wie verhält man sich einem autisten gegnüber?

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Ist es denn dein Problem, ob sie ihre Aufgaben macht oder nicht?

Eventuell ist sie in der Klasse reizüberflutet und kann daher nicht zeitgleich schreiben und dem Unterricht folgen.
Bekommt sie Nachteilsausgleiche?

Ansonsten schreibe ich dir jetzt einfach mal einen kleinen Text, den ich mal zu Autismus schrieb:

Um Autismus genau zu erklären, müsste ich mehrere Bücher schreiben, schätze ich. Ich versuche es mit einer kurzen Erklärung:

Wichtig ist erstmal zu wissen, dass kein Autist wie der andere ist, das Spektrum ist groß, Autisten können sehr unterschiedlich sein.

Was sie wohl gemeinsam haben, sind zwei Dinge:
Reizfilterschwäche/Wahrnehmung und die soziale Komponente. Auswirken muss sich das aber nicht immer gleich.

Die Wahrnemung ist bei Autisten anders als bei Nicht-Autisten. Während Nicht-Autisten automatisch filtern, können das Autisten nicht in der Form. Beispiel:
In einem Raum sind viele Geräusche, nehmen wir das Klassenzimmer. Draußen zwitschern Vögel, ein Auto fährt vorbei, auf dem Flur schlurft jemand entlang, in der Klasse flüstern ein paar Schüler, einige schreiben in Hefte (Papierrascheln und Stiftgeräusche), der Lehrer schreibt an die Tafel (Kreidegeräusche) und erklärt etwas. Ein Nicht-Autist kann die anderen Geräusche runterregeln, das macht sein Gehirn automatisch, und dem Lehrer verhältnismäßig problemlos folgen. Dem Autist fällt das schwerer. Sein Gehirn regelt die anderen Geräusche nicht automatisch runter, trennt nicht nach wichtig und unwichtig, er kann so den Lehrer nicht immer so leicht verstehen. Die Reizfilterschwäche kann alle Sinne betrefffen. Manche Autisten ertragen bestimme Stoffe nicht auf der Haut, mögen es nicht, (unerwartet) berührt zu werden, können sich nicht konzentrieren, wenn eine Lampe flackert, mögen nicht alles gleichzeitig im Mund haben, sondern essen die Bestandteile des Mittagessens lieber nacheinander, können verschiedene Gerüche nicht gut ertragen ...
Das sind nur Beispiele, die so exakt nicht auf jeden Autisten zutreffen müssen, es können auch andere Dinge sein. Was genau es bei deiner Mitschülerin ist, kann nur sie dir sagen.

Reizüberflutungen/Overloads können sich in Stimming äußern, am bekanntesten dürften da wohl das Schaukeln und das Händeflattern sein, es kann sich aber auch unauffälliger äußern.
Auch können Reizüberflutungen in Shutdowns oder Meltdowns münden.

Dann die soziale Komponente. Autisten fällt es oft schwer, Gestik, Mimik und Zwischen-den-Zeilen-Gesagtes zu deuten. Wenn dich zum Beispiel stört, wenn sie im Unterricht tuschelt, und du wirfst ihr deswegen einen Blick zu, den wahrscheinlich jeder andere Schüler verstehen würde, kann es sein, dass sie das nicht versteht. Oder wenn du dann sagst: "Es könnte auch mal leiser sein in der Klasse." pflichtet sie dir vielleicht sogar bei, tuschelt aber weiter, weil du nur zwischen den Zeilen Bezug auf sie nimmst. Also ist es oft besser, direkter zu sprechen, dabei aber dennoch höflich bleiben. "Sei bitte leise." direkt an sie gerichtet wird sie verstehen.
Ironie zu erkennen ist dadurch auch mitunter schwer.
Auch das nur ein Beispiel. Im Laufe der Jahre lernen Autisten auch dazu. Doch bleibt es für sie immer eine Denkarbeit, die Nicht-Autisten eher automatisch im Gehirn ablaufen lassen.

vielen dank!!!!!! ich hatte mich zwar schon auf wikipedia schlau gemacht aber DAS war echt hilfreich!!!!!!!!!

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Verhalt dich ihr gegenüber so wie du dich allen anderen auch gegenüber verhälst, denn man möchte nicht anders behandelt werden als andere. Ich hasse es, wenn ich stetig anders behandelt werde. Ich kriege dann einfach nur die Kriese...

Autisten sind Menschen. Du kannst mit deiner Mitschülerin ganz normal reden wie mit jedem anderen Menschen. Sie reagiert etwas reserviert, aber sie meint es auch so und du kannst es wörtlich nehmen.

Wenn sie bei einer Aufgabe keine Hilfe möchte, dann meint sie das auch so, Sie möchte das eben alleine oder gar nicht lösen. Das darfst du akzeptieren.

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