Wie verhalte ich mich richtig, wenn ein guter Freund Depressionen hat?

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7 Antworten

Liebe(r) Amikino,

es ist nicht ganz einfach, auf Ihre Frage mit konkreten Tipps zu antworten, da Depressionen viele Gesichter haben. D. h. es gibt verschiedene Arten von Depressionen, die sich durch ganz unterschiedliche Symptome äussern. Zudem hat jeder Betroffene eine andere Persönlichkeit und Lebensgeschichte. Das alles trägt auch dazu bei, dass jeder etwas anders mit seiner Krankheit umgeht.

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Generell empfehle ich Ihnen: Informieren Sie sich über das Krankheitsbild der Depression. Helfen können Ihnen dabei die Informationen des Kompetenznetz Depression auf http://www.kompetenznetz-depression.de und andere Internetseiten.

Es gibt auch einige sehr gute Bücher/Ratgeber für Angehörige/Freunde von an Depressionen erkrankten Menschen. Hier eine kleine Auswahl:

Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist: Wie man Angehörigen oder Freunden hilft von Epstein Rosen, Laura und Amador, Xavier F.

So nah und doch so fern. Mit depressiv erkrankten Menschen leben, BALANCE ratgeber Bonn, 2009

Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige, BALANCE ratgeber Bonn, 2007

Dort finden Sie jeweils auch weitere Ratschläge zum Thema.

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Und hier noch 10 allgemeine Regeln: Was kann ich als Partner, Angehöriger oder Freund tun?

  1. offen über die Krankheit sprechen

  2. offen über mögliche Suizidgedanken sprechen

  3. den Betroffenen nicht überfordern

  4. versuchen zu helfen, ohne zu bevormunden/bedrängen

  5. helfen, den Tagesablauf zu gestalten und zu strukturieren

  6. Geduld mit dem Kranken und mit sich selbst haben

  7. Aktivitäten des Betroffenen lobend aufgreifen

  8. leichte gemeinsame Aktivitäten (z. B. Spaziergänge) anregen

  9. "echt" bleiben und auch negative Gefühle zulassen

  10. wenn nötig, selbst Hilfe in Anspruch nehmen

Etwas ausführlicher hier: depression.uzh.ch/page11/page15/page15.html

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Viele Grüße

Amikino 06.02.2011, 23:15

Vielen Dank! Bei der Lektüre werde ich mich mal umsehen. Aber die 10 Punkte beruhigen mich schon mal sehr, ich habe nicht alles falsch gemacht. Das ist doch eine große Erleichterung.
Kannst Du mir zu Punkt 3 noch etwas sagen? Wann und womit überfordere ich oder woran merke ich das?

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rayondesoleil 07.02.2011, 00:06
@Amikino

Ein klassisches Beispiel: Man sollte als Angehöriger versuchen, keine Aktivitäten aufzugreifen, die den Betroffenen überfordern könnten. Bei Depressionen ist Antriebsminderung ein häufiges Symptom, d. h. die Betroffenen sind oft schon durch einfache Tätigkeiten des Alltags überfordert, die von gesunden Menschen ganz selbstverständlich erledigt werden (duschen, spazierengehen, ins Kino gehen).

Ein anderes Beispiel könnte sein: Man kann einen an Depressionen leidenden Menschen auch überfordern, indem man von ihm verlangt, Entscheidungen zu treffen (das trifft eher auf das familiäre Umfeld zu, z. B. wenn es um Trennungen geht oder Wohnortwechsel... solche Dinge).

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Wenn Sie sich nach Lektüre umsehen, können Sie auch mal in die nächste Stadtbibliothek gehen. Dort gibt es auch eine Auswahl an Literatur für Angehörige.

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segeln141 07.02.2011, 16:19
@rayondesoleil

@rayondesoleil

ich halte Deine Bemerkung zu "Forderungen"(jede ist meist nämlich eine "ÜBERForderung)an einen Depressiven für ganz wichtig.

Ganz einfache Therapieerfahrungen zeigen dies:

Kommt man stark depressiv,antriebslos in eine psychosomatische Klinik,gibt es sofort nur eine Regel:

KEINE Regeln!

Der Patient muss nichts,aber auch gar nichts machen,es werden ihm nur die Essenzeiten gesagt,ob er hingeht ist ihm überlassen.

Überraschenderweise löst sich nach einigen Tagen die Antriebslosigkeit und auch die Depression so,dass er ansprechbar ist.

Hat man verständige Freunde/Partner im Umfeld kann man dies auch z.T. alleine zuhause machen.

Entscheidend bei diesem "Angebot",mal für eine paar Tage(evtl.Urlaub nehmen) NICHTS zu tun ist das Befreien des Patienten von Schuldgefühlen:"ich müsste doch noch dies und das tun","einkaufen",Wegräumen","ich kann doch nicht nur "faul rumliegen" etc. ist,ihm genau zu sagen:"doch, das NICHTSTUN ist völlig ok und das richtige für Dich".

Setzt natürlich eine gute,verständnisvolle Partnerschaft voraus,ist aber sehr effektiv.

Dadurch kann dann auch die "Bereitschaft",eine Therapie bei einem Fachmann zu machen, erhöhen.

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Amikino 08.02.2011, 18:41
@segeln141

Vielen Dank!
stark depressiv,antriebslos----> ist das mit einem klassischen burn out vergleichbar? IST das ein burn out?

Oder geht jede Depression automatisch mit einer Antriebslosikeit einher?

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segeln141 08.02.2011, 22:20
@Amikino

@Amikino

ein Forum wie hier auf GF ist für solche individuellen Fragen und Antworten nicht geeignet.

Das ist Aufgabe eines Arztes/Psychologen vor Ort,da mehr über den Patienten zu wissen nötig ist und er auch persönlich untersucht werden muss.

Deine Sorge um ihn ist echte Freundschaft.

Bewege ihn,eine fachliche Diagnose-und Therapie stellen zu lassen.

Die sehr guten allgemeinen Tipps von rayondesoleil und meine Ergänzung dazu sind hier für ein solches Forum ausreichend.

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rayondesoleil 08.02.2011, 23:45
@Amikino

Depressive Stimmung und Antriebsminderung sind typische, häufig auftretende Merkmale einer depressiven Störung (jedoch geht nicht jede Depression mit einer Antriebsminderung einher). Es gibt verschiedene Arten depressiver Störungen, die sich v. a. in ihrer Art und Schwere unterschieden.

Ob Ihr Freund an Burn out leidet, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Hier kann ich nur nochmal auf den Kommentar von segeln141 verweisen.

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Amikino 12.02.2011, 14:23
@segeln141

Mir ist klar, das die Art der Fragestellung und auch die Infos bzw der Mangel daran keine detailierteren Antworten zulassen. Vielleicht habe ich mich auch etwas unglücklich ausgedrückt. Da ich aber "nur" ein Freund bin, fehlen mir Auskünfte. So haben mir die Antworten hier schon sehr geholfen, etwas Licht ins Dunkel meiner Unwissenheit zu bringen.
Allen ein herzliches Danke!

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regelmäßig mit ihm reden aber nicht zu aufdringlich das er genervt wird sondern hin und wieder mal nett fragen benehm dich einfach so als hätte er keine depressionen was du nicht tun solltest ist denke ich so gezwungen rüber zu kommen er soll wissen das du das freiwillig machst und nicht weil er depressiv ist

Amikino 06.02.2011, 13:32

Danke, das hilft mir.

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Wichtig ist, dass du für ihn da bist, als Freund, er muss wissen, dass er nicht alleine ist. Depressionen werden oft noch unterschätzt. Wie alt ist er? Lebt er noch bei den Eltern? Wenn ja, dann suche da Gespräch auch mit ihnen und erkläre ihnen deine Not, sollte er alleine wohnen und die Eltern leben noch, trotzdem mit denen reden. Dann bruacht er professionelle Hilfe, ganz wichtig, ein Termin beim Psychologen, denn die können weiterhelfen. Im grunde ist es doch so, je mehr ein solcher Mensch alleine ist, desto größer werden die Depressionen. Vor allem, er muss die Hilfe annehmen, notfalls begleite ihn/sie zum Doc und einfach nur da sein, mal nur in den Arm nehmen, das hilft oft sehr. Dann bracuht er/sie Ablenkung, aber die professionelle Hilfe ist die wichtigste. Ein immer noch, leider sehr unterschätzes Thema und die Folgen kennen wir alle nur zu gut. Ich finde es toll von dir, dass dir das überhaupt aufgefallen ist, ist auch nicht selbstverständlich, denn viele Menschen schauen weg oder machen sich lustig, aber so ist das nicht. Gute Besserung an dieser Stelle.

Amikino 06.02.2011, 14:22

Danke, auch für die Ermutigung.

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Hamster64 06.02.2011, 16:37
@Amikino

Gerne,hatte einen Onkel der das auch hatte, war richtig krass, sogar mit Suizidversuch und das ist die Gefahr. Freue mich, wenn ich helfen kann.

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eine sehr gute Frage,dafür ein DH!! Ist dein Freund in Behandlung? Sollte er unbedingt,auch seine Medikamente nehmen.Ich würde mich bei ihm melden-ob er ans Telefon geht,sei ja dann ihm selber überlassen.Und Vorschläge machen für Freizeitgestaltung:er dich besuchen,du ihn besuchen,Essen gehen,spazieren gehen usw.Also keine riesengroßen Unternehmungen,die ihn überfordern könnten.Und nicht fünfmal am Tag fragen "wie geht es dir" weil das nervt.

Amikino 06.02.2011, 13:34

Danke Dir.
Ja, ich denke auch, zu oft und aufdringlich nervt. Das will ich ja auf keinen Fall.

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dingsvomdach 06.02.2011, 13:50
@Amikino

sei normal und unverkrampft,alles Aufgezwungene und Gekünstelte nervt ihn-und auch dich! Geh mit ihm raus in die Sonne wenn er mag,das tut euch gut!

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Sorge unaufdringlich dafür, dass er zunächst mal medizinisch betreut wird. Er muss beim Hausarzt vorstellig werden, der ihn weiter überweist. Meist zu einem Psychotherapeuten oder auch direkt in eine Tagesklinik. Die erste Stufe sind Antidepressiva und Gesprächstherapie und damit läßt sich schon viel erreichen. Sollte sich sein Zustand nicht bessern, wird ein Aufenthalt in einer Klinik unumgänglich sein. Du als Freund solltest ihn nicht links liegen lassen, sondern ihn besuchen und ihn dazu animieren, viel draußen spazieren zu gehen. Er braucht Bewegung und Sonnenlicht.

Meld Dich immer wieder, biete an das er sich melden kann wenn er mag. Zeig das Du für ihn da bist. Mehr ist leider nicht möglich. Wenn er in eine Klinik geht, besuch ihn dort ....

Amikino 06.02.2011, 13:48

Danke, mach ich.

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Das kommt auf den entsprechenden Menschen an, welche Hilfe sich da aneignet.

Ansonsten: PUBERTÄT

Amikino 06.02.2011, 13:31

Über das Alter sind wir längst weit hinaus.

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