Wie verhalte ich mich bei einem Kreislaufschock?

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5 Antworten

Moin,

ob du professionelle Hilfe benötigst oder nicht liegt in deinem Ermessen. Beine hochlegen ist eine Volksweisheit und in manchen Fällen könnte man damit auch einen positiven Effekt erzielen, jedoch sollte man sich die Vorgänge dabei vor Augen führen. Durch Anheben der Beine wird der hydrostatische Druck des Blutes in den Beinen auf das Blut in niedrigeren Körperlagen erhöht. Damit kommt es zu einem Rückstrom von venösem Blut in den Körperstamm (Autotransfusion). In manchen Fällen ist diese sogenannte Trendelenburg-Lagerung indiziert, jedoch nicht immer. Besteht Luftnot, ist diese Lagerung kontraindiziert. Besteht ein akutes Pumpversagen des Herzens, z.B. durch einen Herzinfarkt, ist diese Lagerung absolut kontraindiziert und könnte zu einem Kreislaufstillstand führen. Auch bei isolierten Schädel-Hirn-Traumen ("Gehirnerschütterungen" etc.) kann diese Lagerung sehr schädlich sein. Also: Nicht einfach Beine hochlagern, wenn es mal jemandem nicht allzu gut geht. Mit erhöhtem Oberkörper zu sitzen führt oft schon zum Erfolg. Einen Notarzt (und ich rede nicht vom kassenärztlichen Notdienst, sondern von einem echten Notarzt) benötigt man in der Regel nicht. Das nicht-ärztliche Rettungsdienstpersonal (Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter) ist auch für eine erste psychische Unterstützung geschult und führt den Patienten ggf. einer Fachklinik zu. Man sollte sich vor Augen führen, dass auch die nicht-ärztlichen Rettungsdienst'ler oft viel Lebenserfahrung haben, möglicherweise selbst schon einen Unfall hatten und solche Situationen im Berufsalltag zuhauf erlebten. Sie sind oft gute Ansprechpartner für eine erste Einschätzung der Verfassung des Patienten. Nur in Ausnahmefällen muss ein Notarzt, z.B. zu Verabreichung von Sedativa, d.h. Beruhigungsmitteln, nachgefordert werden.

Einen Schock hast du nicht erlitten, zumindest nicht im medizinischen Sinne. Es kann sein, dass ein Ereignis schockierend und erschreckend ist aber einen Schock hast du noch lange nicht.

Ein Schock ist grob gesagt ein Missverhältnis zwischen der zirkulierenden Blutmenge und der für eine suffiziente Sauerstoffversorgung des Gewebes benötigte Blutmenge. Dieses Missverhältnis kann u.a. durch akuten massiven Volumenverlust durch einen großen Blutverlust, durch akute Herzinsuffizienz, durch einen Schaden bestimmter Hirnareale, durch massive allergische Reaktionen und so weiter ausgelöst werden. Einen Schock kannst du nicht selbst behandeln, er erfordert eine sofortige intensivmedizinische und kausale Therapie, ansonsten wird er mit aller Wahrscheinlichkeit tödlich verlaufen.

Habe ich deine Frage soweit beantwortet oder ist noch etwas offen geblieben? Dann frag gern weiter.

Gruß :)

Du hast die Frage so beantwortet, wie ich es mir vorgestellt hatte und das, ohne mich Nicht-Mediziner für meinen ungenauen Ausdruck zu rügen - vielen Dank!
Offen geblieben ist eigentlich nur die Frage, ob es unverhältnismäßig wäre, in einem solchen Fall die 112 zu wählen und was passieren würde, wenn es mir 5 Minuten später tatsächlich wieder "super" (zumindest bezüglich meines Kreislaufs) geht.

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@SchneeKlee

Das hängt von der Einstellung des Patienten ab. Ich selbst würde das vermutlich nicht tun. Ich hatte auch schon einen nicht unbedeutenden Autounfall auf einer Autobahn, d.h. mit ca. 120 km/h. Durch glückliche Umstände blieb ich dabei unverletzt, war natürlich trotzdem aufgeregt und habe von einer Streifenwagenbesatzung der Autobahnpolizei, die den Unfall aufnahm, das Angebot bekommen, an deren Wache einen Tee zu trinken, zur Ruhe zu kommen und mich dort von Bekannten abholen zu lassen. Das hat in meinem Falle gereicht. ;)

Die 112 (Notruf Feuerwehr/Rettungsdienst) oder 110 (Notruf Polizei) kannst du natürlich gern wählen, im Falle der 112 handelt es sich bei dem Disponenten i.d.R. ohnehin um einen erfahrenen Rettungsassistenten, der meist selbst gut einschätzen kann, ob ein Rettungswagen für die Situation ausreichend ist.

Und danke für die freundlichen Worte :)

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@SchneeKlee

Nachdem du auf der Straße stehst, bleibt nur die 112 übrig. Wenn's dir beim Eintreffen des Rettungsmittels besser geht, sagst du einfach die Wahrheit. Dir war es schlecht etc. Da wird dir keiner böse sein. Vermutlich schaust du ja immer noch bleich und zittrig aus.

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Notarzt rufen wäre gut. Allerdings bist Du in diesem Moment nicht in einer lebensbedrohlichen Situation. Das könnte sich allerdings ändern, aber keine Sorge, diese Fälle sind selten. Aber da man das ja nicht weiß macht es Sinn, die 112 zu rufen.

Wenn Du kannst, lege die Beine hoch und versuche Dich zu beruhigen. Du hast das ja schon mal erlebt und weißt, daß es folgenlos vorüber gehen kann.

Dieser Schock hat immer eine Ursache, hier wohl ein kleiner Unfall. Also wird es Dir, falls es wieder passiert, wieder eine Ursache haben. Hat es das allerdings nicht, dann ist ärztliche Abklärung unbedingt erforderlich.

Das ist kein Grund, den Notarzt zu rufen. Es liegt kein lebensbedrohlicher Notfall vor. Es kann allenfalls ein Rettungswagen gerufen werden.

Wortklauberei ^^

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@SchneeKlee

Das ist keine Wortklauberei! Ein Notarzt auf einem NEF ist eine Sache und ein Rettungswagen ist eine andere Sache! Wenn du das nicht glaubst, dann frag mal bei deiner Krankenkasse nach, was es kostet, wenn ein Notarzt (ohne konkreten Anlass) zu dir fährt! Außerdem: Es gibt deutlich weniger notarztbesetzte Rettungsmittel wie NEF, Rettungshubschrauber etc. als Rettungswagen. Ist ein Notarzt belegt (im schlimmsten Fall ohne dass sein Einsatz indiziert ist), könnte er im selben Moment bei einem tatsächlich lebensbedrohlichen Notfall fehlen! Bitte beachten! Es geht an der Stelle nicht um Wortklauberei, sondern möglicherweise um eine adäquate Behandlung und damit auch möglicherweise um das Überleben eines anderen Menschen!

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@garfield262

Ich nehme aber doch an, dass nicht ich entscheide, ob ein Notarzt kommt, sondern der Disponent am Telefon?

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@SchneeKlee

Jap, siehe oben... ;) Der Punkt, den ich damit ansprechen wollte ist, dass die grobe Struktur des (vergleichsweise jungen) Rettungsdienstes in Deutschland langsam mal die allgemeine Bevölkerung erreichen sollte... Ein Rettungswagen ist eben nicht durch einen Notarzt besetzt, ein Krankenwagen ist kein Rettungswagen, ein Rettungswagen ist für die Notfallversorgung der Bevölkerung vorgesehen und durch nicht-ärztliches Personal besetzt.

Ein Polizist wird letztendlich auch nicht mit einem Staatsanwalt gleichgesetzt, obwohl beide für Ermittlungsarbeit verantwortlich sind. Und meiner Auffassung nach sollten grobe Kenntnisse des Aufbaus des deutschen Rettungsdienstes auch weitestgehend zum Allgemeinwissen der Bevölkerung gehören, ähnlich wie bei dem Polizist-Staatsanwalt-Beispiel. ;)

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@SchneeKlee

Sorry, das sollte jetzt nicht böse klingen, nur als ehemals berufsmäßiger Rettungsassistent "kämpfe" ich darum, dass die Menschen mal ein Bewusstsein dafür entwickeln, was um sie herum geschieht -  und das zum Teil auch mit zu viel Leidenschaft... Zumindest, was die Notfallrettung angeht ;) :)

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Das war ein Schock, kein Kreislaufschock. Dagegen kannst Du nichts machen, außer Dich zu beruhigen und wieder "zu Dir" zu kommen. Das dauert meist nicht lange. 

Ich will nicht übertreiben, aber was tun Sie wenn Sie keine Luft bekommen? Ich habe es zumindest aus dem Erste-Hilfe-Kurs so in Erinnerung, dass man die Beine des Patienten hochlegen soll...

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@SchneeKlee

Da trügt deine Erinnerung. Bei Atemnot wird der Oberkörper aufgerichtet.

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Andere Passanten um Hilfe bitten.

Da waren keine Passanten, ich war am sprichwörtlichen "Ar*ch der Welt" :S

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@SchneeKlee

Dann eben selber den Notarzt rufen.

Das ist nicht übertrieben. Du hast nur ein Leben.

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@Roderic

Eine simple Stressreaktion bedeutet noch lange keine Lebensgefahr. Wenn in solchen Fällen Lebensgefahr angenommen wird, müsste jeder Mensch grundsätzlich unter ärztlicher Aufsicht stehen, da jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt das Potential hat, einen lebensbedrohlichen Krampfanfall erleiden zu können.

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@garfield262

Das sollte jeder selber für sich entscheiden. Ich jedenfalls hänge an meinem Leben und ich rufe lieber einmal zuviel nach einem Notarzt als einmal zu wenig. (...falls ich mal in eine derartige Situation kommen sollte, was bisher noch nicht vorgekommen ist.)

Ob der Notruf dann tatsächlich überflüssig ist, kann ein guter Arzt bereits am Telefon einschätzen und entsprechende Anweisungen erteilen.

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