Wie verstehen die Deutschen das trennbare Verb?

12 Antworten

Beim muttersprachlichen Erstspracherwerb kümmert man sich nicht um grammatikalische Kategorien. Man hat keinen blassen Schimmer davon, was Verben, Substantive, Adjektive oder Präpositionen sind.

Man hört, wie andere Menschen die Sprache anwenden und welche Sätze sie bilden, und imitiert das. Man käme gar nicht auf die Idee, ein trennbares Verb in einer entsprechenden Satzkonstruktion nicht zu trennen, also z.B. zu sagen "Ich anfange....", weil man das nie so gehört hat, sondern immer: "Ich fange an, du fängst an, wann fangen wir an...".

Da irritiert es dann noch nicht einmal, wenn man gefragt wird: "Willst du anfangen?"

Was genau das Kind davon abhält, zu antworten: "Ja, ich anfange gerne..", weiß ich auch nicht, aber es klappt meistens richtig.

Manchmal machen aber auch Kinder grammatikalische Fehler in ihrer Muttersprache, indem sie versuchen, Regeln für regelmäßige Verben auf unregelmäßige Verben anzuwenden, z.B. "Ich habe gesprecht" statt "ich habe gesprochen", aber das biegt sich schnell zurecht.

Vielen Dank für deine Antwort! Also meinst du, dass die deutsche Kinder die deutsche Sprache auch mit unzähligen Fehlern lernen wie zB „ich anfange zu essen...“ wie die Ausländer?

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@AlfertPatus

In einer bestimmten frühen Lebensphase lernt man Sprachen besonders leicht und macht erst gar nicht solche Fehler, wie sie ältere Menschen beim Zweitspracherwerb machen würden, bzw. man begeht diese Fehler nur einmal oder in einer kurzen Phase und kriegt dann die Kurve zum richtigen Sprachgebrauch.

Dass die hartnäckigen Fehler immer weiter verbleiben, passiert nur, wenn man beim Zweitspracherwerb schon etwas älter ist und sich nicht von den Strukturen der Muttersprache lösen kann.

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Wenn sich Muttersprachler nicht aus eigenem Interesse mit ihrer Sprache auseinandersetzen, dann können sie sie zwar (mehr oder weniger gut) sprechen - aber das war's dann auch schon.

Ich stelle mir ein Gehirn immer wie einen riesigen Schwamm vor - alles wird aufgesogen, und im Kindesalter geht das besonders schnell.
Sie sagen drei/vier Mal gekommt statt gekommen, werden verbessert, und anschließend ist diese Form gespeichert.


Aber ich kann bis jetzt nicht verstehen, wie ihr Deutschen als Kinder diese Art von Verben verstanden habz, als ihr Deutsch lerntet.

Kinder lernen durch nachplappern - nicht mit einem Grammatikbuch! Wie du das mit deiner Muttersprache auch gemacht hast.
Sie hören es halt oft genug und machen es dann korrekt nach.

Ist ja nun auch nicht soo schwierig: Was vorn bestont wird, lässt sich trennen.

Wir halten das für gar nichts. Wir fangen einfach mit dem Sprechen an. Wie auch du in deiner Muttersprache.

Du schreist einfach nach Nahrung. Du denkst nicht: "Ich muss jetzt langsam mal anfangen, die liebe Mutti aufzufordern, ihren BH aufzuknöpfen und mir die Brust zu geben."

Und später, wenn du sprechen lernst, interessiert dich die Grammatik nicht die Bohne: "Mama HUNGER!"

Gruß, earnest

Weißt du, dass das trennbare Verb eine echte Katastrophe für uns ist, die das Deutsch als Fremdsprache lernen.

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@AlfertPatus

Ja, das ist mir leider klar. 

Das hat schon Mark Twain bitter beklagt - "the awful German language".

Wie geht es dir denn mit dem Um-, Auf-, Schnell-, Aus-, Weg- und Durchzug?

;-)

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nein, anfangen verstehen wir als Verb (ein Wort, nicht Verb & Präposisition), und es ist ganz natürlich, dass es sich teilt, weil wir es einfach immer so gehört haben. Und wenn wir es anders sagen (ich anfange), dann werden wir als Kinder korrigiert, bis wir auch "ich fange an" sagen...

Als Kind lernt man ja überhaupt nicht analytisch, sondern rein aus dem Sprachgebrauch, aus dem Hören, und Anwenden mit evtl. Verbesserung durch andere.

Ein Kind käme deshalb nie auf die Idee zu sagen: ich anfange zu essen...

ein solcher Satz würde sich aus dem "ich essen" eines 2-jährigen und der Antwort: "dann fang an" nach und nach entwickeln.

Als Erwachsener konjugiert man dann gefühlsmäßig meist richtig.


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