Wie verhält man sich in einer russisch- orthodoxen Kirche richtig?

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4 Antworten

Eigentlich kannst du nicht viel falsch machen. Ein russisch-orthodoxer Gottesdienst spielt sich eigentlich nur zwischen den Geistlichen (Priester und Diakon) und dem Chor ab. Dazwischen darf sich das Kirchenvolk auch mal bekreuzigen, was in einer ziemlich trasanten Geschwindigkeit geschieht. Teilnahme am Abendmahl ist nicht möglich, da dazu einige Bedingungen erfüllt werden müssen. Es ist möglich, dass dir der Priester nach der Kommunion geweihtes Brot gibt. Das ist keine gewandelte Abendmahlsgabe, aber sollte sofort gegessen werden. Meist gibt es in russisch-orthodoxen Kirchen keine Sitzgelegenheiten; wenn vorhanden sind sie für Alte und gebrechliche reserviert. Rechne aber damit, dass du zwei (oder auch mehr) Stunden stehen musst. Und wundere dich nicht, wenn während der Messe ein ständiges Kommen und gehen herrscht. Die meisten Menschen nehmen nicht an der gesamten Messe teil.

Eine russisch-orthodoxe Kirche (zerkow, soborh) ist in der Regel kein Museum und keine Besucherattraktion, sondern ein Gotteshaus, was die Gläubigen sehr ernst nehmen.

Bewege Dich frei in ihm, aber nicht hinter dem Ikonostas! Kleide Dich dezent und ortsangemessen würdig. Ein Anzug kann nicht schaden, Frauen lange, geschlossene Kleider und Kopftuch. Nicht bunt wie Papgeien.** Bewege Dich gemessenen Schrittes** und vermeide rennen, umherrufen und brüllen ("Ej, kiek mal hier, 'ne Rubkjow-Ikone! Geil, mann,".

Der Gottesdienst kennt kein Instrumentarium, das es wert wäre Gott zu loben, außer die menschliche Stimme. Also nicht den Gläubigen mit einer Gitarre eine Freude machen wollen, indem man ihnen auf der Klampfe "Vom Himmel hoch" vorspielt - alles schon erlebt! Doch auch die menschliche Stimme sollte nur dem byzantinischen Ritus entsprechend eingesetzt werden. "O maria maris stella, plena gratiae..." auf gregorianisch noch so kunstvoll vorgetragen, wird keine Begeisterungsstürme wecken. Die Weströmer sind zumindest für die Altgläubigen so gottesfern wie die Muselmänner.

NIcht sitzen! In GOTTES Haus und vor SEINEM Antlitz steht DEROHÖCHSTSELBE Schöpfung in Demut. Oster- oder Weihnachtsgottesdienst dauert am Stück schon mal um die drei bis füns Stunden? Wurscht! Das wird "durchgestanden". Die alten Mütterchen machen es Dir vor.

Ansonsten dezent, leise, unauffällig, ergriffen und kein Dauerblitzlicht. Das wäre eigentlich alles. Und wenn Du "Possetil nyi spas nasch..." mitsingen kannst, ist Deine protestantische Seele schon beinahe gerettet...;-)

https://www.google.de/search?q=g%C3%B6ttliche+liturgie+deutsch&aq=3&oq=G%C3%B6ttliche+Liturgie&sugexp=chrome,mod=0&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Wenn der Link nicht funktioniert, google nach "Göttlicher Liturgie".

Bajun hat nichts darüber geschrieben, daß es Sitte ist, die Ikonen zu grüßen, die eben zu diesem Zweck aufgestellt werden. Das sind i. d. R. Christus, Maria und der/die jeweilige Tagesheilige. Meines Wissens begeht man einen Fauxpas, wenn man die Respektbezeugung (in Form einer Verneigung, orth. Kreuzzeichen und Kuß) unterläßt. Ich war schon lange nicht mehr in einer orthodoxen Kirche (mangels Masse in bayrischer Provinz) und kann nicht sagen, ob sich da inzwischen was geändert hat. Bajun hat natürlich in allem Recht, Du tust gut daran, seinem Rat zu folgen. Ich wünsche Dir einen schönen Samstag! Gruß, q.

Soveiel Fettnäpfchen gibt es nicht. Ich würde vorher aber mit den zuständigen Popen sprechen und ihn informieren, was Du vorhast.

Du brauchst ein gutes Stehvermögen und solltest die kirchenslawische Liturgie kennen. Eines ist wichtig : die Bekreuzigung. Die läuft etwas anders in der ROK. Und mitsingen solltest Du auch.

Danke für die Antwort. Wo bekomm ich denn eine kirchenslawische Liturgie her? Die Buchstaben kann ich alle soweit lesen (sowohl kyrillisch/ Grazhdanka, als auch Altkirchenslawisch)

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