnlicher sei als Italienisch und die Unterscheidung »Tag und Nacht« etwas übertrieben, das sie einen absoluten Gegensatz zu verstehen gibt, der aber nicht vorliegt.

MRSJIXJAX hat hier eine einfache Frage gestellt

Stimmt, aber einfache Fragen sind nicht immer einfach zu beantworten. Ähnlichkeit kann man ja nicht einfach in Metern angeben.

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Hallo RIVERPLATENSE, es tut mir leid, dass du meine Antwort als "Anflug von Gehässigkeit" empfunden hast. Das wollte ich nicht und es war nicht meine Absicht. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Ich wusste allerdings nicht, dass Südamerikaner so empfindlich sind.

Ich bin bei dir, wenn du sagst, dass einfache Fragen nicht immer einfach zu beantworten sind. Aber, ich finde, das ist die Kunst: komplexe und schwere Antworten einfach zu erklären. Hier war Einstein ein Meister. Einfach gesagt. Wenn jemand mich fragt, ob es mir gut geht, kann ich antworten "... mein Magen macht mir Schwierigkeiten" oder aber "... mein Ventriculus macht mir Schwierigkeiten". Ich kann damit meinen Gesprächspartner damit vielleicht imponieren. Es besteht aber auch die Gefahr, dass er sich am Kopf fasst.

Meine Antwort kam nicht aus einem "Anflug von Gehässigkeit", sondern aus der Erfahrung, dass, wenn jemand eine einfache Frage mit einer nicht ganz einfachen Antwort beantwortet, dann will er recht haben ... und das letzte Wort.

Na ja, um es mit Trapattoni zu sagen "...Ich habe fertig".

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Du wirst dich über diese Antwort wundern, aber Deutsch hat mit Latein mehr gemeinsam als Italienisch mit Latein. Wir haben alle Fälle aus dem Fenster geworfen, und eine einfache Sprache geschaffen. In der italienischen Sprache finden sich zwar viele Wörter wieder aus dem Lateinischen, das ist aber auch alles. Die zwei Grammatiken, Italienische und Lateinische, untereinander sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

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Kommentar von Riverplatense
19.10.2012, 22:20

Das würde ich nicht ganz so sehen. Im Deutschen gibt es z.B. (im Grunde) keinen Aspekt, nur eine einfache Vergangenheitszeit, der Konjunktiv dient nur zur Markierung von Potenzialität/Irrealität und Referat... In diesen Punkten ist das Italienische dem Latein aber ziemlich ähnlich. Wo Caesar sagte »Veni, vidi, vici«, sagen die Italiener heute »venni, vidi, vinsi«, das könnte der alte Caesar vielleicht sogar verstehen (wie ich überhaupt glaube, dass sich zumindest manche Sarden mit den klassischen Römern unterhalten könnten). Im Deutschen könnte man theoretisch auch mit ich bin gekommen... übersetzen. Im Italienischen oder Lateinischen wäre hier ein Imperfekt aber undenkbar.

Natürlich hat sich sehr viel getan und ein Satzbau wie bei Ovid wäre bei Calvino (und eigentlich schon bei Dante) unmöglich, aber »Tag und Nacht« ist, wie ich finde, doch etwas übertrieben ;)

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Kommentar von WhtFata
07.02.2014, 03:07

Die Frage is zwar schon ne Weile her, aber dennoch muss ich vehement der Aussage widersprechen, dass Deutsch einfach ist :D

Mehr Außnahmen als die Regel...

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die italienische Sprache ist dem Lateinischen am nächsten da sie darauf aufbaut.

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Vokabeln sind ähnlich, der Satzbau auch - aber im Italienischen eine erheblich veränderte Grammatik...

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Spanisch, französich, italienisch, auch deutsch.. leiten sich vom Latein ab! Warum wohl werden z.B. medizinische Begriffe in Latein ausgesprochen? Glücklich ist, wer das kleine Latinum beherrscht, denn daraus lässt sich so mancher Ausdruck einer fremden Sprache definieren,

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beides italische Spachen aus der indogermanischen Familie.

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