Wie versorgt man ein Opfer des Komasaufens rettungsdienstlich und anschliessend klinisch?

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8 Antworten

Alkohol ist ein zentral wirksames Nervengift. Frag mich bitte nicht, über welche Transmitter oder Neurorezeptoren das Zeug genau wirkt, aber es dämpft die Hirnfunktionen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Genaueres zur Alkoholvergiftung weiß Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholvergiftung

Das wichtigste bei der Behandlung der Alkoholvergiftung ist wie immer die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen. Da man sich tatsächlich totsaufen kann, ist das nicht zu unterschätzen. Bereits Bewusstlose sind ja durch die fehlenden Schliuckreflexe und damit deutlich erhöhte Aspirationsgefahr massiv lebensgefährdet, auch ohne, dass der Alkoholpegel selbst tödlich sein muss. Daher gilt: Patiuent überwachen, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, im Extramfall Intubation und Beatmung. Diese Maßnahmen kann schon der Rettungsdienst durchführen. In der Klinik wird i.d.R. so weiter gemacht, bei extrem hohen Blutalkoholspiegeln hätte man hier noch die Möglichkeit der Dialyse zur Entgiftung, aber da muss es dann schon extrem sein. Ganz wichtig ist, bei Alkoholvergifteten auf den Blutzucker zu achten, da die Leber massiv überfordert ist und die Zuckerregulation mal schnell ausfällt, Hypoglykämien sind die gefährliche Folge. Durch Fehlregulation des Gefäßtonus kann auch eine Schockbekämpfung, z.B. mit Katecholaminen, nötig sein.

Quatsch ist ein Entgiftungsversuch durch Magen auspumpen - schließlich ist das Gift bereits in der Blutbahn und nicht mehr im Magen. Ausnahme kann sein, wenn kurz vor dem Kollaps noch große Mengen konsumiert wurden, aber eine Magenspülung hat nur innerhalb einer halben Stunde Sinn.

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Kommentar von derdorfbengel
31.12.2011, 20:20

Gut. Dann war ich mit meinen Ideen gar nicht so weit ab.

Danke für den ausführlichen Hintergrund!

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Kommentar von Marco7Stgt
01.01.2012, 15:45

Sehr guter Beitrag - DH ! Dennoch möchte ich hinzufügen, dass es in der Praxis u.U. dann doch zur Magenspülung kommen kann, und zwar immer dann wenn auch nur der leiseste Verdacht auf eine Medikamenten-Vergiftung besteht, oder nicht sicher auszuschliessen ist. Ich füge dies hinzu, da man z.B. auf der TOX im Rechts der Isar weit über 500 solcher Patienten pro Jahr bekommt, und es oft nur wage Hinweise gab (wie z.B. eine begleitende Person, die angab der Intoxikierte habe nur soviel getrunken, weil seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat). Es war erstaunlichwie oft man erst durch "Zufall" auf Medikamente traf, und deshalb bei bewusslosen Patienten ein Schnelltest auf Medikamente obligatorisch wurde.

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Kommentar von MrMarlboro
11.01.2015, 03:47

Daran merkt man mal wieder wie kaputt dieses System doch ist. Mit 16 Jahren kann man sich schon totsaufen...

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Der absolut korrekten Antwort von DoktorNoth sei noch hinzuzufügen, dass auch der Temperaturverlust durch das Weitstellen der Gefäße beim massiven Alkoholkonsum beschleunigt wird und durch Alkohol andere Erkrankungen/Verletzungen sowohl ausgelöst als auch kaschiert werden können (z.B. Kopfverletzungen bei Sturz).

Rettungsdienstliche/klinische Maßnahmen beinhalten deshalb auch den Wärmeerhalt bzw. die Erwärmung und die genaue Untersuchung von zusätzlichen Ursachen bzw. Begleitverletzungen.

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Kommentar von derdorfbengel
01.01.2012, 18:41

Das ist wohl richtig. Darum auch einen Daumen.

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Also, als Ersthelfer sollte man die Person in die stabile Seitenlage bringen, denn es kann zum Erbrechen kommen, wo man bei falscher Lagerung dran ersticken kann, deshalb die stabile Seitenlage.

In der Klinik gibt es dann ne Infusion, ich glaube mit Kochsalz. Ferner noch wird Blut abgenommen. So war es zumindest bei mir, wo ich ne Medikamentenvergiftung hatte, aber ich kann mir vorstellen, das bei einer Alkoholvergiftung ähnlich vorgegangen wird.

Wie es jetzt zur Bewusstlosigkeit kommt, kann ich aufgrund von Ahnungslosigkeit nicht sagen.

So viel von mir dazu...

lg,. jakkily

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-man sollte dem Betroffenen beruhigend zureden -dem Betroffenen Zuckerhaltiges zu trinken geben -den Betroffenen flach hinlegen (ohne Kopfkissen), möglichst in Seitenlage und den Kopf überstrecken, damit er/sie beim Erbrechen nicht daran erstickt - den Zustand – besonders wenn er/sie schläft – überwachen

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Kommentar von derdorfbengel
31.12.2011, 18:05

Wieso Zuckerhaltiges zu trinken geben?

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Zur Bewusstlosigkeit kommt's, weil sich die Gefässe weiten und der Blutdruck abfällt. Ausserdem fällt der Reflex weg, dass das Blut "höher" gepumpt wird, wenn man z.B. vom Sitzen aufsteht.

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So wie jedes andere Opfer, das den Rettungsdienst benötigt, auch.

Allerdings werden solche Patienten immer hintenan gestellt, wenn es darum geht, unverschuldet in Not geratene Menschen zu retten.

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Kommentar von derdorfbengel
31.12.2011, 18:05

So? wer sagt das?

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Kommentar von baertl
01.01.2012, 13:20

Es ist nicht richtig, das "solche Patienten immer hintenan gestellt" werden.

Das entscheidet sich jedenfalls nicht nach Komasaufen/selbstverschuldet und unverschuldet, sondern nach dem Maß der (vitalen) Gefährdung. Ein echter C2H5OH-Intox ist im Gegensatz zum einfachen Alkoholrausch ein potentiell vital gefährdendes Krankheitsbild und erfordert genauso dringliche Überwachung bzw. Maßnahmen wie andere Krankheitsbilder auch.

Alles andere wäre ungesetzlich und unethisch.

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Alkohol ist ein Gift und lähmt u. a. die Atmung... Maßnahmen: Entgiften (Magen auspumpen), Blutverdünnen (Infusion)

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Kommentar von baertl
01.01.2012, 13:26

Diese Antwort ist etwa ab dem sechsten Wort falsch.

Die Atemlähmung ist keine Giftwirkung des Alkohols, der betrifft das Bewusstsein und führt damit zur Gefahr einer mechanischen Verlegung (keine Lähmung!) der Atemwege. Magen auspumpen hilft nicht viel wenn die Wirkung des Alkohols bereits eingetreten ist (dann ist der nämlich schon in der Blutbahn) und die Infusion dient nicht dem Blutverdünnen (sondern als Volumenersatz und/oder als Zugang für Medikamentengaben).

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Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen des Opfers

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