Wie tolerant kann man sein?

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10 Antworten

Toleranz bedeutet ja nur, dass man akzeptiert, dass es auch andere Weltansichten/ Einstellungen/ Lebensweisen als die eigene gibt. Man muss ja nicht alles gleich toll und super finden. Man kann tolerant sein und trotzdem Sachen nicht gut finden. Man kann z.B. akzeptieren, dass es Beschneidung gibt und sie persönlich trotzdem ablehnen. Es macht einen aber nicht zu einem schlechten Menschen, wenn man manchen Dingen gegenüber intolerant ist. Ich persönlich bin gerne Dingen gegenüber intolerant, die anderen schaden, z.B. Pädophilie oder Tierquälerei. Toleranz allem und jedem gegenüber macht einem nicht zu dem perfekten Menschen.

Du siehst das zu extrem. Wenn du allen gegenüber tolerant bist außer den Nichttoleranten, dann bist du immer noch tolerant, es sei denn natürlich, du hältst die Mehrheit an Leuten für nicht tolerant.
Menschen sind aber selten nur tolerant oder nur intolerant. Jeder toleriert gewisse Dinge, andere nicht.

Was du eigentlich fragen willst, ist, ob es überhaupt möglich ist, allen gegenüber tolerant zu sein. Da muss ich dir sagen, dass man sogar zu Intoleranten theoretisch tolerant sein kann.

Toleranz ist etwas anderes, als Egalsein. Wenn du etwas oder jemanden tolerierst, dann duldest du das oder denjenigen. Wenn Kinder herumkreischen und ich das toleriere, dann dulde ich das. Ich beschwere mich nicht. Das heißt aber nicht, dass es mir egal ist.

Erdulden kann man viel...

Dulden hört sich aber schon einmal nicht mehr so schön und freundlich an, besonders wenn man von Toleranz gegenüber Menschen spricht.

Besser als Tolerieren ist deshalb Verstehen oder einen (Grund-)Respekt haben.

Aber was ist dann der Unterschied zwischen Toleranz und egal sein. Für mich klingt nach deiner Definition beides ziemlich ähnlich.

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@DieUlkigeUrsula

Das habe ich doch versucht anhand des Beispiels mit den Kindern zu erklären.

Wenn Kinder herumschreien und ich lärmempfindlich bin, dann ist es mir nicht egal, dass sie schreien. Ich kann es aber dennoch tolerieren (im Sinne von dulden), weil ich weiß, dass Kinder nunmal so sind. Ich kann es aber auch nicht tolerieren. Dann beschwere ich mich bei den Eltern oder schlimmer schnauze die Kinder direkt an.

Wenn ich etwas oder jemanden toleriere, habe ich demjenigen gegenüber eine negative Haltung. Hätte ich eine positive Haltung, würde doch niemand von tolerieren sprechen.

Wenn ich es toll finde, dass meine Freunde mir den ganzen Kuchen wegessen, dann spricht man nicht davon, dass man das toleriert. Man spricht erst davon, wenn man das eigentlich voll doof findet, dass die das tun und es trotzdem zulässt.

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@Suboptimierer

Du hast recht. Wenn man das mit dem Wissen betrachtet wirkt diese ganze Sache mit der Toleranz gegenüber Ausländern, Homosexuellen und Muslimen etc. ganz anders. Ich dachte immer man will den Leuten damit sagen, dass es nicht schlimm ist dass wir Ausländer aufnehmen, aber eigentlich sagen sie ja nur, dass sie wissen, dass es doof ist wir es aber trotzdem machen.

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@DieUlkigeUrsula

Oder nochmal versucht anders auszudrücken:

etwas (Negatives) erregt meine Aufmerksamkeit. Bis ich mich genötigt fühle zu reagieren toleriere ich es.

eine Toleranz ist ein Spielraum eine Knautschzone. überhöhte Blutwerte zwingen mich nicht zu reagieren solange sie noch im Toleranzbereich sind. Auf jeden Fall haben sie meine Aufmerksamkeit.

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@DieUlkigeUrsula

Genau, deswegen aufpassen, wenn man anderen einfach etwas nachplappert. Mir fällt da ganz spontan die Werbung des großen Fernsehsender ein.

es ist aber auch wahr, dass die Menschen die Macht haben alle Definitionen zu überspielen. wenn Toleranz allgemein als etwas Gutes angesehen wird dann kannst du nicht viel verkehrt machen wenn du dich anschließt zumindest nicht in den Augen derer.

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@DieUlkigeUrsula

und eines noch. Bezugnahme auf Menschen zurück Toleranz immer auch von einem Machtgefälle. Ich kann jemanden tolerieren oder ich kann es nicht. Ich stehe quasi über demjenigen.

Toleranz impliziert zwar eine negative Grundhaltung, aber es ist natürlich immer noch besser als intolerant zu sein denn damit zieht man die Grenze noch weiter herunter.

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Nur weil man zu einer bestimmten Gruppe gehört, heißt das nicht, dass man automatisch gegenüber der anderen Gruppe intolerant ist. Man kann ja auch sagen "Ich bin Deutscher" und das heißt nicht, dass man rassistisch gegenüber Asiaten ist.

Sprich, solange du die Intoleranten tolerierst, gibt es keinen Widerspruch.

Toleranz bedeutet, dass du jemand, der aufgrund seines unterentwickelten Bewusstseins an Dinge glaubt, die nicht wahr sind, neutral gegenueberstehst, du verurteilst ihn nicht, weil er es ja nicht besser wissen kann. Er hat weder das Wissen, noch das Bewusstsein. Das ist Liebe pur. Deine Aufgabe ist es nun, ohne den anderen vor den Kopf zu stossen, ihm eine andere Sichtweise zu vermitteln, ohne seine Sichtweise in Frage zu stellen. Das ist nicht leicht und erfordert Wissen um das Nicht-Wissen. Du laesst ihm die Freiheit selbst zu entscheiden, mit dem Nebeneffekt, das deine Sichtweise nicht anerkannt wird. Im normalen Leben ist Toleranz immer ein Problem, da es deine kostabre Zeit und deine Geduld aufs auesserste strapaziert und daran kann man selbst lernen. Wenn jemand nicht so weit ist, was koenntest du machen? Toleranz deutet immer auf Defizite hin, die der Wissende dem Unwissenden zugesteht. Aber verstehe mich nicht falsch, wenn Toleranz nicht vorhanden ist, dann gebe dich nicht der Illusion des Verstehens hin, denn es ist nicht deine Lernaufgabe. Toleranz ist Liebe auf einem hoeheren Level, wenn man es denn aushalten kann, wenn man nicht so weit ist, sollte man es erstmal mit Mitgefuehl versuchen. Alles Gute!

Nein, wieso grenzt Du Dich ab? Du kannst doch die nicht-toleranten gerne auch tolerieren! Du stellst mit der Aussage ja nur fest, dass Du tolerant bist, nicht, dass es auch nicht-tolerante Menschen gibt, was eine Bewertung wäre. Und natürlich kannst Du auch bewertende Menschen tolerieren.

Du siehst das zu eng. Man muss nicht zu allem und jeden tolerant sein, Es gibt Sachen, die man gar nicht akzeptieren kann und muss. Du musst nicht alles akzeptieren, das meint man mit tolerant zu sein.

Schliesslich hat man auch seine eigene Meinung und diese sollte man auch vertreten koennen, auch wenn andere das eben nicht akzeptieren.

Nur weil du in einer Gruppe bist heisst das noch lange nicht das du intolernt bist gegenueber einer anderen Gruppe.

Beispielsweise du magst einen bestimmten Saenger sehr gerne von seiner Musik her und bist in einem Fanclub. Das heisst aber noch lange nicht das du andere Member von anderen Fanclubs nicht akzeptieren kannst, weil sie einem anderen Kuenstler anhaengen.

Jeder hat eben einen eigenen und anderen Geschmack, egal ob es sich um Mode, Musik, Religion oder Weltanschauung handelt.

Ist eben relativ - abgesehen davon, dass man als weibliche Person mit diesem Hinweis sich in ein schiefes Licht rückt.

Toleranz ist imm er relativ.

Ich halte es da mit dem alten Motto der Antifa:

"Ich bin tolerant - und wem das nicht passt, der kriegt auf's Maul!"

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